Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Medien Rotlicht geht immer
Nachrichten Medien Rotlicht geht immer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:00 19.12.2014
Erfurt

Politisch waren die vergangenen Monate in Thüringen durchaus krimireif. Die Zeit bis zur Wahl von Bodo Ramelow zum ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei hätte eine ganze Staffel „House of Cards“ gefüllt. Im alltäglichen „Tatort“-Geschäft aber konzentrieren sich die Drehbuchschreiber für die Thüringen-„Tatorte“ auf Rotlicht statt Rot-Rot-Grün: Sowohl die Folgen in Erfurt an diesem Sonntag als auch in Weimar am Neujahrsabend spielen im Milieu.

Was uns das zeigt: Rotlicht geht dramaturgisch immer, denn Puffs gibt es selbst in den beschaulichsten Städten. „Jacqueline wird sich um Sie kümmern“, flötet die Chefin, doch Kommissar Maik Schaffert (Benjamin Kramme) kontert: „Jacqueline heißt eigentlich Mandy und war drei Klassen unter mir.“

Das junge Erfurter Ermittlertrio Schaffert, Henry Funck (Friedrich Mücke) und Johanna Grewel (Alina Levshin) muss in seinem zweiten Fall gehörig aufdrehen: Das Debüt vor gut einem Jahr war grottenlangweilig, das jüngste „Tatort“-Team machte sich zudem mit altbackener Jugendsprache lächerlich. Alter Falter, das muss besser werden.

Das wird es – ein bisschen: Die Ex-Praktikantin Levshin ist nun zur Kommissarin befördert worden, das Trio agiert also auf Augenhöhe und ermittelt unaufgeregt. Zunächst geht es um den örtlichen Rotlichtkönig Timo Lemke (Werner Daehn). Der sitzt eigentlich ein, bekommt aber Freigang zur Beerdigung seines Vaters. Lemke flieht – und erschießt dabei einen Polizisten.

Während Funck, Schaffert und Grewel den Flüchtigen suchen, wird ihre Chefin Petra „Fritze“ Fritzenberger (Kirsten Block) entführt. Sie hatte Lemke einst mit Kriminaldirektor Volker Römhild (Christian Redl) hinter Gitter gebracht. Will der sich nun rächen? Dann aber stirbt Lemke – erschossen von Römhild. Fritzenberger bleibt verschwunden, ebenso der Ex-Polizist Ingo Konzack (Oliver Stokowski). Konzack war Lemkes Maulwurf bei der Polizei, ergaben die damaligen Ermittlungen. Doch vor allem Neu-Kommissarin Grewel hat ihre Zweifel an dieser Version. Aus dem Rotlicht-Fall wird nun eine Blaulicht-Ermittlung im (Ex-)Kollegenkreis.

„Ein guter Krimi muss die Spannung bis zum Ende halten“, sagt Alina Levshin im Interview. Und weiter: „Er muss den Zuschauer auf die Reise mitnehmen, kann ihn auch einmal in die Irre leiten, sollte ihn aber unbedingt ernst nehmen und nicht für dumm verkaufen.“ Genau das tut leider dieser zweite Erfurt-„Tatort“. Der Zuschauer weiß zu früh, wer der wahre Maulwurf ist, Spannung kann da nicht mehr aufkommen. Der Erfurter „Tatort“ hat ein Problem – nicht so sehr mit den Ermittlern, aber  mit den Drehbüchern (diesmal stammt es von Leo P. Ard und Michal B. Müller, Regie führte Johannes Grieser). Wenn die besser werden, wird das noch was in Thüringens Landeshauptstadt.

Das Trio ist nämlich gar nicht so schlecht:  Funck und Schaffert sind geradlinige Ermittler, was auch mal ganz geruhsam ist angesichts der Schwemme an gebrochenen Charakteren (auch Mark Waschke wird im neuen Berlin-„Tatort“, der im März startet, einen Kommissar mit dunklem Geheimnis spielen). Alina Levshins Figur Johanna Grewel aber hat das Potenzial zum genialen Irrlicht in dieser straighten Polizeidirektion. In der aktuellen Folge lässt sie die Rechner ihrer Vorgesetzten hacken, ohne mit der Wimper zu zucken. Und dann lädt sie den bärenhaften Computernerd aus der hauseigenen IT zum Dank auf ein Date ein. Hoffentlich wird daraus was. Dieser „Tatort“ braucht ein Soziopathen-Pärchen.

Von Jan Sternberg

Tatort: Der Maulwurf“ | ARD
Krimi mit Alina Levshin
Sonntag, 20.15 Uhr

Golineh Atai ist die „Journalistin des  Jahres“ 2014. Eine rund 80-köpfige Jury der des „medium magazin“ entschied sich für die 40-jährige Russland-Korrespondentin von WDR und ARD. Zudem vergab das Gremium Preise in acht Fachkategorien, für das Lebenswerk und die Redaktion des Jahres.

19.12.2014

Eine Schwachstelle im UMTS-Datenfunk haben IT-Experten entdeckt. Sie ermöglicht das Ausspähen von E-Mails und das Mithören von Telefonaten. Telefonunternehmen behoben die Sicherheitslücke sofort. Von einer weiteren Datenleck sollen etwa zwölf Millionen DSL- und Kabel-Router betroffen sein.

19.12.2014
Medien TV-Klassiker in Neuauflage - „Am laufenden Band“ feiert Comeback

Exakt 40 Jahre nach der Erstausstrahlung moderiert Jörg Pilawa erlebt die Spielshow „Am laufenden Band“ ein einmaliges Comeback. Berühmt wurde die erfolgreichste Samstagabendshow im NDR Fernsehen durch den 2006 verstorbenen Entertainer Rudi Carrell. Er wäre heute 80 Jahre alt geworden.

19.12.2014