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Panorama Künstlerisches Wachkoma
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19:59 08.06.2018
Kein Vernissage-Besucher würde es zugeben, aber wenn der Magen knurrt, ist die Kunst egal. Quelle: Fotolia
Hannover

Besucher von Vernissagen haben immer Hunger und nie Geduld. Dann kommt der kritische Moment. Es ist der Moment, in dem ein dem Publikum geläufiger, manchmal unbekannter Mensch, ein als Laudator, Redner oder Experte eingeführter vermeintlicher Auskenner vor das Publikum tritt und zu einem Monolog anhebt, während das Büffet unberührt und durchaus schmackhaft in Sichtweite steht und auffordernd duftet.

In diesem Moment spielen sich in Köpfen von hungrigen Ausstellungsbesuchern bestimmte, stereotype Szenarien ab, Dramen mitunter, Schutzmechanismen zuweilen.

Eine ganz normale, instinktive Reaktion des Körpers. Man stelle sich ein Rudel Löwen mit freier Sicht auf eine Antilopenherde vor, da hört auch niemand mehr zu, wenn der Rudelführer die Wochenplanung vorstellt.

Niemals den Redner unterschätzen

Bei Vernissagen ist es ähnlich. Da wird versucht, anhand der Dicke des Zettelstapels, die der Laudator mit sich herumträgt, zu ermessen, wie lange es dauern KÖNNTE.

Wobei man Redner nicht unterschätzen sollte, die in perfekter Antizipation solcher Momente pro geschriebenem Satz ein Blatt Papier benutzen und mit einem Aktenordner vor das Publikum treten. Einfach nur, um die Reaktion zu testen. Oder wegen 17 Dioptrien beidseitig.

Da gibt es andere Besucher, die in eine partielle Motionsstarre fallen, ein sogenanntes exhibitionistisches Wachkoma, das im Stehen und Sitzen funktioniert.

Alle Sinne im Eco-Modus

Dabei werden die Aufmerksamkeit und alle Sinne in einen Ruhezustand, einen Eco-Modus heruntergefahren, während die Gesichtszüge durchgehend interessiert und freundlich bleiben und sogar Applaus der Umstehenden sensorisch erfasst und mitgemacht wird.

Bei besonders routinierten Ausstellungsbesuchern soll die Fähigkeit, kraft der eigenen Ungeduld leichte Häppchen vom Büffet in den eigenen Mund zu teleportieren, schon recht weit entwickelt sein.

Falls Ihnen also bei der nächsten Vernissage während der Einführungsrede etwas Fischiges vor die Füße fällt – es ist ein Lachsschnittchen auf dem Weg zu Ihrem Nebenmann, der noch übt.

Von Uwe Janssen

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