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Panorama Alfies Armee kämpft weiter
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19:46 26.04.2018
Unterstützung für Alfie: Vor dem Kinderkrankenhaus wurden Kerzen und Kuscheltiere niedergelegt. Quelle: imago
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London

Alfies Armee will nicht aufgeben. So nennen sich die zahlreichen Unterstützer der Familie Evans, die seit Wochen vor einem Krankenhaus in Liverpool dafür demonstrieren, dass „die Eltern das Recht erhalten, die Wahl zu haben“ - über das Schicksal ihres todkranken Sohnes.

„Rettet Alfie“, fordern sie auf Plakaten und in Sprechchören. Es geht um Leben und Sterben, weshalb in Großbritannien besonders erbittert über die Frage gestritten wird, wer entscheiden darf: die Angehörigen? Die Ärzte? Oder der Staat und Gerichte?

Geräte abgeschaltet, aber Alfie atmet noch

Der 23 Monate alte Alfie, der sich seit Dezember 2016 in einem „halb-vegetativen Zustand“ befindet, leidet unter einer schweren neurologischen Erkrankung, die noch nicht eindeutig diagnostiziert werden konnte.

Die Mediziner der Kinderklinik Alder Hey im nordenglischen Liverpool bezeichneten die Verlängerung seines Leidens als „grausam und unmenschlich“, weil ihrer Ansicht nach das Gehirn des Jungen bereits fast vollständig zerstört ist.

Kämpft um sein Leben: Der schwerkranke Alfie Evans. Quelle: AP

Das wollen die Eltern, Tom Evans and Kate James, nicht hinnehmen, hatten sich vielmehr monatelang durch alle Instanzen geklagt. Aber mehrere Urteile bekräftigen die Einschätzung, dass eine weitere Behandlung „nicht im Interesse“ des Kleinkindes sei und auch die Richter des britischen High Court gaben den Ärzten Recht.

Vater: Kein Wunder, sondern Fehldiagnose

Deshalb wurden am Montagabend die lebenserhaltenden Maßnahmen, die künstliche Ernährung sowie die Beatmungsgeräte, für Alfie eingestellt. Doch der kleine Junge atmete selbstständig weiter. Und die verzweifelten Eltern, strenggläubige Katholiken, schöpften neue Zuversicht.

„Kein Wunder, sondern eine Fehldiagnose“: Alfies Vater Tom Evans. Quelle: AP

„Einige sagen, es ist ein Wunder“, sagte der 21-jährige Vater Tom Evans über die Tatsache, dass sein Sohn zumindest bis am Donnerstag noch am Leben war. „Es ist aber kein Wunder. Es handelt sich um eine Fehldiagnose.“

Ein Hoffnungsschimmer tat sich zunächst in Italien auf, nachdem Papst Franziskus angeboten hatte, Alfie in der vatikanischen Kinderklinik in Rom behandeln zu lassen. Der einzige Meister über das Leben, von seinem Anfang bis zu seinem Ende, sei Gott, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nach einem Treffen mit Tom Evans im Vatikan.

Am Montag bekräftigte der Papst noch einmal via Twitter, dass der Wunsch der Eltern erfüllt werden möge, neue Therapiemöglichkeiten zu suchen. Ein Rettungsflugzeug stand bereit, um Alfie nach Italien zu transportieren. Doch am Mittwochabend wiesen die Richter die Anträge ab, die frühere Entscheidung zu kippen. Alfie darf nicht nach Italien, sondern muss in seiner Heimatstadt Liverpool bleiben.

Einige der Unterstützer des jungen Paars, „Alfie’s Army“, versuchten diese Woche deshalb sogar, das Krankenhaus zu stürmen, wurden jedoch von der Polizei zurückgedrängt. Bereits seit Längerem beschweren sich die behandelnden Ärzte und Pfleger, dass sie von Aktivisten bedroht und wüst beschimpft werden.

Die Polizei hindert Demonstranten daran, die Klinik zu betreten. Quelle: AP

Wie lange wird, wie lange kann das Drama weitergehen? Medienberichten zufolge mussten die Eltern diese Woche den Sohn beatmen, weil die Lippen blau angelaufen sein sollen. „Wir haben das getan, was eigentlich eine Krankenschwester hätte tun sollen, um sein Leben zu erhalten“, wird der Vater in der Boulevardzeitung „The Sun“ zitiert.

Parallelen zum Fall Baby Charlie

Doch das Klinikpersonal ist nicht mehr zuständig. Auch deshalb wollte Tom Evans am gestrigen Donnerstag mit dem Krankenhaus über die Möglichkeit verhandeln, das Kleinkind nach Hause zu verlegen. Er hoffe, dass dies „in ein bis zwei Tagen“ der Fall sein werde.

Die Geschichte erinnert an jene von Baby Charlie Guard, die im vergangenen Jahr ebenfalls wochenlang die Gemüter in Großbritannien erhitzt hat. Der elf Monate alte Säugling litt unter einer seltenen genetischen Krankheit, deren Heilung laut Experten ausgeschlossen war.

Erst nach monatelangen juristischen Streitigkeiten gaben die Eltern ihren Kampf auf, den Sohn für eine experimentelle und äußerst umstrittene Therapie in die USA zu bringen. Im Juli starb Charlie Guard in einem Hospiz.

Von Katrin Pribyl/RND

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