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Panorama Die „Titanic“ wird gefressen
Nachrichten Panorama Die „Titanic“ wird gefressen
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16:35 17.05.2017
Der Bug der „Titanic“ im Nordatlantik. 1912 brach das Schiff zu seiner Jungfernfahrt auf. Jetzt droht Eisenfraß das Wrack zu zerstören. Quelle: imago
Bremerhaven

Der Untergang der „Titanic“ ist die wohl bekannteste Katastrophe der Seefahrt: Nach der Kollision mit einem Eisberg auf der Jungfernfahrt von Southampton in England nach New York sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1500 der mehr als 2200 Menschen an Bord kommen ums Leben. Bald schon könnte auch das Wrack nur mehr Geschichte sein.

1985 wurde das Schiff in 3800 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans entdeckt. Inzwischen ist es in keinem guten Zustand mehr. Schon in 15 bis 20 Jahren könnten die Überreste komplett verschwunden sein, schätzen Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung. Die Ursache: bakterieller Eisenfraß.

„Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen“, sagt Antje Boetius vom AWI. Forscher entdeckten vor einigen Jahren in den Rostflocken die Bakterienart Halomonas titanicae. „Eigentlich wächst dieses Bakterium gerne im Warmen bei über 30 Grad», sagt Boetius. „Aber dort, wo das Wrack liegt, sind es vier Grad.“

In der kalten Tiefsee müssten die Schiffsüberreste also eigentlich geschützt sein. Doch die Mikroben zersetzen die Schiffswände trotzdem. „Sie verursachen Lochfraß“, so die Tiefseeforscherin. „Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen.“

Die Bakterien entziehen dem Eisen Elektronen als Energiequelle, um wachsen zu können. „Sie leben also direkt vom Metall“, sagt Boetius. Dieser Elektronenentzug führt dazu, dass das Metall rostet. Auch für moderne Unterwasserbauwerke sind die Folgen des Eisenfraßes gefährlich. So könnten die Bakterien an Unterwasser-Ölpipelines ähnliche Schäden anrichten wie an der „Titanic“. „Das ist ein Problem im Meer, über das die Industrie nicht gerne spricht“, so Boetius.

Der Vorsitzende des „Deutschen Titanic-Vereins von 1997“, Malte Fiebing-Petersen, sieht den kompletten Zerfall der „Titanic“ noch nicht ganz so bald kommen wie die AWI-Experten. „Die Natur holt sich das Schiff zurück. Das ist der Lauf der Dinge“, sagte Fiebing-Petersen. Der Stahl sei aber nicht überall gleich dick. Die oberen Decks seien vermutlich tatsächlich in 10 bis 15 Jahren verschwunden. Die eigentliche Schiffshülle aber sei aus dickerem Stahl. „Den aufrecht stehenden Bug werden wir noch viele Jahrzehnte haben.“

Von Sabine Dobel

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