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Panorama Frau an Seil hinter Auto hergeschleift – Ex-Mann gesteht
Nachrichten Panorama Frau an Seil hinter Auto hergeschleift – Ex-Mann gesteht
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13:38 22.05.2017
Verteidiger Bastian Quilitz und der Angeklagte Nurettin B..  Quelle: Zgoll/HAZ
Hannover

 Gefühllos und unbarmherzig: Diese zwei Worte aus der von Staatsanwältin Ann-Kristin Fröhlich verlesenen Anklageschrift beschreiben die Tat, die dem 39-jährigen Nurettin B. vorgeworfen wird, wohl am treffendsten. Am 20. November 2016 hat der Deutsche mit türkischen Wurzeln versucht, in Hameln seine ehemalige Lebensgefährtin umzubringen – dies räumte er am Montag vor dem Schwurgericht Hannover ein. Im Zuge eines Streits um Unterhaltszahlungen, die er nicht leisten wollte, schlug er die 28-Jährige zu Boden. Stach mit einem Messer auf ihren Oberkörper ein. Traktierte ihren Kopf mit der stumpfen Seite einer Axt. Und schlang schließlich ein Seil um ihren Hals und schleifte die schwerverletzte Frau mit seinem VW Passat 208 Meter über den Asphalt. Nun muss sich B. wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten, heißt es in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Wie die Staatsanwältin vortrug, währte der Unterhalts-Streit von Nurettin B. mit seiner früheren Partnerin schon längere Zeit, auch das Sorge- und Umgangsrecht für den dreijährigen Sohn war ein ständiges Thema. Vier Wochen vor der Tat, so die Anklage, bedrohte B. die Frau mit dem Tode, sollte sie nicht von ihren Unterhaltsansprüchen – die für ihn in Lohnpfändungen zu münden drohten – Abstand nehmen. Diese Drohung soll er am 15. November, wenige Tage vor dem Gewaltexzess in Hameln, nochmals wiederholt haben.

Die mehrstufige Attacke brachte die 28-Jährige fast zu Tode. Zwei Messerstiche verletzten ihren Herzbeutel und die Bauchhöhle. Die Axtschläge verursachten eine offene Schädelfraktur. Das Seil, an dem sie über die Straße geschleift wurde, zog sich immer enger um ihren Hals; hätte es sich nach gut 200 Metern – auf einer Kopfsteinpflaster-Straße – nicht von der Anhängerkupplung gelöst, wäre sie vermutlich erstickt. Das Opfer musste reanimiert werden, wurde über eine Hamelner Klinik in die Medizinische Hochschule Hannover transportiert. Dort lag die Frau bis Januar im künstlichen Koma, musste seither zahlreiche Rehabilitationsmaßnahmen über sich ergehen lassen.

Die Verteidiger Matthias Waldraff und Bastian Quilitz verlasen für ihren Mandanten eine längere Erklärung, in der B. die Schreckenstat einräumte. Er bekenne sich schuldig, „diese grausame, widerliche und abscheuliche Tat“ begangen zu haben, so der 39-Jährige. Für das, was er getan habe, gebe es keine Vergebung. Er habe bei der Attacke ein „tiefes und totales Hassgefühl“ empfunden. B. bestritt allerdings, den versuchten Mord vorab geplant zu haben.

Völlig isoliert, Handy weggenommen, Kontaktverbot

Erschütternd war die Zeugenaussage des Opfers. Die 28-jährige, zierliche Verkäuferin schilderte, oft unter Tränen, dass nach ihrer Hochzeit auf Grundlage islamischen Rechts ein vierjähriges Martyrium begann. B. habe sie behandelt wie eine Sklavin, ihr ständig Befehle gegeben wie einem Roboter, sie regelmäßig angespuckt und geschlagen. Sie sei eine Frau, die ihre Freiheit liebe, habe sich lange Zeit als kurdische Aktivistin politisch betätigt. Doch der 39-Jährige habe sie in Eimbeckhausen (ein Ortsteil von Bad Münder) völlig isoliert, ihr das Handy weggenommen und die Kontakte zu Freundinnen verboten.

2014, so berichtete die Frau mit dem Kopftuch, habe sie sich von B. getrennt, doch dann begannen die Streitigkeiten um die Zahlungen und den Umgang mit dem kleinen Sohn. Die Frau forderte 768 Euro Unterhalt ein, auch klagte sie auf Herausgabe der „Morgengabe“. Dabei handelt es sich um Goldschmuck im Wert von 20400 Euro, den ihr der Angeklagte nach einer Trennung hätte aushändigen müssen - dies aber nicht tat. „Es ging ihm immer nur um Geld“, schilderte die 28-Jährige. Geliebt habe B. aber weder sie noch seinen Jungen, niemals.

Der Prozess wurde nach Verlesung der Anklage am Montagmorgen zunächst unterbrochen. Ein Rechtsanwalt hatte beantragt, auch den heute dreijährigen Sohn des Opfers als Nebenkläger zuzulassen.

Nach dem brutalen Verbrechen hatten sich Hunderte Bürger der Fachwerkstadt im Weserbergland zu einer Mahnwache versammelt. Teilnehmer hielten Fotos des Opfers Kader K. in die Höhe. Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese sagte damals: „Ich bin entsetzt über das Ausmaß der Brutalität und Gewalt.“

Von miz/HAZ/RND