Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Panorama Austauschschüler wurde vorsätzlich getötet
Nachrichten Panorama Austauschschüler wurde vorsätzlich getötet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:55 17.12.2014
Die Jury hat den Todesschützen für schuldig befunden, jetzt muss Richter Edward McLean das Strafmaß festlegen. Quelle: dpa
Missoula

Für die tödlichen Schüsse auf den 17 Jahre alten Austauschschüler Diren aus Hamburg ist der Angeklagte im US-Staat Montana schuldig gesprochen worden. Eine Geschworenenjury wertete die Tat von Markus K. (30) am Mittwoch als vorsätzliche Tötung. Das Strafmaß wird später festgesetzt. Dem Verurteilten drohen mindestens zehn Jahre Haft.

Die Geschworenen folgten der Staatsanwaltschaft, die ihm vorgeworfen hatte, Diren für einen Einbrecher gehalten und deshalb quasi hingerichtet zu haben. Die Verteidigung hatte von Notwehr gesprochen.

Keiner solle der Gerechtigkeit entgehen, sagte der Vater von Diren nach dem Urteil. „Jeder muss seine Strafe bekommen, die er verdient.“ Direns Eltern hatten den Prozess in Missoula verfolgt.

Der Fall schlug vor allem in Deutschland Wellen, in den USA fand er landesweit kaum Beachtung. Der schuldig gesprochene Markus K. wurde nach der Urteilsverkündung in Handschellen aus dem Gerichtssaal abgeführt.

Die zwei Schwestern von Diren hatten den Prozess von Deutschland aus im Internet verfolgt, wie sie dem „Hamburger Abendblatt“ vom Mittwoch erläuterten. Dass ihre Eltern die Kraft gehabt hätten, jeden Tag bei dem Prozess dabei zu sein, mache sie sehr stolz, erklärte Esra, eine der beiden. „Was Mama und Papa hilft, ist die große Anteilnahme, die die Menschen in Amerika ihnen entgegenbringen.“

Die Schwestern betonten, dass ein Schuldspruch für sie „keine Freude, aber eine Erleichterung“ sei. „Er hat es nicht verdient, glücklich mit seiner Familie zu leben, hat er doch unsere für immer zerstört.“

Der Angeklagte hatte den unbewaffneten Diren am 27. April in der Stadt Missoula (Montana) erschossen. Der Schüler war nachts in die offene Garage des Mannes eingedrungen. Der 30-Jährige hielt Diren für einen Einbrecher und feuerte mit einer Schrotflinte. Schon kurz nach der Tat wurde darüber diskutiert, ob sich der Schütze gemeinsam mit seiner Partnerin auf die Lauer gelegt habe. Bei der Familie war mehrfach eingebrochen worden.

Wie in vielen Staaten der USA ist auch in Montana der Besitz und das Tragen von Waffen erlaubt. Schätzungen zufolge besitzen mehr als die Hälfte der Einwohner eine Schusswaffe.

Die Verteidigung hatte deshalb auf die „Castle Doctrine“ verwiesen. Die sogenannte Schloss-Doktrin in Montana rechtfertigt den Schutz des eigenen Hauses - im Notfall auch mit tödlicher Gewalt.

Der Todesschütze habe nach zwei Einbrüchen um das Leben seines zehn Monate alten Babys gefürchtet, argumentierte die Verteidigung. Diren habe „nichts Gutes im Schilde geführt“, als er in der Garage gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten dagegen vor, er habe sich für die zwei Einbrüche aus der Zeit vor der Tatnacht rächen wollen - und dann ein „unbewaffnetes Kind“ erschossen. Über den aus Hamburg-Altona stammenden Diren sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer: „Er war ein Teenager, der Fehler machte, die Teenager machen. Aber er wurde gewaltsam hingerichtet.“

dpa

Mehr zum Thema
Panorama Hamburger Austauschschüler - Hauptverhandlung um Tod von Diren beginnt

Der 30-jährige Mann, der in Montana den Hamburger Austauschschüler Diren erschoss, behauptet, es sei Notwehr gewesen. In der am Donnerstag beginnenden Hauptverhandlung will die Staatsanwaltschaft das Gegenteil beweisen - könnte aber in Erklärungszwänge geraten.

04.12.2014
Panorama Tod des deutschen Austauschschülers - War Diren auf der Suche nach Alkohol?

Vor einer Woche wurde der in den USA erschossene Gastschüler Diren in der Türkei beerdigt. Jetzt mahlen die Mühlen der amerikanischen Justiz - doch sie mahlen langsam.

13.05.2014
Panorama Leichnam in Türkei überführt - Trauerfeier für erschossenen Diren

Eine ganze Schule trauert um den erschossenen Diren: In einer Schweigeminute wird an den 17-jährigen Austauschschüler erinnert, der in einer Garage im US-Bundesstaat Montana getötet wurde. In einem Kondolenzbuch finden Schüler bewegende Worte.

05.05.2014
Panorama Trotzdem Events für 2015 geplant - Modemesse Bread & Butter ist insolvent

Die Modemesse Bread & Butter strebt einen Neuanfang an: Die Macher des Mode-Events haben für die Firma Insolvenz angemeldet. Trotzdem soll es im Jahr 2015 eine neue Schau geben.

17.12.2014

Immer vor Weihnachten lassen viele Justizbehörden Gnade walten. Unter bestimmten Voraussetzungen schicken sie Häftlinge etwas früher in die Freiheit. Aber nicht in allen Bundesländern gibt es solche Geschenke von Justitia.

17.12.2014
Panorama Pakte und Briefe zu Weihnachten - Kommt das noch rechtzeitig an?

Zu spät ist zu spät, das gilt auch für die Weihnachtsgeschenke. Wenn die Frist für den Abgabetermin bei den Paketdiensten verstrichen ist, kommt das Geschenk erst nach Weihnachten an. Was Kunden tun müssen, damit ihre Weihnachtspost pünktlich eintrifft, und was beim Versand zu beachten ist.

17.12.2014