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Panorama Neunjähriger reanimiert seinen kleinen Bruder
Nachrichten Panorama Neunjähriger reanimiert seinen kleinen Bruder
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16:53 04.09.2016
Rettungsassistent Michael Seebold half am Telefon dem Neunjährigen, seinen kleinen Bruder zu reanimieren. Quelle: dpa
Korbach

Am Telefon meldet sich am frühen Samstagabend ein weinender Junge. Er brauche schnell Hilfe. So erinnert sich Rettungsassistent Michael Seebold an die ersten Sätze des Neunjährigen. Sein Bruder liege im Pool.

Für Seebold beginnt in der Leitstelle im hessischen Korbach ein ungewöhnlicher Notfalleinsatz. Zu der Zeit treibt der Zweijährige bereits bewusstlos im Wasser. Die Jungen sind mit ihrer schlecht Deutsch sprechenden Oma allein zu Hause.

Seebolds beruhigendem "Ich bleibe bei dir und helfe dir" folgen klare telefonische Anweisungen: Den kleinen Bruder rausholen, in stabile Seitenlage bringen, Nase zuhalten, in den Mund pusten. Kurz darauf Aufatmen bei Seebold.

Der Zweijährige holt wieder Luft. Seebold hört es durchs Telefon. Am Sonntag ist der Kleine in der Uniklinik Marburg außer Lebensgefahr, seine Mutter war bei ihm. Die Familie selbst will keinen Medienrummel haben und lehnt Anfragen ab.

"Super Sache", lobt der Rettungsassistent, selbst Vater von zwei Kindern, den jungen Lebensretter. Auch der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst, Marco König, zollt "höchsten Respekt" für die Wiederbelebung.

Es ist eine Aufgabe, die sich viele Erwachsene nach Einschätzung der Rettungskräfte nicht zutrauen - ihnen fehlt wohl der Mut. "Erwachsene denken an zu viele Sachen, bringen Gefühl rein, werden unruhig. Kinder konzentrieren sich, sind rationaler", sagt Seebold.

Die Scheu vieler Menschen ist ein Grund dafür, warum nicht alle Rettungsleitstellen die sogenannte Telefonreanimation anwenden. Dies erfordere zudem eine Ausbildung, sagt König.

Die coole Reaktion des Neunjährigen hat aber auch den Korbacher Rettungsassistenten verblüfft: "Parallel hat er mit der Oma auf Russisch geredet und vermutlich erklärt, was wir machen".

Wie das Drama begann? Die 65-Jährige war nach Angaben der Polizei vom Wohnzimmer ins Bad gegangen, um für ihren jüngeren Enkel eine Windel zu holen. Der Zweijährige nutzt den unbeobachteten Augenblick für einen Ausflug in den Garten des Einfamilienhauses. Und dort fällt er in den 4 Meter breiten und 1,50 Meter tiefen Pool, der zur Hälfte in die Erde eingelassen ist.

Vier Minuten nach der Hilfsaktion des großen Bruders ist der Notarzt da. Ein Hubschrauber bringt den Kleinen in die Klinik nach Marburg. Markus sei "bestimmt ein Steinchen vom Herzen gefallen", sagt Seebold. Nach Feierabend am Samstag hat er die Familie besucht, dem jungen Lebensretter gratuliert und ihn in die Leitstelle eingeladen.

Der Berufsverband Rettungsdienst fordert, Kindern schon im Kindergarten die Notrufnummer 112 beizubringen. Daran hapere es in Deutschland im Unterschied zum Beispiel zu Skandinavien.

dpa

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