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Panorama „Luther war eine Figur voller Widersprüche“
Nachrichten Panorama „Luther war eine Figur voller Widersprüche“
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17:18 25.05.2017
Zum Reformationsjubiläum findet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 24. bis 28 Mai unter dem Motto “Du siehst mich“ statt. Quelle: dpa
Berlin

Stephan Dorgerloh erwartet einen Kirchentag, der mehr ist als ein Fest für Christen – es brauche „Massenevents“ wie dieses, die den Fokus auf das Ereignis richteten.

Herr Dorgerloh, ist das kleine Wittenberg bereit für den großen Ansturm an diesem Wochenende?

Die Stadt ist bereit, und die zehn Jahre Vorbereitung haben sich gelohnt. Alles ist rechtzeitig fertig geworden, Staat und Kirche haben auf allen Ebenen beispielhaft zusammengewirkt. Der Kirchentag wird nun ein erstes Ausrufezeichen sein, dass das Reformationsjubiläum setzt.

Dennoch bleibt Sachsen-Anhalt die religionsloseste Region Deutschlands. Was bedeutet es denn, in der Diaspora Kirchentag und Reformationsjubiläum zu feiern?

Reformation ist kein Privatereignis der Christen! Die Reformation war vor 500 Jahren eine Zeitenwende, die unglaublich viele Veränderungen auch in der Gesellschaft angestoßen hat, in Wissenschaft und Politik, bei Bildung, Kultur und Wirtschaft. Das geht wirklich nicht nur die heutigen Christenmenschen etwas an. Was bedeutet es, mündig zu sein? Was bedeutet es, ein Gewissen zu haben? Diese Fragen wurden in der Reformation neu bedacht. Daraus entstanden ein neues Verhältnis von Obrigkeit und Bürgerschaft und die Einsicht, dass wir zwar freie Menschen sind und niemandes Untertan, aber gleichzeitig eine Verantwortung gegenüber unserem Nächsten haben. Diese neuen Überzeugungen wurden auch grundlegend für die heutige Gesellschaft.

Aber das ist mit dem Abstand von 500 Jahren nur schwer zu vermitteln.

Finde ich gar nicht. Nehmen wir den Begriff der Gnade – ein zentrales theologisches Motiv der Reformation. Er mag verstaubt wirken. Aber in einer Zeit, in der Menschen erleben, gnadenlos niedergemacht und gemobbt zu werden, in der mit Menschen gnadenlos umgegangen wird, wäre es doch an der Zeit, dieses verstaubte Word Gnade neu hervorzuholen und zu entdecken, wie befreiend es ist, Zuwendung, Solidarität und Anerkennung geschenkt zu bekommen. Wenn wir das Alte neu polieren, dann strahlt es auch in der Gegenwart.

Das Reformationsjubiläum ist also mehr als die Playmobil-Figur von Luther?

Nun, keine Reformation ohne Luther. Es brauchte nun einmal diesen, wie Thomas Mann sagte, „stiernackigen Gottesbarbaren“, der so deutsch sprechen konnte, dass es die Menschen erreichte. Das wäre doch auch was, wenn der politische Diskurs heute so läuft, dass er sich sprachlich nicht nur auf die Eliten beschränkt, sondern sich alle beteiligen können. Übrigens: Schon vor 500 Jahren gab es Fake News, und ähnlich mediale Erregungsmechanismen. Dem modernen Buchdruck sei Dank. Die Reformation war eine Zeitenwende, ähnlich wie wir es heute mit der Digitalisierung und Globalisierung erleben.

Wäre Martin Luther heute ein Wutbürger, wie es so gerne angenommen wird?

Er war eine Figur voller Widersprüche. Er war ein Poet und zugleich Polemiker, er konnte austeilen, dass einem die christliche Spucke wegbleibt. Aber es ging für ihn auch um Leben und Tod. Und Luther hatte eine Botschaft von Freiheit und Liebe – das unterscheidet ihn von den Pegida-Wutbürgern. Am Anfang, als Mönch im Augustinerkloster in Erfurt, hatte er wie alle Zeitgenossen panische Angst vor dem strafenden, strengen, ungnädigen Richtergott. Dann entdeckt er den gnädigen, liebenden Gott in den Paulusbriefen. Dieser Gott ließ seinen Sohn Jesus alle Sünden auf sich nehmen. Das befreit Christen und hat auch Luther grundsätzlich befreit zum aufrechten Gang.

Am Wochenende werden Zehntausende Kirchentagsbesucher auf den Elbwiesen kampieren. Ist das mehr Rockfestival als Kirchentag?

Wir brauchen auch solche Massenevents, die den Fokus auf den Ort und das Ereignis richten. Und diejenigen, die dabei sind, werden dieses Erlebnis nicht mehr vergessen. Wenn 1000 Posaunen den Sonnenaufgang begrüßen und man im Hintergrund die Silhouette der Stadt sieht – dann kommt Gänsehaut auf, und es wird auch sehr berührend. Danach geht´s nahtlos in den Jubiläumssommer, der hoffentlich dazu führt, dass auch Menschen, die nichts mit der Kirche am Hut haben, sehen, dass das, was damals in der Provinz entstanden ist, weltweit Spuren hinterlassen hat. Ich halte es für eine mitteldeutsche Bürgerpflicht, dass die Menschen offene, fröhliche Gastgeber sind, und hoffe, dass die Wittenberger nicht nur klagen und stöhnen, wie voll alles ist, sondern sich auch freuen, dass sich Menschen für sie interessieren.

Zur Person: Der Theologe Stephan Dorgerloh (51) stammt aus einem Pfarrhaushalt in Potsdam. Sein Vater Fritz Dorgerloh war für die kirchliche Jugendarbeit in der DDR verantwortlich. Der Sohn hat sein Vikariat in Berlin und – kleiner Bezug zu Barack Obama – Chicago absolviert. Er war Beauftragter der Evangelischen Kirche für die Lutherdekade und von 2011 bis 2016 Kultusminister von Sachsen-Anhalt (SPD). Quelle: dpa

Von RND/Jan Sternberg

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