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Panorama Mit diesem Berliner Hostel verdient Nordkorea Geld
Nachrichten Panorama Mit diesem Berliner Hostel verdient Nordkorea Geld
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15:03 11.05.2017
Architektonisch nicht weit weg von Nordkorea: Ab 17 Euro pro Nacht im Mehrbettzimmer mitten in Berlin. Hier ist es zwar nicht schön, aber günstig. Quelle: AP
Berlin

Ausgerechnet die Berliner Mauer ist das Erste, was in Nordkorea auffällt. In der Lobby des „City Hostel Berlin“ prangt der Schutzwall als 3-D-Wandgemälde mit roten Lichterketten. Das Hostel steht mitten in Berlins Touristen-Epizentrum, aber auf dem Gelände Nordkoreas. Die Botschaft aus DDR-Zeiten ist viel zu groß für die geschätzt zehn Diplomaten der international isolierten Diktatur. Und das Land braucht dringend Devisen. Also vermietet Nordkorea seit fast zehn Jahren das ehemalige Hauptgebäude der Botschaft an einen Hostelbetreiber. Die Diplomaten nutzen den grauen Plattenbau nebenan. Hier weht die nordkoreanische Flagge, hier zeigt ein Schaukasten Bilder der Diktatorenfamilie Kim.

Ausgerechnet die Berliner Mauer ist das Erste, was in Nordkorea auffällt. Das Berliner City-Hostel in Bildern.

Doppelzimmer für 70 Euro

Nebenan läuft der Hostelbetrieb. Hier nächtigen Schulklassen, Bauarbeiter und Rucksacktouristen. Potsdamer Platz, Checkpoint Charlie und Brandenburger Tor sind in Laufentfernung. Ein Bett im Mehrbettzimmer gibt es hier schon ab 17 Euro pro Nacht, aber die günstigen Angebote sind schon fast alle weg, informiert ein freundlicher Hüne namens Ernest hinter der Theke. Ein Doppelzimmer für 70 Euro am Wochenende, das würde gerade noch gehen. Pro Monat soll Kims Regime 38 000 Euro Miete bekommen, berichten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR. Geld, das nicht nur die Kosten für die diplomatische Vertretung in Berlin deckt, sondern auch nach Pjöngjang fließt. Und dort, so befürchten es die Vereinten Nationen und die EU, unter anderem für das Atomprogramm von Diktator Kim-Jong Un verwendet wird. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es, die Pacht von Liegenschaften der nordkoreanischen Botschaft verstoße gegen einschlägige Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und gegen EU-Sanktionsrecht.

Besuchergruppe des Familienministeriums

Die Bundesregierung will nun dabei mithelfen, „die Finanzquellen des Nuklearprogramms noch konsequenter auszutrocknen“, sagte Staatssekretär Markus Ederer. Doch gerade hat der Bund selbst eine Besuchergruppe im „City Hostel“ untergebracht: Teilnehmer der Jugendpolitiktage des Familienministeriums nächtigten in Nordkorea. Eine Sprecherin erklärte, der Verein der Jugendpresse habe die Zimmer gebucht, niemand, auch nicht das Ministerium, hatte „Kenntnisse über den Hintergrund der Hostelbetreibung“, das nur zwei Blocks vom Ministerium entfernt sei. „Klar ist, wir werden das City Hostel im Rahmen unserer Veranstaltungen künftig nicht anmieten.“

Wie lange das noch möglich sein wird, ist unklar. Der Betreiber spricht nicht mit der Presse; er soll nun aufgefordert werden, den Mietvertrag mit der Botschaft zu kündigen. Die zuständigen Behörden würden die notwendigen Schritte jetzt einleiten.

Botschafter als Devisenbeschaffer

„Nordkorea nutzt alle Möglichkeiten, um an Devisen zu kommen“, sagt der Korea-Experte Remco Breuker von der niederländischen Universität Leiden dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Vermietung von Botschaftsgebäuden – in Berlin werden auch ein Kongresszentrum und ein Parkplatz gewinnbringend verpachtet – ist dabei noch die harmloseste. „Es ist inzwischen bestätigt, dass nordkoreanische Diplomaten in ihrem Gepäck alles schmuggeln, was lukrativ ist: Sie sind Drogenkuriere, in Afrika handeln sie auch mit Hörnern von illegal geschossenen Nashörnern.“ Diplomatengepäck wird nicht kontrolliert, Botschaftsvertreter genießen Immunität. „Der einzige Weg, das zu stoppen, wäre der Abbruch der Beziehungen.“ Breukers Forschergruppe hat herausgefunden, dass geschätzt 100 000 bis 200 000 Nordkoreaner weltweit als billige Arbeitskräfte beschäftigt sind, die einen Großteil ihres in harter Währung verdienten Lohns an staatliche Agenturen abführen müssen. Breuker spricht von Zwangsarbeit, die er in polnischen Werften und Fabriken nachgewiesen hat. Welche anderen EU-Länder betroffen sind, wird gerade erforscht.

Von Jan Sternberg/RND

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