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Mordanklage gegen Messerstecher von Barmbek

Bundesanwaltschaft Mordanklage gegen Messerstecher von Barmbek

Mord und sechsfacher versuchter Mord – so lautet die Anklage gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Barmbek. Laut Bundesanwaltschaft motivierte der Streit um den Jerusalemer Tempelberg den Palästinenser. Möglichst viele Christen sollten darum sterben.


Quelle: dpa

Karlsruhe/Hamburg. Mehr als drei Monate nach der Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt hat die Bundesanwaltschaft den mutmaßlichen Täter wegen Mordes und sechsfachen versuchten Mordes angeklagt. Die Ermittler werfen dem 26 Jahre alten Palästinenser Ahmad A. vor, einen Menschen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet und sechs weitere teilweise lebensgefährlich verletzt zu haben, wie die Karlsruher Behörde am Freitag mitteilte.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen habe Ahmad A. seine Opfer wahllos ausgesucht, stellvertretend als Vergeltung für das Unrecht, das aus seiner Sicht weltweit Muslimen zugefügt werde. Es sei ihm darauf angekommen, möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten. „Seine Taten wollte der Angeschuldigte im Kontext islamistischer Anschläge wahrgenommen und mithin als Beitrag zum weltweiten Dschihad verstanden wissen“, erklärte die Anklagebehörde. Deshalb handele es sich um „eine staatsschutzspezifische Tat von besonderer Bedeutung“.

Prozess könnte im Januar beginnen

Bestärkt worden sei Ahmad A. durch den im vergangenen Juli eskalierten Konflikt zwischen muslimischen Gläubigen und israelischen Sicherheitskräften um den Tempelberg in Jerusalem. „Er empfand die Zugangsbeschränkungen zur Al-Aksa-Moschee als ungerecht und unerträglich“, heißt den Angaben zufolge in der Anklageschrift. Auch Deutschland sei aus seiner Sicht dafür mitverantwortlich gewesen. „Daher sollten deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens gleichsam als Sühne sterben.“ Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung – etwa der Terrormiliz Islamischer Staat – oder die Beteiligung weiterer Täter sieht die Bundesanwaltschaft nicht.

Der abgelehnte Asylbewerber hatte sich am 28. Juli in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge gegriffen und unvermittelt einen Kunden angegriffen. Der 50-Jährige starb noch am Tatort. Anschließend stach er einen weiteren Kunden nieder, der später nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Beim Verlassen des Marktes habe drei weitere Menschen mit dem Messer attackiert. Anschließend habe er noch eine vorbeifahrende Radfahrerin und eine ihm entgegenkommende Passantin angegriffen. Passanten verfolgten den Attentäter, bis ihn Zivilpolizisten schließlich festnehmen konnten.

Sofern die Anklage vom Gericht zugelassen wird, könnte der Prozess im Januar beginnen, hieß es von der Gerichtspressestelle in Hamburg. Zuständig wäre einer der beiden Staatsschutzsenate am Hanseatischen Oberlandesgericht.

Von RND/dpa

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