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Panorama Müller-Westernhagen: „Die Demokratie ist in Gefahr“
Nachrichten Panorama Müller-Westernhagen: „Die Demokratie ist in Gefahr“
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12:59 21.06.2018
„Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“: Marius Müller-Westernhagen. Quelle: RND

Herr Westernhagen, unlängst sagten Sie, dass plötzlich, knapp 30 Jahre nach der Veröffentlichung, Ihr Song „Freiheit“ wieder sehr aktuell wird. Wie meinen Sie das?

Definitiv, das ist so. Die Demokratie ist im Augenblick in Gefahr. Wir erleben eine unglaubliche Flut von Populismus in der Welt. Das ging mit Donald Trump los und setzte sich dann erstaunlicherweise fort. Die Menschen vergessen leider, was wir an Demokratie und Freiheit haben. Sie vergessen, dass es Werte sind, für die man jeden Tag kämpfen und einstehen muss.

Wie hoch ist die Verantwortung, die auch Künstler, Sänger und Menschen tragen, die in der Öffentlichkeit stehen?

Wir haben eine sehr große gesellschaftliche Verantwortung. In der Kunst herrschen eine große Ernsthaftigkeit und Respekt, ich vermisse das ein wenig in der Popmusik. Die Zeiten haben sich geändert. Als ich groß geworden bin, war die Motivation eine ganz andere. Ich werfe das der heutigen Jugend gar nicht vor, sie ist halt groß geworden mit Idealen von Erfolg und Ruhm. Meiner Meinung nach ist jeder, der irgendwas veröffentlicht, auch politisch und gesellschaftlich verantwortlich für das, was er veröffentlicht.

Lena Obschinsky und Marco Fenske trafen Marius Müller-Westernhagen im Opernhaus von Hannover vor dem offiziellen Festakt zur 125-Jahr-Feier der Mediengruppe Madsack. Quelle: Philipp Von Ditfurth

Die Fußballnationalspieler ließen sich vor der Weltmeisterschaft mit dem türkischen Präsidenten Erdogan in dessen Wahlkampf fotografieren.

Auch Nationalspieler haben eine Verantwortung. Man sollte nicht vergessen, dass das junge Leute sind. Ilkay kenne ich durch meine Verbindung zum BVB flüchtig und halte ihn für einen sehr guten Jungen. Da kann man bei so einer Veranstaltung auch mal unter Druck geraten, wenn dir plötzlich jemand sagt, du sollst doch noch mit dem Präsidenten ein Foto machen. Ich glaube, sie waren da beide einfach sehr unvorsichtig und sind überrumpelt worden. Ilkay Gündogan hat sich danach ja klar positioniert, was gut ist! Ich kenne Mesut Özil nicht. Dass er schweigt, halte ich für sehr fragwürdig. Aber wir sollten auch nicht päpstlicher sein als der Papst, man muss auch mal verzeihen können.

Bei einer Veranstaltung duzten Sie zuletzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sprachen ihn mit ,Frank-Walter’ an. Das wirkte sehr vertraut.

Es gibt eine lange Verbundenheit zwischen uns. Ich kenne Frank-Walter schon aus der Zeit, als er Kanzleramtsminister war, noch unter der Regierung von Gerhard Schröder. Ich würde das nicht Freundschaft nennen, aber wir sind sehr vertraut. Dadurch, dass wir beide viel unterwegs sind, sehen wir uns nicht oft, aber wir denken politisch sehr ähnlich. Ich halte ihn für einen der herausragenden Diplomaten in Deutschland. Und ich glaube, dass er auch ein exzellenter Bundeskanzler gewesen wäre. Aber er ist dafür einfach ein zu guter Mensch.

Man muss also ein schlechter Mensch sein, um Bundeskanzler zu sein?

Nein, aber um Wahlkampf zu führen. Ich halte ihn für grundanständig und für moralisch zu integer, um sich dabei durchzusetzen.

Kürzlich hieß es, Ihr neues Album sei aufgrund eines Streits mit Ihrer Plattenfirma in Gefahr. Ist das Problem gelöst?

Es ging um Einflussnahme auf meine Songs. Das war auch der Grund, warum ich seit Jahren nicht mehr mit Major- Labels zusammengearbeitet habe. Ich mache meine Sachen so, wie ich will – ich muss dafür ja am Ende auch geradestehen. Ich bin mir sicher, dass es ein nächstes Album geben wird – zu meinen Bedingungen. Ich bin nicht käuflich.

Wie viel Druck lastet auf Ihnen vor jeder neuen Albumveröffentlichung?

Ich mache mir da keinen Druck mehr. In den 90er-Jahren war das enorm. Da wusste ich, dass an dem Erfolg meines Produktes viele Arbeitsplätze hängen. Da bin ich heute entspannter. Ich messe meinen Erfolg auch nicht an Chartplatzierungen, weil ich der Meinung bin, dass jeder Idiot heute Platten verkaufen kann. Da muss man sich doch nur einmal die Top Ten anschauen. Künstlerische Qualität ist kein Garant mehr für Erfolg. Man muss als Künstler heute lernen, dass man auch mal auf ein Produkt stolz sein kann, das nicht kommerziell erfolgreich ist.

War das früher anders?

Rock’n’Roll stand mal kurz davor, eine Kunstform zu werden – durch so Leute wie Jimi Hendrix, die Beatles und Bob Dylan. Das war eine hoch komplexe und anspruchsvolle Musik – leider haben wir diese Tür wieder geschlossen. Aus Gier, weil man immer mehr wollte. Und dann gab es einfach nicht so viele begabte Leute, die das liefern konnten - darunter litt die Qualität.

Sie feiern Ende des Jahres Ihren 70. Geburtstag. Gibt es dafür bereits Pläne?

Überhaupt nicht, mir ist die Zahl 70 völlig unwichtig. Auch die vergangenen runden Geburtstage habe ich nicht wirklich gefeiert. Bei meinem 60. war ich auf Tour, bei meinem 50. hatte ich auch einen Auftritt. Um ganz ehrlich zu sein: Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt. Das habe ich ja oft genug auf der Bühne.

Von Lena Obschinsky/Marco Fenske/RND

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