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22:30 04.12.2014
Angela Merkel ist auf den Selfie-Geschmack gekommen – die Mehrheit der Deutschen aber ist davon genervt. Quelle: dpa

Es war Anfang März dieses Jahres, als das wohl prominenteste Selfie entstand, das in Wahrheit überhaupt kein Selfie war. Selfie bedeutet nämlich so viel wie Schnappschuss-Selbstporträt. Heißt, es sollte in jedem Fall spontan sein. Ansonsten braucht man nicht mehr als ein Smartphone, jemanden mit einem langen Arm und einen Twitter- oder Facebook-Account, wo man das Selfie umgehend veröffentlichen kann. So war es auch in ebenjener Oscar-Nacht. Moderatorin Ellen DeGeneres trommelte ein paar Stars zusammen. Bradley Cooper durfte den Auslöser drücken. Klick, und schon war das Selfie in der Welt – millionenfach geteilt.

Doch weil jeder Trend sich irgendwann überholt, scheint nun auch das Ende des Selfie bevorzustehen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov hat zwar mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) schon mal ein Selfie geschossen, 57 Prozent stimmen allerdings auch der Aussage zu, Selfies seien „allgemein nervig“.

Das sitzt, schließlich ist das Selfie mittlerweile mehr, als nur eine Erinnerung unter Freunden. Längst haben Politiker das spontane Selbstporträt für sich entdeckt. Bundeskanzlerin Angela Merkel beispielsweise steckt immer gerne ihren Kopf ins Bild, sobald irgendwer ein Smartphone zückt. Sei es in der Umkleidekabine der deutschen Nationalmannschaft oder am Rande des G-20-Gipfels in Brisbane. Dass ein Selfie auch danebengehen kann, musste US-Präsident Barack Obama erfahren, der gemeinsam mit der dänischen Ministerpräsidentin und dem britischen Premier bei der Trauerfeier für Nelson Mandela den Auslöser betätigte. „Geschmacklos“, lautete später das Urteil. Wobei Obama damit nicht alleine ist. 87 Prozent meinen, dass Selfies häufig ziemlich „peinlich“ seien. Was möglicherweise am schwer aufzulösenden Widerspruch von Inszenierung und Spontanität liegen mag. So haben Kommunikationswissenschaftler errechnet, dass jedes Selfie mit Lukas Podolski der Kanzlerin zwei Prozent mehr Zustimmung bringt. Und bei der Oscar-Verleihung war dem Smartphonehersteller Samsung das Hollywoodselfie gleich drei Millionen Dollar wert. Die spendete DeGeneres – ganz spontan.

Nora Lysk

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