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Panorama Weihnachten ist diesmal auch Chanukka
Nachrichten Panorama Weihnachten ist diesmal auch Chanukka
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15:16 24.12.2016
Die Chanukkia vor dem Brandenburger Tor. Quelle: dpa
Berlin

Wenn Heiligabend zur Bescherung die Kerzen am Weihnachtsbaumaum angezündet werden, leuchtet zeitgleich warmes Kerzenlicht auch in den Wohnzimmern der Juden in aller Welt. Denn das achttägige Lichterfest Chanukka beginnt 2016 zeitgleich mit Heiligabend am 24. Dezember. Dann wird die erste der acht Kerzen am Chanukka-Leuchter entzündet. Das achttägige Lichterfest hat auch die christlichen Advents- und Weihnachtsbräuche beeinflusst. Chanukka erinnert an den erfolgreichen jüdischen Makkabäer-Aufstand gegen die Fremdherrschaft der Syrer und an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahr 164 vor Christus.

Die Legende vom Öl, das den Leuchter acht Tage brennen ließ

Der Überlieferung zufolge wurde ein einziger Krug mit geweihtem Öl von den Griechen im Tempel übersehen und daher nicht vernichtet. Normalerweise hätte diese Menge Öl nur für einen Tag als Brennstoff ausgereicht. Wie durch ein Wunder brannte der Tempelleuchter aber acht Tage lang. Chanukka wird in Israel und der jüdischen Diaspora während acht Tagen gefeiert. Zentrales Motiv der Festtage ist das Anzünden von Kerzen an jedem Abend – eine Kerze am ersten Abend, zwei am zweiten und so weiter. Während des Festes werden Lobpsalmen gesprochen und in den Synagogen besondere Abschnitte aus der Thora gelesen. In einigen deutschen Städten stellen die jüdischen Gemeinden meterhohe Chanukka-Leuchter an öffentlichen Plätzen auf.

In Berlin leuchtet die Chanukkia zu Ehren der Anschlags-Opfer

Die Kerzen des Leuchters zum jüdischen Lichterfest Chanukka vor dem Brandenburger Tor in Berlin sollen in diesem Jahr den Opfern des Anschlags in Berlin sowie allen anderen Terroropfern gewidmet werden. Anlässlich der tödlichen Attacke an der Gedächtniskirche am 19. Dezember und vorheriger Ereignisse in Europa „ist es von besonderer Bedeutung, die Botschaft in die ganze Welt zu senden, dass Deutschland heute ein offenes und tolerantes Land ist“, erklärte das Jüdisches Bildungszentrum Chabad in Berlin.

Die klassische Nascherei sind Berliner

Bräuche, die in der Diaspora verbreitet sind, wie das Verteilen von Geschenken oder das Drehen des Kreisels, sind auch in Israel anzutreffen. Außerdem ist es üblich, in Öl gebratene Speisen zu essen: Latkes (Kartoffelpfannkuchen) und Sufganiot (Berliner). Schulen sind während der acht Chanukka-Tage geschlossen, Geschäfte, Büros und Dienstleistungsbereiche arbeiten regulär.

Lange, gemeinsame Tradition des Feierns

In Deutschland haben Chanukka und Weihnachten eine lange, gemeinsame Tradition. So wurde bis zu Beginn der Nazizeit die festlich erleuchtete Zeit der beiden Weltreligionen flugs zu Weihnukka umgewidmet. In so manchem jüdischen Haushalt stand neben der traditionellen Channukia, dem Chanukka-Leuchter, auch ein Tannenbaum. Und die christlichen Kinder lagen ihren Eltern so lange in den Ohren, bis auch sie, wie ihre jüdischen Freunde, acht Tage lang jeweils (mindestens) ein Geschenk erhielten. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten, Chag Chanukka sameach!

Von RND/epd/dk