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Deutschland / Weltweit Anti-Terror-Übung in Hannover: 900 Einsatzkräfte proben Ernstfall
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06:32 27.06.2018
Anti-Terror-Übung in Hannovers Hauptbahnhof. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

 Rund um den hannoverschen Hauptbahnhof hat in der Nacht eine der größten Polizeiübungen in der Geschichte der Landeshauptstadt begonnen. Rund 900 Einsatzkräfte der Bundes- und der Landespolizei, der Feuerwehr und der Rettungskräfte waren zusammengekommen, um an einem Anti-Terror-Training unter möglichst realistischen Bedingungen teilzunehmen.

Wegen der Übung waren Teile der Bahnhofshalle für die Öffentlichkeit gesperrt, mehrere Regional- und S-Bahnen wurden auf andere Gleise verlegt.

In Hannover führen Einsatzkräfte eine große Anti-Terror-Übung durch. Der Hauptbahnhof wird bis in die frühen Morgenstunden zum Übungsplatz. Die Bilder aus der niedersächsischen Landeshauptstadt.

300 Darsteller mimen die Opfer eines Terror-Angriffs

Um kurz vor 23 Uhr erschütterte ein gewaltiger Knall die Haupthalle des Bahnhofs. Es war das Zeichen für den Beginn des ersten Durchlaufs. Drei maskierte und mit Maschinenpistolen bewaffnete Terroristen, so sah es das Übungsszenario vor, feuerten wahllos auf die zahlreichen Reisenden, die sich im Bahnhof gerate aufhielten. Viele Menschen wurden bei dem Angriff zum Teil erheblich verletzt. Die Aufgabe der Polizei bestand darin, von mehreren Seiten gegen die Terroristen vorzugehen und die Angreifer unschädlich zu machen.

Um die Übung möglichst echt gestaltet zu können, nutzten die Einsatzkräfte Platzpatronen und Knallkörper. Rund um den Bahnhof waren mehrere laute Explosionen zu vernehmen. Etwa 300 Darsteller, allesamt junge Polizeischülerinnen und Polizeischüler, mimten – professionell geschminkt – die Opfer eines angenommenen Terror-Angriffs. Gesteuert wurden die verschiedenen Szenarien aus einem eigenen Regieraum. Schiedsrichter, gekennzeichnet durch weiße Westen mit entsprechender Aufschrift, mischten sich unter die Übenden, um am Ende das Vorgehen der Einsatzkräfte beurteilen zu können.

„Es geht darum die Abläufe und das Schnittstellen zwischen dem regulären Streifendienst, den Spezialkräften, der Landespolizei, der Feuerwehr und den Rettungskräften zu üben“, sagte Martin Kuhlmann, der Präsident der Bundespolizeidirektion Hannover. Drei Monate Vorbereitungszeit hatte die Groß-Übung in Hannover gekostet. „Mit Sicherheit wird heute Abend nicht alles klappen, das gilt es dann im Nachhinein gründlich aufzuarbeiten“, sagte Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe. Für die Feuerwehr stellte die Übung eine besondere Herausforderung dar: „Es ist heute anders als sonst: Die Polizei muss erst für die Sicherheit auch der Rettungskräfte gesorgt haben, damit wir tätig werden können“, sagte Hannovers Feuerwehrchef Claus Lange.

Gegen 23.30 Uhr stehen die Studenten Nils und Lukas, schwer bepackt mit Rucksäcken und Taschen, in der Halle des Bahnhofs. Gerade hat das zweite Übungsszenario begonnen: Terroristen stürmen auf dem Bahnsteig einen Metronom. Die Gleise 3 und 4 sind gesperrt. Explosionsgeräusche uns Maschinengewehrsalven scheinen kein Ende zu nehmen. „Im Zug hat es eine Durchsage mit dem Hinweis auf diese Übung gegeben, aber wenn man das live mitbekommt, ist das noch einmal etwas ganz anderes“, sagt Nils.Die jungen Männer nehmen die Übung als willkommene Abwechselung. Sie müssten sich sonst anderweitig die Zeit vertreiben, bis ihr Anschlusszug sie weiter in Richtung Berlin bringt.

Andere Augenzeugen scheinen weniger begeistert von dem Großaufgebot und dem Lärm. Passanten bleiben immer wieder mit verängstigtem Blick stehen, wenden sich dann mit fragendem Blick an einen der umstehenden Polizisten und blicken dann erleichtert, wenn sie erklärt bekommen, dass es sich um eine Übung handelt.

Ähnliche Anti-Terror-Trainings hatte die Behörde bereits an den Bahnhöfen in Berlin, Lübeck und München vorgenommen.

Von RND/HAZ/Tobias Morchner

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