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Aufregung über Juden-Äußerung

Angela Merkel verlangt 
Konsequenzen für Sarrazin

Von Reinhard Urschel

Nach seinen umstrittenen Äußerungen zu Ausländern und Juden in Deutschland gerät Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin immer stärker unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Äußerungen Sarrazins am Sonntagabend „vollkommen inakzeptabel“ und legte der Bundesbank Konsequenzen nahe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel

© afp

Das SPD-Präsidium will sich heute mit dem Fall beschäftigen. Sarrazin war früher SPD-Finanzsenator in Berlin.

Sarrazin hatte schon vor der Veröffentlichung seines Buches „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ für Debatten gesorgt. Der „Welt am Sonntag“ sagte Sarrazin nun in einem Interview: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.“ Außerdem ging Sarrazin auf Probleme ein, die es aus seiner Sicht bei der Integration muslimischer Zuwanderer gebe. Muslime integrierten „sich überall in Europa deutlich schlechter als andere Gruppen von Migranten“, sagte Sarrazin. „Die Ursachen hierfür sind nicht ethnisch, sondern liegen offenbar in der Kultur des Islam.“

Sarrazins Äußerungen seien „ausgrenzend“ und machten „ganze Gruppen verächtlich“, sagte Kanzlerin Merkel in der ARD. Sarrazin erschwere durch seine Aussagen die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration. „Die Art und Weise, wie hier geredet wird, spaltet die Gesellschaft“, sagte Merkel. Zugleich legte die Bundeskanzlerin der Bundesbank Konsequenzen nahe. Das Finanzinstitut sei „für unser ganzes Land ein Aushängeschild“.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warf Sarrazin einen faktischen Rückgriff auf Elemente der Rassehygiene aus der Nazi-Zeit vor. Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) sagte der „Bild am Sonntag“: „Wortmeldungen, die Rassismus oder gar Antisemitismus Vorschub leisten, haben in der politischen Diskussion nichts zu suchen.“ Jede Provokation habe ihre Grenzen, meinte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der sich zuvor noch hinter Sarrazin gestellt hatte, distanzierte sich am Sonntag.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte von Sarrazin den Rücktritt als Bundesbankvorstand und den Austritt aus der Partei. Sarrazin, der früher Finanzsenator in Berlin war, wies die Forderung umgehend zurück: „Ich bleibe in der SPD bis an mein Lebensende.“

Am Montag stellt Sarrazin sein Buch in Berlin vor, am Abend diskutiert er mit der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in der ARD-Sendung „Beckmann“.

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  • Sarrazin da rast ick aus... – 30.08.10
    traurig... denn alle glauben, was er da von sich gibt. Ich finds gut, dass die SPD so einen "Schlechtmenschen" nicht mehr will. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • sarrazin stadthagen – 30.08.10
    Nicht nur die BILD. Die gesamte Medienlandschaft ist so geil auf Schlagzeilen (die Sie nach Ihrem Willen auslegt), das Herr Sarrazin überhaupt keine weitere Werbung benötigt. Besonders die SPD macht sich mal wieder vollständig lächerlich.
    Dieser Haufen sogenannter Gutmenschen kann gar nicht genug davon bekommen in der öffentlichen Diskussion zu stehen - egal was für einen Mist die auch Quatschen.
    Bravo Herr Sarrazin - sehr mutig und ehrwürdig von Ihnen.
    Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
  • überparteilich, unabhängig da rast ick aus... – 29.08.10
    Wenn der gute Herr Sarrazin auf die Titelseite der BILD kommt, um sowas von sich zu geben, trägt die BILD auch in gewisserweise mit die Verantwortung, wenn sie sowas veröffentlichen. In Umfragen und vor allen Dingen den Leserbriefen der "3D-BILD" stimmen ihm bestimmt 80% der knapp 12 Millionen Leser einfach mal pauschal zu. Genug Werbung für sein Buch hat er ja nun im Übrigen auch machen können. Ich hoffe nur, es wird in ein paar Jahren nicht an frisch verheiratete deutsche Paare verteilt. Ich entschuldige mich im Vorraus für so einen Vergleich... Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
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