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Anschlag auf Weihnachtsmarkt geplant

Festnahmen Anschlag auf Weihnachtsmarkt geplant

Die Vorwürfe wiegen schwer: Sechs Syrer sollen einen Anschlag auf den Essener Weihnachtsmarkt geplant haben. Am Dienstagmorgen nahm die Polizei die mutmaßlichen Terroristen fest. Sie hatten schon Monate vorher geeignete Ziele ausgespäht.

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Polizisten nahmen am Dienstagmorgen sechs Syrer in Sachsen. Niedersachsen. Hessen und Nordrhein-Westfalen fest. Sie sollen Mitglieder des IS sein.

Quelle: dpa

Berlin. Gut zwei Wochen nach der Verhaftung eines terrorverdächtigen Syrers in Schwerin hat die Polizei gestern Morgen bei mehreren Razzien sechs weitere syrische Staatsbürger wegen Terrorverdachts festgenommen. Von den Razzien betroffen waren diesmal acht Wohnungen in Sachsen, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Männer im Alter zwischen 20 und 28 Jahren sollen laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main Mitglieder der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) sein und einen Anschlag auf ein öffentliches Ziel in Deutschland geplant haben. Der Hessische Rundfunk (HR) meldet unter Berufung auf Ermittlerkreise, es solle sich um den Weihnachtsmarkt in Essen gehandelt haben. Auch in Schwerin standen laut Angaben aus Sicherheitskreisen seinerzeit Weihnachtsmärkte im Fokus der mutmaßlichen Terroristen.

Die Weihnachtsmärkte werden geschützt

Die Weihnachtsmärkte werden geschützt: Ein Arbeiter stellt auf einer Zufahrtsstraße zum Marienplatz in München Betonsperren auf

Quelle: dpa

Einer der Terrorverdächtigen wurde gestern in Essen verhaftet, drei weitere in Kassel, die anderen in Hannover und Leipzig. Haftbefehle wurden bis gestern Nachmittag noch nicht beantragt. Vier der Verdächtigen waren im Dezember 2014 als Asylsuchende nach Deutschland gekommen. Die anderen reisten im August und September 2015 ein.

Die Männer standen schon länger unter Beobachtung

Am Dienstag waren rund 500 Polizeikräfte an den Durchsuchungen beteiligt. Sie stellten unter anderem Speichermedien wie Mobiltelefone und Laptops sowie Dokumente sicher. Ermittelt wird wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Anschlagpläne seien noch nicht sehr konkret gewesen. Die Männer seien dabei beobachtet worden, wie sie mögliche Ziele ausgespäht hätten. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, soll einer der Festgenommenen, ein 20 Jahre alter Asylbewerber, vor einiger Zeit mit anderen Personen vor einem Essener Einkaufszentrum Fotos gemacht haben. Die Männer hätten sich als Architekturstudenten ausgegeben und schon damals unter Beobachtung von Sicherheitskräften gestanden. Die Ermittler hätten Verdacht geschöpft, da es bereits im März eine Anschlagsdrohung auf das Zentrum in der Innenstadt gegeben hatte. Es blieb anschließend mehrere Tage geschlossen.

Flüchtlinge brachten die Ermittler auf die heiße Spur

„Das Sicherheitskonzept hat gegriffen“, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Angaben über die Dauer der Ermittlungen machte er nicht. Mindestens einer der Terrorverdächtigen wurde in einer Wohnung im dritten Obergeschoss eines Kasseler Mehrfamilienhauses im Stadtteil Wesertor festgenommen. Nachbarn berichteten von einem lauten Knall im Treppenhaus gegen 5 Uhr morgens. Polizisten in Schutzkleidung und mit schweren Waffen hätten eine Tür gesprengt und die Wohnung gestürmt, in der laut Nachbarn mehrere aus Syrien stammende Personen gewohnt haben sollen.

In diesem Mehrfamilienhaus in Leipzig nahm die Polizei gestern ein mutmaßliches IS-Mitglied fest

In diesem Mehrfamilienhaus in Leipzig nahm die Polizei gestern ein mutmaßliches IS-Mitglied fest.

Quelle: dpa

In Leipzig durchsuchten die Spezialkräfte noch vor Sonnenaufgang mindestens eine Plattenbauwohnung und nahmen dort einen verdächtigen Mann fest. Anwohner berichteten, dass er mit einer Frau und einem Kind in der Wohnung gelebt habe. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ hatten andere Flüchtlinge die Ermittler auf die Spur der Verdächtigen gebracht. Diese Zeugen hätten angegeben, dass die Männer IS-Kämpfer in Syrien waren. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies zunächst nicht.

Bereits 2016 waren in Kassel Wohn- und Arbeitsräume von Vorstandsmitgliedern eines salafistisch ausgerichteten Islamischen Kulturvereins durchsucht worden. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) berichtete damals, dass nach Erkenntnissen der Ermittler mehrere Besucher der von dem Verein getragenen Moschee bereits nach Syrien ausgereist seien, um den IS zu unterstützen.

Von Jörg Köpke/RND

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