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Deutschland / Weltweit Trump sieht die EU nach dem Brexit im Zerfall
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Trump sieht die EU nach dem Brexit im Zerfall
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21:01 24.06.2016
Donald Trump gibt auf seiner Dienstreise durch Schottland den Brexit-Fan und hofft, dass sich nun auch seine Landsleute ihre Unabhängigkeit zurückholen – indem sie ihm seine Stimme geben. Quelle: EPA/NIGEL RODDIS
Washington

Es ist ein Vorgeschmack auf turbulente Zeiten. Donald Trump ist auf privater Stippvisite in Schottland, um seine Golfplätze und Hotels zu inspizieren, und lässt die Öffentlichkeit wissen, was er vom Brexit hält: "Ein großartiger Schritt! Die Menschen wollen die Kontrolle über ihre Grenzen, ihre Wirtschaft und ihre Politik zurück."

Es dauert nur einen Atemzug, und Trump kommt vom Brexit auf die US-Wahlen zu sprechen: "Am 8. November haben auch die Amerikaner die Chance, sich ihre Unabhängigkeit zurückzuholen." Einmal mehr spricht der Präsidentschaftsbewerber davon, Teil einer Bewegung zu sein, die im gesamten Westen zu spüren sei: Rückzug ins Nationale, Grenzen abschotten, Freihandel stoppen.

Trump übt schon mal die Siegerpose

Das Fatale ist: Als Trump seine Geschäftsreise nach Schottland ankündigte, wurde er von republikanischen Parteifreunden scharf kritisiert, nicht genügend Einsatz für den Wahlkampf zu zeigen. Nun aber stellt sich der New Yorker Baulöwe mit der Pose des Siegers vor die TV-Kameras, als habe er ein Gespür für den richtigen Moment gehabt.

Schlimmer noch: Trump, der sich offen zu seiner Unwissenheit in außenpolitischen Fragen bekennt, erscheint im Vergleich zu seiner Mitbewerberin Hillary Clinton als der eigentliche Trendsetter. Der 70-Jährige wiederholt auch an diesem Freitag seine Vorwürfe gegen die Kandidatin der Demokratischen Partei: Clinton habe für den Irak-Krieg gestimmt, für die Invasion in Libyen - und sich mehrfach gegen den Brexit ausgesprochen.

"Austieg ist der Anfang vom EU-Zerfall"

Es ist absehbar, dass auch der Amtsinhaber von dem Wahlkämpfer sein Fett wegbekommt: Barack Obama hatte die Briten im April unverhohlen vor einem Ausstieg aus der EU gewarnt und sogar damit gedroht, ein bilaterales Freihandelskommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich auf die lange Bank zu schieben.

Dass britische Kommentatoren wie Andrew Roberts dem US-Präsidenten nun vorwerfen, mit seiner Drohung die Brexit-Befürworter sogar beflügelt zu haben, kommt für den republikanischen Bewerber einer Steilvorlage gleich. Denn im Gegensatz zu anderen EU-Staaten hätte Großbritannien auch nach dem Ende des Kalten Krieges immer treu an der Seite der USA gestanden. Amerika hätte keinen Grund, ausgerechnet diesen Partner zu kritisieren. Dazu Trump: "Wahrscheinlich ist der Ausstieg der Anfang vom Zerfall der EU."

An diesem schwierigen Tag für das Obama-Clinton-Team gibt es dennoch zumindest eine gute Nachricht: Der bisherige parteiinterne Wettbewerber Bernie Sanders kündigt an, im November für die Favoritin der Demokratischen Partei zu stimmen. Bis zum Parteitag Ende Juli bleibt damit noch genügend Zeit, die beiden Lager miteinander zu versöhnen – und einen gemeinsamen Wahlkampf zu führen.

Und das Weiße Haus gab sich angesichts des EU-Referendums betont gelassen: Obama erklärte am Freitag, dass die "besonderen Beziehungen" zwischen den USA und Großbritannien selbstverständlich erhalten bleiben würden. Ohnehin seien die Staaten durch die NATO-Gemeinschaft eng miteinander verbunden – ebenso wie London und die Europäischen Union "unverzichtbare" Partner bleiben würden.

Von Stefan Koch/RND

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