Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Baltische Staaten rüsten auf
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Baltische Staaten rüsten auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:16 23.12.2014
Aus Angst vor Russland rüsten die baltischen Staaten auf. Quelle: Geoffrey Lee

Doch es geht nicht nur um die unübersehbaren Hinweise auf eine Unterstützung der prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine: Die Balten-Republiken selbst können derzeit russische Militäraktivitäten nahezu täglich unmittelbar an ihren Luft- und Seegrenzen beobachten.

Die baltische Luftraumüberwachung der Nato hat nach eigenen Angaben allein Anfang Dezember täglich bis zu 30 russische Militärflugzeuge abgefangen, die über der Ostsee oder vor der Küste Norwegens mit ausgeschaltetem Transponder unterwegs waren. Litauen versetzte sein Militär in erhöhte Alarmbereitschaft, nachdem auf See 22 russische Kriegsschiffe entdeckt wurden und eine schwerbewaffnete Korvette sich der Seegrenze auf fünf Kilometer näherte.

Beunruhigung über russische Militäraktionen

Auch Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak erklärte seine „Beunruhigung“ angesichts der „beispiellosen“ Militäraktionen Russlands. Schweden führte bereits die Möglichkeit wieder ein, ehemalige Wehrdienstleistende für Militärübungen einzuziehen. Begründet wurde dies vom Stockholmer Verteidigungsministerium mit der „Wiederaufrüstung Russlands“.

Zweifellos hätten die baltischen Armeen dem übermächtigen Moskau militärisch alleine kaum etwas entgegenzusetzen. Es ginge im Grunde darum, eine russische Offensive so lange aufzuhalten, bis Unterstützung durch die transatlantischen Partner einträfe, wie der litauische Militärexperte Aleksandras Matonis erläutert. „Im schlimmsten Fall, bei einer Aggression gegen die baltischen Staaten und dem Inkrafttreten der Nato-Verteidigungspläne, würde es noch etwas dauern, bis die Alliierten reagieren“, sagt Matonis. Die Länder müssten daher „eine erste Welle der Aggression“ selbst abwehren können.

Sprunghafter Anstieg bei Kriegsgerät

In dieser Logik wurde im Baltikum seit Russlands Einmischung in den Ukraine-Konflikt ein sprunghafter Anstieg bei der Anschaffung von Kriegsgerät verzeichnet. „Die derzeitige Sicherheitslage wird uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Das ist nicht nur eine Schlechtwetterperiode, das ist ein Klimawandel“, kommentierte der estnische Ministerpräsident Taavi Roivas die Entwicklungen an der nordöstlichen Grenze der EU.

Nach dem Zerfall der Sowejtunion traten die baltischen Länder im Jahr 2004 sowohl der EU als auch der Nato bei. „Die Präsenz der Nato im Baltikum muss aufrecht erhalten und erhöht werden“, sagte Roivas bei einem Besuch in den USA, wo er insbesondere auf den Abschluss neuer Rüstungsverträge drängte.

So unterzeichnete der estnische Verteidigungsminister Sven Mikser jüngst den größten Waffenlieferungsvertrag in der Geschichte des Landes. Für insgesamt 138 Millionen Euro schafft das 1,3 Millionen Einwohner zählende Estland nun 44 Panzer vom Typ CV90 und sechs vom Typ Leopard aus den Niederlanden an. Zuvor hatte es bereits in den USA für 40 Millionen Euro 40 Stinger-Raketensysteme bestellt.

Lettland und Litauen rüsten auf

Lettland kaufte Großbritannien im August für 48 Millionen Euro 123 Kriegsfahrzeuge ab und unterzeichnete im November mit Norwegen einen Vertrag über vier Millionen Euro, um 800 Panzerabwehrsysteme und 100 Lastwagen anzuschaffen. Litauen wiederum kaufte im September von Polen ein Grom-Luftabwehrsystem für 34 Millionen Euro und kündigte an, für weitere 16 Millionen Euro Panzerabwehrraketen in den USA zu ordern.

Die Militär-Gesamtausgaben der drei baltischen Staaten betrugen somit in sechs Monaten rund 300 Millionen Euro. Die Politik habe ihre Einstellung zu Verteidigungsausgaben „entscheidend geändert“, hieß es in einem Bericht des lettischen Instituts für Internationale Angelegenheiten. Entsprechend stockten alle drei Länder ihre Verteidigungsbudgets merklich auf.

Doch der Gesamtetat der Balten, der 2014 bei 1,2 Milliarden Euro lag, wirkt im Vergleich mit den Finanzmitteln der russischen Armee geradezu lächerlich gering: Russlands Militärhaushalt belief sich im selben Zeitraum auf umgerechnet 60 Milliarden Euro.

afp

Mehr zum Thema

Der ehemalige SPD-Chef Matthias Platzeck fordert im Interview mehr Verständnis für die russische „Gefühlslage“ – und glaubt nicht, dass Sanktionen Putin umstimmen können.

10.12.2014

In den vergangenen Tagen sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wieder verstärkt russische Militärflugzeuge über der Nord- und Ostsee gesichtet worden. Pentagonsprecher Warren sprach von einem „größeren Vorstoß“, den er als Machtdemonstration des russischen Präsidenten Putin bezeichnete.

09.12.2014

Die Gespräche in der Ukraine-Krise nehmen zu, doch die Gräben zwischen den Konfliktparteien sind tief. Kanzlerin Merkel beklagt die Schwierigkeiten, die Russland umliegenden Ländern bereite.

07.12.2014

Die Deutsche Bahn will im neuen Jahr deutlich mehr Bahnhöfe per Video überwachen. Die Kameras seien kein Allheilmittel, aber eine wichtige Säule im Sicherheitskonzept, heißt es vonseiten des Unternehmens. Bis zu 700 Videokameras in rund 100 weiteren Bahnhöfen sollen die Säule weiter verstärken.

25.12.2014
Deutschland / Weltweit Caid Essebsi wird neuer Staatschef - Präsidentenwahl in Tunesien

Der langjährige Regierungspolitiker Beji Caid Essebsi hat die erste freie Präsidentenwahl in Tunesien gewonnen. Mit mehr als 55 Prozent der Stimmen setzt sich der neoliberale Kandidat gegen seinen Konkurrenten durch - der Gewinner ist allerdings ein ehemaliger Weggefährte Ben Alis.

22.12.2014

Nach dem Angriff auf eine Schule in Pakistan, bei dem mindestens 133 Kinder getötet wurden, sollen in den kommenden Wochen 500 verurteilte Extremisten hingerichtet werden. Das kündigten Regierungsvertreter am Montag an.

22.12.2014