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Deutschland / Weltweit Bayerische Polizei ist hart an der Grenze
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19:02 29.06.2018
Die Schleierfahnder Josef E. und Peter B. der Polizeiinspektion Fahndung Passau prüfen die Fahrzeuge auf der Autobahn 3. Quelle: Christian Neffe
Passau

Peter B. und Josef E. haben die Straße genau im Blick. Von den Vordersitzen ihres grauen BMW-Geländewagens aus prüfen sie die Fahrzeuge, die auf der Autobahn 3 bei Passau an ihnen vorbei rauschen, mit erfahrenen Polizistenaugen. Nur wenige Minuten dauert es, bis ihnen ein Transporter auf dem Weg nach Süden ins Auge fällt: türkis, getönte Scheiben, auf dem Anhänger ein weißer Pkw. Die Beamten reagieren augenblicklich, treten aufs Gas, wenden ihren Wagen und rasen dem verdächtigen Fahrzeug hinterher.

Bis zur nächsten Raststätte Donautal-West sind es nur wenige Kilometer. B. gibt über Funk das Kennzeichen durch – ein moldawisches. Die Kollegin in der Zentrale gibt Auskunft über Fahrzeughalter und Herkunft. Eine Fahndung läuft jedoch nicht. B. und E. setzen sich dennoch vor das Fahrzeug, hinter der Heckscheibe beginnt ein Schriftzug zu blinken: „Polizei“, „Folgen“ und „Follow“ steht da.

500 Beamte werden in der Schleierfahndung eingesetzt

Peter B. und Josef E. sind als Schleierfahnder im Dienste der Polizeiinspektion Fahndung Passau aktiv. Sie gehören zu den 500 Beamten, die in der Schleierfahndung eingesetzt werden. – dieser Begriff bezieht sich auf die 30 Kilometer lange Zone hinter der deutsch-österrreichischen Grenze, den sogenannten „Schleier“.

Ab Montag ist hier die neue Bayerische Grenzpolizei zuständig - mit 500 Beamten. Bis 2023 sollen es 1000 Beamte sein. Doch aktuell ändert sich außer dem Namen erst einmal nicht. Peter B. und Josef E. haben um 6 Uhr früh ihren Wagen erstmals an der Abfahrt Passau-Nord abgestellt und leiten Fahrzeuge, die ihren Verdacht erregen, auf den nächsten Rastplatz. Bis 15 Uhr wird ihre Schicht andauern, bis dahin werden sie etwa zehn Fahrzeuge kontrolliert haben.

Der moldawische Transporter folgt der Anweisung. Innen sitzen neun Personen, dem Anschein nach eine ganze Familie, von der Enkelin bis zur Großmutter. Der Kofferraum des Transporters ist brechend voll, ebenso wie der des anhängenden Pkws. B. und E. kommunizieren mit den Insassen in einer Mischung aus Deutsch und Englisch.

„Man kämpft sich sprachlich so durch“, sagt Peter B. Beide könnten ein wenig Rumänisch und Italienisch, meist erfolgen Fragen und Anweisung aber in Amtssprache. Die Beamten nehmen Pässe, Ausweise, Führerschein und Fahrzeugpapiere entgegen, überprüfen die Dokumente auf ihre Echtheit und etwaige Vergehen der Besitzer. Keine Treffer. Noch ist die Prozedur für die Moldawier aber nicht zu Ende.

Flüchtlinge begegnen ihnen so gut wie nie

„Solche Transporter sind prädestiniert für Diebesgut“, sagt Josef E. „Wir haben das schon öfter erlebt, dass das Reisegepäck vorn liegt und dahinter die Drogen verstaut werden.“ Aus ihm sprechen neun Jahre Erfahrung. Sein Kollege ist sogar schon seit 1998 als Schleierfahnder aktiv. Der Fahrer des Transporters muss Taschen und Koffer hervorholen, auch die mitgeführten Fahrräder werden von den Beamten unter die Lupe genommen. Wieder keine Treffer. Die Moldavier, die sagen, sie hätten in Deutschland Urlaub gemacht, können ihren Weg gen Heimat fortsetzen.

Entgegen anderer Vermutungen konzentrieren sich E. und B. bei ihrer Arbeit nicht auf illegal eingereiste Personen, sondern auf Dinge, die aus Deutschland herausgebracht werden sollen: Drogen, Waffen oder Diebesgut. Flüchtlinge begegnen ihnen so gut wie nie. Auf die sind die Kollegen auf der anderen Seite der Autobahn an der Raststätte Rottal-Ost spezialisiert, wo seit September 2015 permanente Kontrollen stattfinden.

Falls sich ein Fahrzeug mal den Beamten entziehen will, können sie ihm auch über die Grenze hinweg folgen und Verstärkung aus Österreich anfordern. Als „Mogelpackung“ bezeichnet Peter Schall, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, die neue Grenzpolizei. „Sie ist schließlich nicht an der Grenze direkt aktiv. Und die Schleierfahndung wird bereits jetzt praktiziert“ - von Beamten wie Peter B. und Josef E.

Die Beamten verlassen sich bei der Fahrzeugauswahl auf ihren Instinkt

Nachdem die moldawische Familie abgefahren ist, ziehen auch die Beamten weiter, wechseln an der Abfahrt Passau-Mitte auf die andere Fahrbahnseite. Dann noch eine Wende in Höhe Passau-Nord und die beiden sind wieder an ihrem Stammplatz. Ihr nächster Fang ist ein weiterer Transporter, diesmal in beige, rumänisches Kennzeichen.

Die Insassen reagieren deutlich freundlicher und offener auf die Beamten: Es sind Saisonarbeiter, ebenfalls auf dem Weg zurück in die Heimat. Ein kurzer Blick in den Kofferraum, dann dürfen die Rumänen weiterziehen.

Bei der Auswahl der Fahrzeuge verlassen sich die Beamten auf ihren über Jahre trainierten Instinkt, sagen sie – und haben beim nächsten Mal tatsächlich Glück. Die Überprüfung eines silbernen BMWs mit Wiesbadener Kennzeichen ergibt, dass dessen Versicherungsschutz bereits abgelaufen ist. Die Tour des Fahrers endet hier. Peter B. fordert von der Zentrale ein rotes Überführungskennzeichen an. I

n Passau muss der Pkw anschließend stehen bleiben, bis die Versicherung erneuert wurde. Heute ist den Beamten noch kein großer Fang ins Netz gegangen. „Man muss viele Frösche küssen, bis ein Prinz dabei ist“, feixt Josef E. Möglicherweise passiert das im Laufe des Tages auch noch. Die Beamten nehmen wieder ihren Stammplatz an der Ausfahrt Passau-Nord ein. Die nächste Runde beginnt.

Von Christian Neffe/RND

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