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Deutschland / Weltweit Der „märkische General“ Jörg Schönbohm ist tot
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14:29 08.02.2019
Der frühere Brandenburger Innenminister und CDU-Landeschef Jörg Schönbohm ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Potsdam

Der frühere Brandenburger Innenminister und CDU-Landeschef Jörg Schönbohm ist tot. Wie der Landesverband der CDU mitteilte, erlag er am Donnerstag im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Kleinmachnow einem Herzinfarkt. Zuletzt war es still geworden um den Mann, für den still sein nie zu den Grundtugenden des Politikers zählte. Gesundheitlich liegt eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter Schönbohm. 2012 hatte er einen Schlaganfall erlitten. Zwei Jahre später musste ein Gehirntumor entfernt werden.

Seinen 80. Geburtstag hatte der ehemalige General noch mit 100 Gästen in seinem Berliner Tennisclub Blau-Weiß gefeiert. Auf die Frage, ob er es vermisst, nicht mehr als umtriebiger Minister und „knorriger Konservativer“ im Mittelpunkt zu stehen, sagte er der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ), die zum RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gehört, damals: „Nein, das ist abgeschlossen. Ein guter Freund hat mal gesagt, ich hätte drei Leben gelebt. Er hat recht.“

1990 in den Osten zurückgekehrt

Im Oktober 1990 war der gebürtige Brandenburger in den Osten zurückgekehrt. Der Generalleutnant übernahm das Bundeswehrkommando Ost in Strausberg. Als 53-Jähriger kam Schönbohm in den Teil Deutschlands zurück, aus dem der Achtjährige mit seiner Familie nach Kriegsende geflohen war. Sein Auftrag: die Auflösung der 90.000 Mann starken Nationalen Volksarmee (NVA). Zu Schönbohms Job gehörte, mit den Russen über die Auflösung ihrer DDR-Garnisonen zu verhandeln.

Schönbohm, der erst seit 1994 CDU-Mitglied ist, wechselte auf dem Höhepunkt seiner militärischen Karriere in die Politik. Ende 1995 wurde ihm das Amt des Berliner Innensenators angeboten. Von der Bonner Beschaulichkeit ins brodelnde Berlin. In der Hauptstadt begründete der Ex-General seinen Ruf als „Law-and-Order“-Politiker. Unter massivem Polizeieinsatz ließ er besetzte Häuser räumen.

CDU war heillos zerstritten

Der Ruf der Brandenburger CDU 1998 kam einem SOS gleich. Der märkische Verband war heillos zerstritten und hatte bis Ende der 90er- Jahre sieben Landesvorsitzende verschlissen. Die Verweildauer von Führungspersonal schwand rapide, jemand mit Autorität musste her. Als Parteichef gelang Schönbohm, was unmöglich schien: Er verschaffte den Christdemokraten die erste stabile Phase seit ihrer Neugründung und führte sie 1999 und 2004 in eine Koalition mit der SPD unter Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). „Mit Stolpe habe ich gern gearbeitet, er ließ mir Luft zum Atmen“, sagte Schönbohm einmal.

Zehn Jahre – bis zur Bildung der ersten rot-roten Koalition 2009 unter Matthias Platzeck – war Schönbohm Innenminister, acht davon gleichzeitig Vize-Regierungschef. Legendär sein Talent, brenzlige Situationen zu beherrschen – wie die bei einem Protestaufmarsch von Polizisten in Potsdam, als die Ordnungshüter ihrem Dienstherren den Rücken zuwendeten. Ein böser Fauxpas. „Haarschnitt in Ordnung, Sie können sich rumdrehen!“, schallte Schönbohms Ruf Sekunden später über den Platz. Darauf vielstimmiges Gelächter.

Gegen die AfD

Aber er schoss auch übers Ziel hinaus. So im Zusammenhang mit dem spektakulärsten Fall der märkischen Kriminalgeschichte: Schönbohm führte die Tötung von neun Babys durch deren Mutter auf die „erzwungene Proletarisierung“ in der DDR zurück und löste Stürme der Entrüstung aus. Nicht nur einmal fehlte ihm bei der Einschätzung der Ostdeutschen und ihrer Befindlichkeiten die nötige Sensibilität.

Vor 20 Jahren hat Schönbohm das politische Schlagwort von der „deutschen Leitkultur“ in die Debatte gebracht. Dafür ist er oft gescholten worden. „Ich habe die Sorge, dass viele Flüchtlinge sich nicht integrieren und in diffusen gesellschaftlichen Verhältnissen leben“, sagte er vor seinem 80. Geburtstag – mit der AfD wollte er aber nichts zu tun haben. Deren Positionen lehnte er ab.

Jörg Schönbohm hinterlässt seine Frau, drei Kinder, neun Enkel und einen Urenkel.

Von RND/MAZonline

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