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Deutschland / Weltweit Die Welt nimmt Abschied von Schimon Peres
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11:45 30.09.2016
Präsident Barack Obama während seiner Trauerrede. Quelle: afp
Jerusalem

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen nehmen am Freitag in Jerusalem Dutzende Spitzenpolitiker aus aller Welt am Begräbnis des israelischen Altpräsidenten Schimon Peres teil. Rund 3000 Trauergäste geben dem Friedensnobelpreisträger das letzte Geleit. Zu der Beisetzung auf dem Herzl-Berg kamen unter anderen US-Präsident Barack Obama, der britische Thronfolger Prinz Charles, Bundespräsident Joachim Gauck und der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas. Bei den Feierlichkeiten trafen auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Abbas aufeinander. Die Beiden begrüßten sich mit einem Handschlag und redeten rund eine Minute miteinander. Rund 8000 Polizisten und Hunderte Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes Shin Beth sind zur Sicherung der Trauerfeierlichkeiten im Einsatz. Die Terrororganisation Hamas hat für Freitag zu einem „Tag des Zorns“ in Jerusalem und im Westjordanland aufgerufen.

Der britische Thronfolger Prinz Charles mit royaler Kippa samt Wappen. Quelle: EPA

Obama würdigte Peres’ Menschlichkeit

Peres war am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben, zwei Wochen nach einem Schlaganfall. Schätzungsweise rund 50.000 Israelis nahmen am Donnerstag Abschied von ihrem Ex-Präsidenten, dessen Sarg vor dem Parlament aufgebahrt wurde. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton besuchte als einer der ersten ausländischen Gäste den Sarg, um seinem alten Weggefährten Respekt zu bekunden. Er war ebenso Trauerredner wie sein Nachfolger Barack Obama. Der US-Präsident würdigte neben den politischen Verdiensten von Peres speziell seine Menschlichkeit. er habe Vorurteile mit der Leidenschaft desjenigen gehasst, der sie am eigenen Leibe erfahren hatte.Und weiter: „Ich war der zehnte US-Präsident seit John F. Kennedy, der sich mit Peres traf. Und ich war der zehnte, der seinem Charme sofort erlag.“

Netanjahu erklärt Frieden für alle in der Region zum Ziel

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu würdigte den Altpräsidenten in seiner Trauerrede als „einen der größten Anführer unseres Volkes“ gewürdigt. Peres habe sein Leben dem Kampf für eine Friedensregelung mit den Palästinensern gewidmet, sagte Netanjahu am Freitag auf dem Herzl-Berg in Jerusalem.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir politische Gegner waren, aber über die Jahre sind wir Freunde geworden, sogar enge Freunde“, sagte Netanjahu. „Er war ein großer Staatsmann, Israel trauert um ihn, die Welt trauert um ihn. Aber sein Erbe gibt uns Hoffnung.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sarg von Schimon Peres. Quelle: afp

Netanjahu erinnerte an sein erstes Treffen mit Peres beim Begräbnis seines Bruders. Joni Netanjahu war 1976 als Kommandeur bei einem Einsatz zur Befreiung israelischer Geiseln bei einer Flugzeugentführung in Uganda getötet worden. Peres war damals israelischer Verteidigungsminister und habe ihn bei der Trauerfeier mit seiner Ansprache tief beeindruckt, sagte Netanjahu.

Er habe mit Peres oft über den richtigen Weg zu einem Frieden in der Region gestritten, sagte Netanjahu. „Letztlich glaube ich, dass wir beide Recht hatten.“ Im umkämpften Nahen Osten sei Frieden nur aus einer Position der Stärke zu erzielen. „Aber das Ziel ist die Koexistenz, Frieden für uns und die Völker der Region und unsere palästinensischen Nachbarn.“

Peres, ein nimmermüder Architekt des Friedens

Peres war einer der Architekten der Friedensverträge mit den Palästinensern. Er wurde dafür 1994 gemeinsam mit dem damaligen israelischen Regierungschef Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bei einer Zeremonie im September 1993 auf dem Rasen vor dem Weißen Haus hatten Abbas und Peres als Außenminister die Verträge unterzeichnet. Im Beisein des damaligen US-Präsidenten Clinton kam es zu einem historischen Handschlag zwischen Rabin und Arafat. Clinton hatte sich auch danach intensiv für eine umfassende Friedensregelung eingesetzt, doch letztlich scheiterte der Friedensprozess.

Gauck, Steinmeier und Nahles Deutschlands Vertreter

Aus Deutschland kamen neben Gauck auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Arbeitsministerin Andrea Nahles. Obama wurde von seinem Außenminister John Kerry begleitet. Auch der ägyptische Außenminister Sameh Schukri zollte Peres Respekt.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und wanderte 1934 nach Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister.

Ein Mann schüttet Sand in das Grab von Schimon Peres. Im Hintergrund Israels Präsident Reuven Rivlin, US-Präsident Obama und Benjamin Netanjahu (verdeckt, von links). Quelle: dpa

Von RND/dpa/dk