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Die drei Verlierer von Berlin

Kein Platz im GroKo-Kabinett Die drei Verlierer von Berlin

Für Sigmar Gabriel war der 7. Februar 2018 kein schönes Datum. Der Tag, an dem der neue Koalitionsvertrag verkündet wurde, war auch der Tag, an dem das Ende seines Daseins als deutscher Außenminister besiegelt war. Der ehemals stärkste Mann der SPD gehört zu dem Verlierer-Trio der GroKo-Verhandlungen von Berlin.

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Haben kein Platz im neuen GroKo-Kabinett: Thomas de Maiziére (CDU), Jens Spahn (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD).

Quelle: dpa/RND-Monatge

Berlin. In der SPD heißt es, Schulz habe von Granden seiner Partei gesagt bekommen, dass er nicht Vorsitzender bleiben könne – deshalb habe er in letzter Sekunde Sigmar Gabriel weggedrängt, um einen guten neuen Job zu haben und die eigene Haut zu retten. Es kursieren verschiedene Deutungen und Erklärungen.

Demnächst einfacher Abgeordneter: Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel (SPD)

Sigmar Gabriel (SPD).

Quelle: dpa

So oder so wird daraus keine Heldengeschichte oder gar eine Geschichte über Parteifreunde, die fair miteinander umgehen. Gabriel jedenfalls geht jetzt als Verlierer vom Platz und sitzt demnächst als einfacher Abgeordneter im Bundestag. Wird der unruhige Geist sich in die Fraktionsdisziplin einbinden lassen? Laut Umfragen ist der 58 Jahre alte Gabriel derzeit einer der beliebtesten Politiker in Deutschland, mit weitem Abstand zu allen anderen Sozialdemokraten. Dass ausgerechnet er nun abgeschossen wurde, will ihm und seinen Gefolgsleuten nicht in den Kopf: Sie wittern eine Intrige, gesteuert von Gabriels Erzfeindin Andrea Nahles.

Kein Platz mehr für de Maizière

Thomas de Maiziere (CDU)

Thomas de Maiziere (CDU).

Quelle: dpa

Neben dem deutschen Außenminister blickte am Mittwoch auch der Innenminister auf einen Tag der Zäsur. Für den CDU-Mann Thomas de Maiziére, einen langjährigen Diener der Kanzlerin, war kein Platz mehr im neuen Kabinett – nachdem CSU-Chef Horst Seehofer nach dem Innenressort gegriffen hatte. Theoretisch wäre de Maizière erneut als Kanzleramtsminister infrage gekommen; so war er mal gestartet, und das dazu nötige gute Verhältnis zur Kanzlerin ist immer noch vorhanden. Doch einen solchen Weg zurück wollte de Maizière nicht gehen. Ein Ministeramt, sagte er am Mittwoch, sei immer ein Amt auf Zeit, und „jetzt ist die Zeit gekommen, aus der Bundesregierung auszuscheiden“. Mit seinen 64 Jahren muss de Maizière auch niemandem mehr etwas beweisen.

Den Bogen überspannt? Jens Spahn

Jens Spahn (CDU)

Jens Spahn (CDU).

Quelle: imago

Bei Jens Spahn, Jahrgang 1980, liegen die Dinge anders. Der rhetorisch begabte junge CDU-Mann, ein häufiger Talkshowgast, würde gern vorführen, was er alles kann – kommt aber offenbar abermals nicht so recht zum Zuge. Seit Langem schon gilt der aus Westfalen stammende Jungunionist als Mann der Zukunft. Inzwischen aber wiegen manche in der Partei bedächtig die Köpfe und fragen, ob da vielleicht einer immer ein bisschen über Wert gehandelt wurde. In derzeit kursierenden Listen möglicher CDU-Bundesminister kommt Spahn nicht vor – anders als Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz und Annette Widmann-Mauz aus Baden-Württemberg. Spahns Freunde sagen, dies liege daran, dass Merkel lieber Frauen fördere. Doch viele in der CDU glauben, Spahns Problem sei seine Illoyalität: Er habe mit Kritik an Merkel schlicht den Bogen überspannt. Deshalb komme er mittlerweile aus Sicht der Kanzlerin nicht mal als neuer CDU-Generalsekretär in Betracht.

Von Matthias Koch/RND

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