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Deutschland / Weltweit Augsburg: Hotel „Drei Mohren“ will keine AfD-Gäste
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Augsburg: Hotel „Drei Mohren“ will keine AfD-Gäste
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11:32 08.06.2018
Alice Weidel und Alexander Gauland (AfD) müssen sich wegen ihrer fremdenfeindlichen Aussagen ein neues Hotel für den Parteitag in Augsburg suchen. Quelle: dpa
Augsburg

Zum Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 30. Juni werden rund 700 Delegierte erwartet – und Tausende Demonstranten. Die Stadt Augsburg erwartet ein Wochenende, das dem Ausnahmezustand gleicht. Zwei Hotels haben sich nun deutlich gegen die Parteispitze und einige Mitglieder positioniert und ihnen die Buchung verweigert – aus Sicherheitsgründen, wie zuerst die „Welt“ berichtete.

Fremdenfeindliche Äußerungen

Die AfD-Fraktionsspitzen Alexander Gauland und Alice Weidel haben demnach gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Bundesvorstandes im Augsburger „Holiday Inn Express“ eine Übernachtung für das entsprechende Wochenende gebucht. Die Hotelgruppe meldete sich daraufhin postalisch bei den Parteichefs mit der Stornierung für insgesamt 11 Mitglieder.

Der Grund: Die umstrittenen, öffentlich getätigten Äußerungen der genannten Personen, die sich gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung richten, ließen sich nicht mit der „internationalen Ausrichtung und der multikulturellen Gästekultur vereinbaren.

Stornierung wegen Parteizugehörigkeit

Ralph Weber buchte bewusst ein anderes Hotel, war er doch bereits bei seinem letzten Besuch in Augsburg zu Gast im Hotel „Drei Mohren“. Vier Wochen nach der Buchung habe aber auch ihn die Stornierung erreicht, wegen Mitgliedschaft in der AfD. Der Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert das Vorgehen im Gespräch mit der „Welt“ scharf: „Natürlich ist niemand gezwungen, Parteimitglieder der AfD zu beherbergen“, sagt Weber. „Aber dass das Hotel vier Wochen nach meiner Anfrage plötzlich die Buchung storniert, ist glatter Vertragsbruch.“ Dies erinnere an „Gestapo-Methoden“.

Große Sicherheitsbedenken

Während sich das Steigenberger Hotel „Drei Mohren“ wegen Sicherheitsbedenken gegenüber den anderen Gästen zu diesem Schritt gezwungen sah, habe sich auch die Success Hotel Management GmbH, der das „Holiday Inn Express“ angehört, die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Unser Hausverbot richtet sich nur an Personen, sofern diese ausfällig werden – zum Schutze unserer Mitarbeiter und Gäste“, sagt Michael Friedrich, Geschäftsführer der Hotelgruppe der „Welt“.

Schon in der Vergangenheit habe man Gäste abgewiesen, „die unseren Grundwerten einer weltoffenen Gesellschaft und einem fairen Miteinander widersprechen“. Letztlich hätten es aber die betroffenen AfDler in der Hand – die Hotelleitung sei an einer Lösung interessiert, etwa durch eine schriftlich Bestätigung der Mitglieder, dass diese während des Aufenthalts auf rassistische und antisemitistische Äußerungen verzichten.

CDU verteidigt Entscheidung

Während die AfD den Vorgang scharf kritisiert, bekommen die beiden Hotels Rückendeckung aus der Politik. „Die Entscheidung richtet sich nicht gegen die Partei insgesamt, sondern gegen bestimmte Mitglieder, die der Hotelleitung aufgrund ihrer rassistischen und demokratiefeindlichen Äußerungen nicht als Gäste willkommen sind“, sagt CDU-Rechtsexperte Patrick Sensburg der „Welt“. Es dürfe kein Hotel gezwungen werden, Menschen aufzunehmen, die der Demokratie und den hoteleigenen Grundwerten schaden.

AfD prüft Rechtslage

Die Hotelleitung versucht das Richtige zu tun, für die AfD ist das Vorgehen ein Skandal. Auch der Bundesvizechef Kay Gottschalk ist von der Stornierung betroffen, für ihn stellt die Stornierung eine Ausgrenzung dar: „Es ist besorgniserregend und spricht für ein gesellschaftlich vergiftetes Klima, wenn Mitgliedern einer demokratischen Partei die Übernachtung in einem Hotel verwehrt wird“, sagt er im Gespräch mit der „Welt“. Und die Partei geht noch einen Schritt weiter – sie prüft derzeit die Rechtslage.

Von RND/lf

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