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Emmanuel Macron, der „Robin Hood der Reichen“

Kritik an Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, der „Robin Hood der Reichen“

Nicht nur seine wirtschaftsfreundliche Politik stört die Gegner des französischen Präsidenten, Emmanuel Macrons eckt auch mit unbedachten Äußerungen an. Sind sie aus dem Kontext gezogen – oder offenbaren sie Macrons Verachtung für sozial Schwächere?

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Als früherer Wirtschaftsminister verkündete Emmanuel Macron einmal, jeder junge Franzose solle „Lust haben, Milliardär zu werden“.

Quelle: AP

Paris. Eigentlich geht es gerade wieder leicht bergauf mit den Umfragewerten von Emmanuel Macron. Er hatte sich standhaft gegenüber der Kritik an seinen Reformprojekten und der Angst vor Veränderung gezeigt, die rasch nach der Wahl im Mai seine Popularität einbrechen ließen. Auch auf der internationalen Bühne machte der jugendlich wirkende Präsident eine gute Figur.

Wären da nicht diese verbalen Ausrutscher, zu denen Macron seit jeher neigt. Als früherer Wirtschaftsminister verkündete er einmal, jeder junge Franzose solle „Lust haben, Milliardär zu werden“. 2014 sprach er von Mitarbeiterinnen des Schlachthofs GAD als „Frauen, die nicht lesen und schreiben können“ und provozierte damit den empörten Vorwurf, er verachte einfache Arbeiter. Macron entschuldigte sich daraufhin bestürzt.

Macron nennt Aussagen aus dem Kontext gerissen

Doch trotz der medialen Dauerbeobachtung trägt er sein Herz noch immer auf der Zunge. Während der Proteste gegen die Arbeitsmarktreform erklärte er vor zwei Wochen, er werde niemandem weichen – „nicht den Faulen, nicht den Zynikern, nicht den Extremen“. Woraufhin sich die Streikenden als „Faule“ angesprochen fühlten. Ein neuer Aufschrei folgte nun, als der 39-Jährige am Rande eines Besuches in der Region Corrèze sagte, manche würden besser daran tun, Alternativjobs zu suchen, „anstatt Chaos zu schaffen“ – die Mitarbeiter des nahegelegenen Automobil-Zulieferers GM&S, die gegen dessen Schließung protestierten, bezogen dies auf sich.

Steckt Überheblichkeit hinter den Aussagen des Präsidenten – warum sonst sollte dieser ausgewiesene Medienprofi sie wählen? Oder benutzen seine Gegner solche leichtsinnig dahingesagten Äußerungen, um sein Image als abgehobenes Produkt der Elite zu festigen? Macron selbst verteidigte sich, sie seien aus dem Kontext gerissen und man könne das Land nicht voranbringen, wenn man die Dinge nicht beim Namen nenne. Doch Jean-Christophe Cambadelis, bis vor Kurzem Chef der Sozialistischen Partei, bescheinigte dem Präsidenten, der früher bei der Privatbank Rothschild gearbeitet hat, eine „klassische Haltung der hohen Beamten und noch dazu Banker, von oben auf die Arbeitswelt herabzublicken“.

Reichensteuer wird nur noch auf Immobilien erhoben

Am Freitag zeigte die linksgerichtete Zeitung „Libération“ auf dem Titel ein Schattenbild von Macrons Profil mit der Überschrift: „Der versteckte Sohn von Sarkozy“. Zwar wirkte der „Komet Macron“ zunächst wie das Gegenteil von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, schreibt das Blatt, nämlich freundlich und wohlerzogen. Doch im Amt zeige Macron dieselbe Ungeduld und Selbstüberschätzung, auch er vergreife sich im Ton und stehe dem Geldadel nahe. Soll nicht Sarkozy selbst gesagt haben: „Macron? Er ist wie ich, nur noch besser!“

Dass er eine Politik für die Wohlhabenden des Landes mache, ist ein oft wiederholter Vorwurf gegen den Staatschef, den der linke Abgeordnete François Ruffin einen „Robin Hood der Reichen“ nennt. Denn Macron streicht die Wohnzuschüsse für 6,5 Millionen Bedürftige um monatlich 5 Euro, während die Reichensteuer künftig nur noch auf Immobilien erhoben wird, nicht mehr auf Luxusgüter und Aktien. Seine wirtschaftsfreundliche Politik, mit der er Investoren anziehen und Anreize für Stellenschaffungen bieten will, stößt den Linken übel auf. Bei der Arbeitsmarktreform, klagen sie, handele es sich vor allem um Zugeständnisse für Unternehmen. Ist Macrons Politik mehr rechts als links, wie es heißt? Er selbst will ideologische Etiketten abstreifen, ehrlich und offen sprechen – aber schießt für manche dabei übers Ziel hinaus.

Von Birgit Holzer, RND

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