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Deutschland / Weltweit Grüne fordern Maßnahmenpaket gegen Müll an Stränden
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05:03 15.09.2018
Müll an einem Strand. Quelle: Christoph Sator/dpa
Berlin

Die Grünen verlangen von der Bundesregierung deutlich mehr Anstrengungen zur Verminderung von Plastikmüll an Stränden. „Wir fordern ein verbindliches Abfallreduktionsziel: Bis 2030 muss sich das Aufkommen an Verpackungsabfall in Deutschland halbieren – auf 110 Kilogramm pro Kopf“, sagte der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Vermüllung der Erde mit Plastik und Mikroplastik ist eine der größten ökologischen Bedrohungen dieser Zeit“, betonte Hofreiter.

Der Grünen-Politiker fordert von der Bundesregierung eine umfassende Anti-Plastik-Strategie. „Dazu gehört: Vier von fünf Getränkeverpackungen müssen im Jahr 2025 wieder Mehrwegflaschen sein. Plastikabfall muss künftig zu hochwertigem Rohstoff recycelt werden. Mikroplastik hat in Produkten wie Kosmetika und für die Körperpflege nichts zu suchen und muss verboten werden“, sagte Hofreiter dem RND anlässlich des internationalen „Coastal Cleanup Day“ am Sonnabend.

Die Meere vermüllen

Die Situation gerade in den Meeren verschärft sich zunehmend: In weniger als 30 Jahren könnte es mehr Müll als Fische in den Ozeanen und Flüssen geben. Das geht aus Studien der Ellen-MacArthur-Foundation hervor, auf die sich auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) beruft. Umweltschützer sind alarmiert, der „Coastal Cleanup Day“ soll größere Aufmerksamkeit auf die Belastung der Strände und Küsten lenken. Seit 32 Jahren reinigen Naturschützer deutschlandweit von Mitte September bis Anfang Oktober Küstenabschnitte an Nord- und Ostsee sowie Ufer von Seen und Flüssen von gefährlichen Abfällen. Im vergangenen Jahr sammelten Freiwillige in den Wochen um den „Coastal Cleanup Day“ rund 2250 Kilogramm Plastikmüll – allein an den Stränden von Ost- und Nordsee.

Doch nicht nur die Strände und Flussufer werden zu Abfallhalden. Zehn Millionen Tonnen Plastikabfälle gelangten weltweit Jahr für Jahr vom Land ins Meer, so der Naturschutzbund Deutschland. Millionen von Tieren, Fischen, Walen und Schildkröten verendeten qualvoll, wenn sie Plastiktüten, Verpackungen oder Feuerzeuge mit Nahrung verwechseln oder sich am Müll strangulieren.

Verpackungsgesetz soll Müll reduzieren helfen

In Deutschland herrscht Konsens darüber, dass etwas gegen die Plastikflut getan werden muss. Zum 1. Januar 2019 wird in die bisherige Verpackungs-Verordnung durch ein Verpackungsgesetz abgelöst. Dieses soll das Recycling von Verpackungen und den Einsatz von Produkten aus Recyclingprozessen stärken und Anreize für die Vermeidung von Verpackungen setzen.

Dazu soll auch ein transparentes Verpackungsregister dienen, das die Hersteller stärker in die Pflicht nimmt. Alle Unternehmen, die verpackte Waren für den privaten Endverbraucher in Deutschland erstmalig in den Verkehr bringen, müssen in diesem Register bis zum Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes am 1. Januar 2019 angemeldet sein.

Federführend ist das Haus von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). „Wir produzieren in Deutschland zu viel Plastikmüll. Das wollen wir ändern, indem wir überflüssiges Plastik vermeiden und dafür sorgen, dass Verpackungen klüger und ökologischer gestaltet werden“, sagt Schulze. Von dem Verpackungsgesetz erhofft sich die Ministerin zudem höhere Recyclingquoten.

Internationale Anstrengungen erforderlich

Allein kann Deutschland den Umweltschutz jedoch nicht vorantreiben. Die EU-Kommission fordert von allen Mitgliedsländern mehr Anstrengungen. Die Bundesregierung verweist zudem auf den hohen Anteil von Drittländern am Müllaufkommen. Auf Nachfrage des RND erklärte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums: „Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, die einen maßgeblichen Eintrag von Müll in die Meere leisten, muss eine funktionierende und nachhaltige Abfallwirtschaft aufgebaut werden. Entsprechende Maßnahmen haben wir in den G7- und G20 Aktionsplanen zu Meeresmüll festgehalten und werden diese auch weiter international nachverfolgen.“ Auf EU-Ebene werbe das Umweltministerium darüber hinaus für Konzepte wie etwa die Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen.

Forscher versuchen derzeit, Methoden zu entwickeln, den Müll aus dem Wasser abzusaugen. Das Umweltministerium gibt sich bei solchen Vorhaben zurückhaltend: „Ein einfaches Abschöpfen des Mülls an der Meeresoberfläche ist derzeit aus ökologischen Gesichtspunkten nicht ohne Risiken für die Meeresökosysteme zu bewerkstelligen. Es bedarf hierzu zumindest noch weiterer wissenschaftlicher Forschung.“ Unbeabsichtigt könnten dabei wichtige Organismen entnommen werden. Zudem befinde sich nach derzeitiger Erkenntnis der Großteil des Mülls nicht an der Oberfläche, sondern in tieferen Schichten und am Meeresboden.

Bundesregierung lehnt Plastiksteuer ab

Verbraucher sollten daher versuchen, stärker Ressourcen zu schonen und Müll zu vermeiden. Den Vorschlag der EU-Kommission, eine Plastiksteuer einzuführen, lehnt Berlin aber ab. „Eine Plastiksteuer für sämtliche Produkte, die Kunststoff enthalten, wäre der falsche Weg“, teilte das Ministerium mit. „Über einen Verzicht auf überflüssige Verpackungen werden wir mit dem Handel sprechen, der sich seiner Verantwortung zunehmend bewusst wird.“

Von Gunnar Müller/RND

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