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Deutschland / Weltweit Hollande will „Dschungel“ von Calais räumen
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Hollande will „Dschungel“ von Calais räumen
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17:25 26.09.2016
Ein Flüchtling läuft durch den Dschungel, das Lager im französischen Calais nahe des Eurotunnels. Quelle: afp
Calais

Hollande rief die britische Regierung auf, mit Verantwortung für die Tausenden Menschen zu übernehmen, die umgesiedelt werden sollen. Die Räumung des Lagers von Calais soll nach den Worten des Präsidenten möglichst bald beginnen und bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Im sogenannten Dschungel von Calais halten sich nach offiziellen Angaben rund 7000 Menschen auf. Nach Zählungen von Hilfsorganisationen sind es inzwischen sogar mehr als 10.000.

Die Menschen sollen in Aufnahmezentren in ganz Frankreich umverteilt werden. Dagegen regt sich in einigen Regionen Widerstand. An die Regierung in London gerichtet sagte Hollande deshalb: „Die britischen Behörden müssen die humanitären Anstrengungen Frankreichs unterstützen.“ Das Votum der Bürger für einen EU-Austritt entbinde die Regierung in London nicht von ihren Pflichten. Hollande besuchte in Calais nicht das Flüchtlingslager, sondern die Hafenanlagen und die Sicherheitskräfte. Derzeit sind knapp 2000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz, um Flüchtlinge davon abzuhalten, die Sperranlagen zum Eurotunnel zu überwinden oder heimlich auf Transporter zu gelangen, die auf Fähren nach Großbritannien übersetzen.

Rechte Parteien setzen Hollande unter Druck

Mit seinem ersten Besuch in Calais als Staatschef reagiert der sozialistische Politiker Hollande auch auf den Druck der konservativen Opposition und der rechtsextremen Partei Front National vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden April und Mai. Die Immigration zeichnet sich vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge als eines der zentralen Themen im Wahlkampf ab. Dabei ist die Zahl der Asylbewerber deutlich geringer als in Deutschland: In Frankreich stellten 2015 gut 80.000 Menschen einen Antrag. In Deutschland waren es mit rund 476.000 fast sechs Mal so viele.

Erst vergangene Woche hatte Hollandes Vorgänger, der konservative Präsidentschaftsanwärter Nicolas Sarkozy, Calais besucht. Dabei hatte er gesagt, Frankreich werde von Flüchtlingen „überschwemmt“. Sarkozys konservativer Präsidentschafts-Mitbewerber, der frühere Premierminister François Fillon, forderte die Abschiebung aller Menschen ohne Bleibeperspektive. Die Vorsitzende der rechtsextremen Partei Front National, Marine Le Pen, nannte den „Dschungel“ von Calais kürzlich das „schändliche Symbol des Versagens der Staatsgewalt in der Migrationsfrage“. Ihr Wahlkampfmanager David Richline sagte dem Sender iTELE, das Asylrecht müsse auf wenige Hundert Menschen beschränkt bleiben. Nicht jeder Kriegsflüchtling könne in Frankreich mit Aufnahme rechnen.

Frankreich baut Mauer am Hafen von Calais

Hilfsorganisationen nannten die Entscheidung zur Auflösung des Lagers in Calais dagegen „kurzsichtig“. Frankreich müsse die Geflüchteten endlich in Würde aufnehmen, forderten Médecins du Monde (Ärzte der Welt) und andere Organisationen. Die öffentliche Debatte über die Einwanderung sei „ekelerregend und inhuman“. Frankreich und Großbritannien gehen seit Jahren vergeblich gegen die Flüchtlingslager in Calais vor. Im Abkommen von Le Touquet von 2003 hatte sich Frankreich zu schärferen Kontrollen verpflichtet. Im Gegenzug finanziert Großbritannien unter anderem Sperranlagen in Nordfrankreich. Dazu zählt auch eine 2,7 Millionen Euro teure Mauer, die die Flüchtlinge vom Hafen von Calais fernhalten soll. Der Bau hatte am vergangenen Dienstag begonnen.

Von RND/dpa