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Deutschland / Weltweit Seehofer bei Maischberger: Niemand möchte die Kanzlerin stürzen
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06:46 28.06.2018
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Moderatorin Sandra Maischberger. Quelle: dpa
Berlin

Wenn es brenzlig ist und es einiges zu erklären gibt, nutzt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schon einmal die Bühne einer Talkshow. So machte es jetzt, kurz vor dem mutmaßlichen Showdown im giftigen Asylstreit der Union am Wochenende, auch Horst Seehofer. In einem 75-Minuten-Solo bei ARD-Gastgeberin Sandra Maischberger gibt sich der Bundesinnenminister und CSU-Chef am Mittwochabend in der Sache hart - signalisiert aber Verständigungsbereitschaft. „Vielleicht löst sich das schon am Sonntag total positiv auf.“ Aber wie? Das bleibt offen.

Ein TV-Interview in einem solchen Format hat Seehofer seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gegeben, wie es bei der CSU heißt - es müssen also besondere Zeiten sein. Nun müht sich der CSU-Chef, den Eindruck eines zerrütteten Verhältnisses mit Merkel zu zerstreuen. Seit fast 30 Jahren arbeite man in verschiedenen Funktionen zusammen. „Da darf einmal drei, vier Mal eine ernstere Diskussion stattfinden - aber wir haben immer wieder zur Normalität gefunden.“ Er empfinde nicht, „dass wir uns nicht mögen, dass wir Abneigung hätten. Wir haben schon sehr, sehr herzliche Momente auch miteinander erlebt.“ Und humorvolle auch.

Von seinem heiklen Plan, in anderen EU-Ländern registrierte Asylbewerber an der deutschen Grenze abzuweisen, rückt Seehofer nicht ab. Er wünsche sich, dass Merkel eine europäische Lösung zustande bringe - aber andernfalls sei er auch zu einem nationalen Alleingang bereit, den Merkel ablehnt.

„Eine echte Glaubwürdigkeitsproblematik“

Dabei macht Seehofer klar, dass ihn als Chef einer Koalitionspartei auch Drohungen mit der Richtlinienkompetenz nicht treffen könnten. Wenn er nun im Ministeramt nicht durchsetze, was er den Bürgern seit langem verspreche, hätte er „eine echte Glaubwürdigkeitsproblematik“.

Auf Spekulationen über ein Platzen der Regierung oder einen Bruch der Unionsgemeinschaft will sich Seehofer nicht einlassen. Er lehne es ab, „den dritten, vierten Schritt zu beschreiben als Möglichkeit, obwohl wir noch vorher zwei wichtige Schritte zu gehen haben.“

Seehofer betonte, er kenne niemanden in seiner Partei, der die Regierung in Berlin gefährden, der die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auflösen oder die Kanzlerin stürzen wolle. „Das ist überhaupt nicht das Anliegen. Das Anliegen ist, eine Migrationspolitik für die Zukunft zu formulieren, wo wir der Bevölkerung sagen können ’Wir haben die Sache jetzt im Griff’“, sagte Seehofer.

Am Ende kommt das Gespräch mit dem bald 69-Jährigen, der am Mittwoch Geburtstag hat, noch aufs Thema Ruhestand. Den Fehler, von Rückzug zu reden, mache er nicht noch mal, sagt der Ex-Ministerpräsident. „Wenn ich aufhöre, dann muss das nach einer Fallbeilmethode stattfinden: sagen und aufhören.“ Ob er ausschließen könne, dass es sein letztes großes Interview als Innenminister sei, will Maischberger wissen. Seehofer sagt, auf solche Ausschlussfragen werde er für den Rest seiner politischen Tage nicht mehr antworten - „und es können noch viele sein, aber auch sehr wenige“.

Von RND/dpa/are