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Deutschland / Weltweit Kolumbien stimmt gegen den Frieden
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08:16 03.10.2016
Weinen bittere Tränen: Die Kolumbianer, die sich Hoffnung auf Frieden in ihrem Land gemacht haben. Quelle: afp
Bogotá

Das kommt überraschend. Die Kolumbianer haben sich gegen das Friedensabkommen zwischen der Regierung und der linken Guerillaorganisation Farc ausgesprochen. Bei dem Referendum am Sonntag stimmten 50,21 Prozent gegen den Vertrag, teilte die Wahlbehörde nach der Auszählung fast aller Stimmen mit. 49,78 Prozent votierten für das Abkommen. Alle Umfragen waren zuvor von einer Bestätigung des Abkommens ausgegangen. Am Ende machen rund 60.000 Stimmen den Unterschied.

Kann das Ergebnis nicht fassen: Rebellenchef Rodrigo Londoño alias „Timochenko“. Quelle: imago

Wobei: Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 37,43 Prozent. Generell gehen in Kolumbien nicht viele Menschen zu Wahlen und Abstimmungen. Heftiger Regen und Sturmböen wegen des Hurrikans „Matthew“ der Karibik haben die Beteiligung weiter gedrückt.

Ergebnis beweist tiefe Spaltung des Landes

Die Gegner des Vertrags jubelten, als sich das Nein abzeichnete. Befürworter des Abkommen hingegen brachen in der Hauptstadt Bogotá in Tränen aus. Das äußerst knappe Ergebnis zeigte auch, wie tief gespalten die kolumbianische Gesellschaft nach über 50 Jahren des internen Konflikts ist.

Hat mit seiner Kampagne Erfolg gehabt: Ex-Präsident Uribe. Quelle: dpa

Wie soll nun der kolumbianische Friedensprozess fortgesetzt werden? Die Regierung und die Farc-Rebellen hatten den Vertrag nach knapp vierjährigen Verhandlungen am vergangenen Montag unterzeichnet. Er sollte den ältesten bewaffneten Konflikt Lateinamerikas mit mehr als 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen beilegen.

Präsident kündigt weitere Friedensbemühungen an

„Ich gebe nicht auf. Ich werde mich bis zum letzten Tag meiner Amtszeit um den Frieden bemühen“, sagte Präsident Juan Manuel Santos.

Die Farc zeigten sich von dem Abstimmungsergebnis enttäuscht. Eine Rückkehr zum bewaffneten Kampf schlossen die Rebellen zunächst allerdings aus. „Die Farc halten an ihrer Bereitschaft zum Frieden fest und unterstreichen ihren Willen, nur noch Worte als Waffen zum Aufbau der Zukunft zu nutzen“, sagte Farc-Kommandeur Rodrigo Londoño alias „Timochenko“.

Streit mit Vorgänger Uribe eskaliert

Politisch ist die Ablehnung ein harter Rückschlag für Staatschef Santos. Er hatte den Friedensprozess mit den Farc in das Zentrum seiner Präsidentschaft gestellt und offensiv für das Abkommen geworben. Wegen der Friedensverhandlungen hatte er sich auch mit seinem Vorgänger und Ziehvater Álvaro Uribe überworfen.

Will weiter kämpfen: Quelle: imago

Der Vertrag sieht eine Landreform und neue Ansätze zur Bekämpfung des Drogenhandels vor. Die Farc wollten künftig mit politischen Mitteln für ihre Ziele eintreten. Die Rebellen sollten in den kommenden zwei Wahlperioden zehn Abgeordnetenmandate garantiert bekommen. Zudem wären selbst schwerste Verbrechen nur mit maximal acht Jahren Haft geahndet worden.

„Alle wollen Frieden, keiner will Gewalt“

Die Gegner des Abkommens hatten vor allem die relativ milden Strafen für die Guerilleros kritisiert. Trotz seines Triumphs zeigte sich Ex-Präsident Uribe, der für die Ablehnung des Vertrag geworben hatte, versöhnlich. „Alle wollen Frieden, keiner will Gewalt“, sagte er. Mit seiner rechten Partei Centro Democrático wolle er zu einem „nationalen Pakt für den Frieden“ beitragen.

Von RND/dpa/afp

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