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Deutschland / Weltweit Eine Chance für den Osten
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18:09 26.10.2018
1993 besetzten 700 Betriebsangehörige das Kaliwerk Bischofferode in Thüringen. Die Treuhand hatte die Schließung der Grube empfohlen. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Berlin

Heike Drechsler ließ ihre Vergangenheit keine Ruhe. Und man versteht das nur zu gut. Schließlich soll die 53-jährige Leichtathletin und Olympia-Siegerin zu DDR-Zeiten Inoffizielle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen sein. Um den Vorwurf zu entkräften, beauftragte sie also den Stasi-Forscher Helmut Müller-Enbergs mit einem Gutachten – fast 30 Jahre später! Der kam zu dem Ergebnis, dass Drechsler tatsächlich kein IM war. Der Fall Drechsler ist symptomatisch. Denn er ist ein Stein in einem ganzen Mosaik höchst aktueller Ost-Themen.

Über 25 Jahre lang wurde die Post-DDR-Geschichte ja linear erzählt. Der Osten galt als ein Gebiet, das sich – je länger, desto besser – dem Westen angleichen würde. Als wäre die Einheit ein Fünf-Jahr-Plan. Die Nach-Chemnitz-Debatte beweist nun erneut, dass Ost und West eher wieder auseinanderdriften. Neu ist, dass nicht mehr über ein allgemeines ostdeutsches Unwohlsein räsoniert wird, sondern über sehr bestimmte Sachverhalte. Der SPD-Ostbeauftragte Martin Dulig hat eine Versöhnungskommission ins Gespräch gebracht, um die von der Treuhandanstalt geschlagenen Wunden zu heilen. In Brandenburg mahnt Frauke Hildebrandt, Tochter von Regine Hildebrandt, eine bundesweite Ostquote für Führungspositionen an. Die Konflikte in der SED-Opferszene um die Gedenkstätte Hohenschönhausen belegen, dass die DDR-Aufarbeitung keineswegs abgeschlossen ist.

Den Westdeutschen wird vor Augen geführt, dass die Erzählung von der seligen Einheit zu guten Teilen Kitsch war. Sie sind eingeladen, fortan genau hinzusehen. Die neue Lage ermöglicht es überdies, zu den Sachen zu sprechen, statt der AfD einen diffusen Frust zur politischen Ausbeutung zu überlassen. So ist die fehlende Repräsentanz Ostdeutscher in den ost- wie den gesamtdeutschen Eliten eine ernsthafte Debatte wert. Man wird das Problem über eine Quote nicht lösen können – schon weil sich kaum noch juristisch sauber trennen lässt, wer eigentlich noch als Ost- und als Westdeutscher zu gelten hat. Doch dass Wirtschaft, Verwaltung und Justiz sogar im Osten westdeutsch dominiert sind, bleibt heikel.

Selbstredend gärt die vielfache Entwertung von ostdeutschen Lebensläufen all jener, die beim Mauerfall älter als 30 waren, ebenfalls noch in den Köpfen von Millionen. Die Treuhand ist ein Symbol dafür. Und wenn man den Wahlspruch des seltsam still gewordenen Stasi-Unterlagenbeauftragten Roland Jahn „Je besser wir Diktatur begreifen, umso besser können wir Demokratie gestalten“ in Beziehung setzt zu dem Umstand, dass sich in den letzten Jahren Hunderttausende Ostdeutsche von der Demokratie abgewandt haben: Stimmt dann der Spruch nicht? Gab es zu wenig Aufarbeitung? Oder die falsche?

Über all das kann man reden – offen, konkret und konstruktiv. Man kann nicht nur. Man sollte auch.

Von Markus Decker/RND

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