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Deutschland / Weltweit Willkommen in der Trump-Ära
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14:31 12.06.2018
„Ich bin der Boss“: US-Präsident Donald Trump während seiner Pressekonferenz zum Abschluss des Gipfels in Singapur. Quelle: imago
Hannover

Tatsächlich ist es für Trump ein Leichtes, sich als Sieger zu präsentieren. Die früheren Sechser-Runden, mit denen der Diktator in Pjöngjang zur Räson gebracht werden sollte, verliefen schleppend – und am Ende stand ein hochgerüstetes Nordkorea, das allem Anschein nach über gewisse Techniken der Atomwaffen verfügt und die Nachbarländer mit seinen Raketentests in Angst und Schrecken versetzte.

Amerikaner, Chinesen, Russen, Japaner, Südkoreaner und Nordkoreaner saßen über Jahre an einem Tisch, und dennoch wurden außerhalb der Verhandlungsrunden so manche unsauberen Absprachen getroffen.

Trump dagegen sucht den unmittelbaren Show-down mit dem Kontrahenten. Seine Strategie geht – zumindest vorerst – auf: Der junge Machthaber aus Pjöngjang erkennt die Chancen, die ihm der unkonventionelle US-Präsident eröffnet und sonnt sich im Blitzlichtgewitter der Weltpresse. Kim Jong Un kann eine enorme diplomatische Aufwertung und eine Stabilisierung seiner Macht für sich verbuchen. Angesichts der Bilder eines freundlich lächelnden jungen Mannes, der begeistert durch die Partymeile von Singapur schlendert, gerät es fast zur unbeachteten Fußnote, dass seine Heimat einem menschenverachtenden Arbeitslager gleicht. Trump kommt nur am Rande auf das schreiende Unrecht und die grassierende Not in dem abgeschotteten Land zu sprechen. Auch erweist sich Kim Jong Un einmal mehr als geschickter Verhandler, da er keine konkreten Zugeständnisse abgegeben hat.

Sicherlich: Die Unverbindlichkeit in der Abschlusserklärung stand zu erwarten und sollte den Beteiligten nicht zum Vorwurf gemacht werden. Die enorme Bedeutung des Treffens liegt bereits in dem ersten hoffnungsvollen Schritt in Richtung Frieden. Das Aufatmen über die erste Stufe der Deeskalation ist in Südkorea und Japan entsprechend groß.

Und doch ist der Schaden für die Weltordnung enorm. Das Treffen von Singapur reiht sich ein in eine Serie von Ereignissen, die die internationalen Organisationen schwächt und zeigt, wie wenig sich der freie Westen zurzeit als Wertegemeinschaft versteht. Ohne mit der Wimper zu zucken, setzt Trump in seiner abschließenden Pressekonferenz seine Schimpftiraden auf den kanadischen Premierminister Justin Trudeau und auf die Europäische Union fort – um im nächsten Augenblick den Machthaber aus Pjöngjang in höchsten Tönen zu loben.

Auf den ersten Blick wirken Trumps Auftritte geradezu irrlichternd, da er alle Themen wild miteinander vermengt und in einem Atemzug von Handelsbilanzen und Atomwaffen spricht. Hinter dem vermeintlichen Chaos steckt jedoch System: Der US-Präsident demonstriert auf offener Bühne das Recht des Stärkeren und verachtet ein regelbasiertes Miteinander. Jetzt liegt es an den Verbündeten, dem wilden Treiben des eigenen Partners Grenzen zu setzen.

Von Stefan Koch/RND

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