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Präsident verscherzt es sich mit Soldaten-Familien

Neues von Trump Präsident verscherzt es sich mit Soldaten-Familien

Behinderte, Frauen, gebürtige Mexikaner – der US-Präsident hat schon ungezählte Landsleute beleidigt und diffamiert. Nun aber erreichen seine Unanständigkeiten eine Bevölkerungsgruppe, die vielen Amerikanern als unantastbar gilt: die Hinterbliebenen gefallener Soldaten.

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Meister der Fettnäpfchen: US-Präsident Donald Trump.

Quelle: dpa

Washington. Einen Mangel an großen Themen gibt es in der amerikanischen Politik zurzeit sicherlich nicht. Doch trotz der Streitigkeiten um die Gesundheits- und Steuerreform, um die Einwanderungs- und Umweltgesetze und nicht zuletzt um die krisenhaften Beziehungen zu Nordkorea und Iran drehen sich die Debatten in diesen Tagen in der US-Hauptstadt eher um eine moralische Frage: Darf ein Politiker das Weiße Haus führen, der jegliche Umgangsformen gegenüber Familien ignoriert, die einen Angehörigen im Anti-Terror-Kampf verloren haben?

Laut Umfragen diverser Meinungsforschungsinstitute genießt das Militär in den USA das höchste Ansehen. Ganz gleich, wo sich die Amerikaner politisch verorten, ob sie religiös sind oder nicht, ob sie zur jüngeren oder älteren Generation zählen – die breite Mehrheit respektiert die Soldaten und ehrt sie selbst im Alltag. Auch Donald Trump streicht seine Nähe zu den Uniformierten gern heraus und heuerte gleich mehrere frühere Generäle für hochkarätige Regierungsaufgaben an. Umso mehr erstaunt seine offensichtliche Unfähigkeit, im Umgang mit Hinterbliebenen die richtige Tonlage zu finden.

Für Aufsehen sorgt in dieser Woche vor allem ein Telefonat, dass er mit der Witwe eines im Niger gefallenen Unteroffiziers führte. Trump sagte, dass der Soldat zu Beginn seiner Armeezeit ja gewusst habe, worauf er sich einlässt. Aber wahrscheinlich schmerze der Verlust dennoch.

Trump bestreitet seine Äußerungen – das seien „fake news“

Als der Präsident die Hinterbliebenen erreichte, saß die Witwe gerade mit ihrer Tante und der Abgeordneten Frederica Wilson im Auto. Beide Frauen konnten das Gespräch mithören, da der Lautsprecher eingeschaltet war. Trump bestreitet mittlerweile, dass diese Bemerkungen gefallen sei. Alles sei eine Erfindung – „fake news“. Laut „Washington Post“ bestätigen jedoch alle Personen, die im Auto saßen, die Unterhaltung.

Die misslungene Kondolenz ist offenbar kein Einzelfall. Bereits vor mehreren Wochen hatte der Präsident mit dem Vater eines Soldaten telefoniert, der im Frühsommer in Afghanistan gefallen war. Bei der Gelegenheit beklagte sich der Vater über die geringe Hinterbliebenenzahlung des Militärs, woraufhin Trump ihm spontan zusagte, aus seinem privaten Vermögen einen Scheck in Höhe von 25.000 Dollar zu schicken. Das Problem: Der Scheck kam nie an. Erst als der Fall publik wurde, versicherte das Weiße Haus, dass der Scheck auf dem Weg sei.

Trump verleumdet Barack Obama

Die Debatte um den richtigen Umgang mit Hinterbliebenen begann vor wenigen Tagen in typischer Trump-Manier: Bei einer Pressekonferenz am Weißen Haus wurde der „Commander in Chief“ nach dem Zwischenfall in Niger gefragt, bei dem vier US-Soldaten getötet wurden. Der 71-Jährige antwortete eher ausweichend – um dann seinen Vorgänger Barack Obama zu kritisieren, der sich nur selten bei den Hinterbliebenen der Gefallenen gemeldet hätte. Er, Trump, würde sich dagegen bei jeder einzelnen Familie melden, die einen Angehörigen im Militärdienst verloren hat.

Mit dem dreisten Vorwurf wollte Trump offenbar davon ablenken, dass der Angriff in Niger bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist und eine Reihe von Fragen im Kongress nach sich zieht. Trumps Randbemerkung führte allerdings nur Stunden später zu einem Sturm der Entrüstung: Nicht nur Obamas Sprecher wies die Behauptung empört zurück, auch mehrere betroffene Familien meldeten sich zur Wort, die bis heute auf einen Anruf aus der Regierungszentrale warten – obwohl der Tod ihres Angehörigen schon Monate zurückliegt.

Umgang mit Army-Familien kostet Trump viele Sympathien

Zu allem Unglück zieht Trump auch noch seinen Stabschef John Kelly mit in die Misere: Der Sohn des früheren Generals war ebenfalls Soldat und kam 2010 bei einer Patrouillenfahrt in Afghanistan ums Leben. Der Präsident deutete kürzlich gegenüber dem Fox News-Journalisten Brian Kilmeade an, dass Obama dem General nicht kondoliert habe. Kelly war in der Öffentlichkeit bisher äußerst zurückhaltend mit der Tragödie umgegangen. Ob ihm der damalige Präsident persönlich kondolierte, ist nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass Kelly als Privatmann damals an einer Veranstaltung im Weißen Haus teilnahm, bei der der Gefallenen gedacht wurde.

Unter republikanischen Kongressabgeordneten war am Donnerstag zu hören, dass der Streit um den richtigen Umgang mit den sogenannten Gold Star Families das Verhältnis zwischen Trump und seinen Anhängern stärker belaste als alle bisherigen politischen Auseinandersetzungen.

Von Stefan Koch/RND

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