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Deutschland / Weltweit Schlechte Noten im Diktat
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19:18 31.07.2018
Mündlichen Kompetenzen kommt in der Schule immer mehr Bedeutung zu. Quelle: Foto: Dpa
Berlin

Eine große Rolle spielt die Orthografie nach wie vor im Schulalltag. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU), findet, Schüler müssten wieder besser schreiben lernen: „Rechtschreibung ist eine zentrale Voraussetzung für den Bildungs- und Berufserfolg eines jeden Menschen. Ich finde es besorgniserregend, dass 22 Prozent der Viertklässler und 14 Prozent der Neuntklässler den Mindeststandard in diesem Kompetenzfeld nicht erfüllen.“

Die Sprachwissenschaftlerin Sabine Krome aus der Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung macht dafür auch gesellschaftliche Faktoren wie Digitalisierung und nachlassendes Leseinteresse verantwortlich. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion, sieht die Ursachen im Schulunterricht. „In letzter Zeit hat man die mündlichen Kompetenzen stärker gewichtet“, sagt sie. So könnten Schüler heute problemlos einen Vortrag halten, dafür sei das Schreiben ins Hintertreffen geraten. „Manche Bundesländer, wie Baden-Württemberg, machen schon wieder einen Schritt in die andere Richtung, indem sie sich einen Rechtschreibrahmen verordnen, um die Schriftsprache im Unterricht wieder mehr zu gewichten.“

Der Linguist Peter Eisenberg macht für die schlechte Orthografie der Schüler auch die Rechtschreibreform verantwortlich. „Das riesige Regelwerk versteht kein Mensch, es hat nur Verwirrung gestiftet“, sagt der emeritierte Professor der Uni Potsdam, der 2013 aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung ausgetreten ist. Er sorgt sich insbesondere um eine sprunghafte Zunahme der Rechtschreibfehler – nach mehreren Untersuchungen um 30 Prozent bei Schülern, wie er sagt.

Stefan Düll, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und Gymnasiallehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte, will sich dem Kulturpessimismus nicht anschließen. „Ob die Rechtschreibkompetenz nicht auch ohne Reform abgenommen hätte, weiß niemand zu sagen. Wir haben ja keine Vergleichsgruppe, die weiterhin nach der alten Rechtschreibung lernt“, argumentiert er.

Eine neue Reform soll es zumindest erst einmal nicht geben, versichert der Präsident der Kultusministerkonferenz und Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport, Helmut Holter (Linke). „Auf der einen Seite war es vor 20 Jahren an der Zeit, bestimmte Rechtschreibregeln auf den Prüfstand zu stellen. Auf der anderen Seite haben die öffentliche Reaktion und anschließenden Korrekturen auch gezeigt, dass ein solches Vorhaben so schnell nicht wieder angefasst werden sollte.“

Von Frederike Müller und Thoralf Cleven

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