Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regen

Navigation:
„Situation bei den Lehrkräften noch nie so angespannt wie jetzt“

GEW fordert Milliarden-Investitionen „Situation bei den Lehrkräften noch nie so angespannt wie jetzt“

Zusätzliche Milliarden für Bildung – das fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft von der neuen Bundesregierung. Warum die Investitionen so wichtig sind, erklärt die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Voriger Artikel
Madrid will Regionalregierung entmachten
Nächster Artikel
Pahor muss zur Stichwahl antreten

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe.

Quelle: dpa

Berlin. Die meisten EU-Länder investierten weitaus mehr in Universitäten, Schulen und Kitas als Deutschland, moniert die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe – und warnt im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor Konsequenzen.

Frau Tepe, derzeit wird die Bundesregierung neu gebildet. Welche politische Konstellation wäre Ihnen als Gewerkschaftsvorsitzende am liebsten?

Alle Parteien versprechen ja, in Bildung zu investieren. Die Frage ist nur, was sie davon tatsächlich umsetzen. Auf jeden Fall brauchen wir viel mehr Geld, um das Recht auf Bildung für alle Menschen zu verwirklichen. Dafür muss das Kooperationsverbot, heißt, dass der Bund kaum Einfluss auf die Schulpolitik der Länder hat, endlich komplett fallen, egal wie die Regierung künftig aussieht.

Was heißt mehr Geld?

Bei den Bildungsausgaben gehört Deutschland zu den Schlusslichtern Europas. Die meisten EU-Länder investieren weitaus mehr in Universitäten, Schulen und Kitas. Hierzulande sind es 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der OECD-Durchschnitt liegt bei 5,2 Prozent. Allein um dorthin zu kommen, bräuchten wir 26 Milliarden Euro mehr – pro Jahr. Wollen wir zu den fünf besten OECD-Ländern aufschließen, wären 50 Milliarden per anno zusätzlich nötig.

Angesichts von Überlegungen etwa seitens der FDP, die Steuern zu senken, klingt die Summe unrealistisch …

Das mag den Anschein haben. Doch wir brauchen dringend einen Kurswechsel in der Steuerpolitik. Ohne Investitionen gibt es einen bildungspolitischen Zusammenbruch.

Käme es Ihnen entgegen, wenn das Bildungsministerium von den Grünen, die viel Geld für das Thema versprechen, besetzt werden würde?

Natürlich ist die Besetzung des Bildungsministeriums sehr wichtig, wir brauchen aber ebenso einen sehr guten Draht ins Finanzministerium. Tatsächlich haben wir zu den Grünen gute Kontakte.

Was, wenn Sie nicht gehört werden?

Dann braut sich etwas zusammen, die Politik kann sich da auf einiges gefasst machen. Auch Eltern und Wirtschaft werden dann wohl sehr deutlich gegen den Bildungsnotstand protestieren.

Wofür muss am dringendsten Geld ausgegeben werden?

Ohne große Gesetzesänderungen müssen die maroden Schul- und Universitätsgebäude saniert und es muss in Neubauten investiert werden. Der exorbitante Fachkräftemangel insbesondere an Schulen und in Kitas ist ein drängendes Problem. Wichtig sind die Umsetzung der Inklusion und die Integration von Flüchtlingskindern. An den Hochschulen müssen das Befristungsunwesen eingedämmt und 50.000 Dauerstellen für Daueraufgaben geschaffen werden. In die allgemeine Weiterbildung muss endlich ein Prozent des Bildungsbudgets der Länder fließen.

Und man braucht Lehrer.

Ja, die Personalsituation bei den Lehrkräften war noch nie so angespannt wie jetzt, die Last der Kollegien in den Schulen steigt stetig. Der Beruf muss wieder attraktiver werden. Dazu gehören eine gleiche Bezahlung für alle voll ausgebildeten Lehrkräfte, egal ob jemand am Gymnasium oder an der Grundschule unterrichtet. Der Lehrermangel ist insbesondere in den Grundschulen sehr dramatisch. Dabei kommt es auf den Anfang des Lernprozesses der Kinder besonders an.

Von Heike Manssen/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Deutschland / Weltweit
24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr