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Deutschland / Weltweit Trump unter militärischer Aufsicht
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14:26 20.08.2017
US-Präsident Donald Trump und die Militärs. Quelle: dpa (Archiv)
Washington

Steve Bannon, der vermeintliche „Darth Vader“ des Weißen Hauses, hatte wohl ein anderes Ende seiner politischen Karriere erwartet. Ausgerechnet der Stratege, der das Establishment in der US-Hauptstadt entmachten und Amerika zu alter Stärker zurückführen wollte, musste in den vergangenen Wochen erleben, wie ihm ausgerechnet aus der patriotischen Ecke der Widerstand entgegentrat. Die Militärs, die so manches Mal als konservativ und rückwärtsgewandt beschrieben werden, zeigten sich erstaunlich prinzipienfest, als der selbsternannte Leninist Amerika aus seinen jahrzehntelangen Verpflichtungen herausführen wollte. Herbert Raymond McMaster, Vier-Sterne-General und oberster Sicherheitsberater, ging bereits vor Wochen auf Distanz zu dem Querkopf. Als McMaster in einem Interview dreimal gefragt wurde, ob er gut mit Bannon zusammenarbeite, wich er dreimal aus. Mehr noch: Auf McMasters Drängen hin wurde der Stratege aus dem engsten Kreis der Sicherheitsberater entfernt. Der Mann, der das Ohr des Präsidenten besaß, fand sich über Nacht in der zweiten Reihe wieder.

Bannons nationalistischer und protektionistischer Kurs stieß ausgerechnet bei hochdekorierten Vaterlandsverteidigern auf wenig Verständnis.

Ähnliche Erfahrungen machte in der vergangenen Woche auch der oberste Befehlshaber. Als Trump angesichts der Gewalt in Charlottesville Neonazis mit Menschen gleichsetzte, die gegen den erschreckenden Aufmarsch demonstrierten, duckten sich die Untergebenen in Uniform nicht weg. Trumps umstrittenen Twitter-Botschaften widersprechen sie auf der gleichen Plattform – und für jedermann sichtbar. So schreibt General Robert Neller: „Im Militär gibt es keinen Platz für Rassenhass und Extremismus. Unsere Werte basieren auf Ehre, Courage und Gemeinschaft.“ Und Admiral John Richardson ergänzt – ebenfalls auf Twitter: „Die Ereignisse in Charlottesville sind nicht akzeptabel. Die US-Navy stemmt sich gegen Intoleranz und Hass.“

„Rassentrennung“ in der Armee früher gefallen als außerhalb

Neller und Richardson sind keineswegs die einzigen hochrangigen Offiziere, die sich deutlich von Trump absetzen. Bis zum Wochenende fanden sich bei Twitter fast ein Dutzend Generäle und Admiräle, die sich demonstrativ von Trump absetzen und deutliche Worte gegen das Sammelbecken von Neonazis, Rechtsextremen und Neo-Konföderierten finden.

Ein eindrucksvoller Protest, der in Washington aufmerksam beobachtet wird – zumal die Armee überproportional stark in den früheren Südstaaten vertreten ist und diverse Kasernen und Militärgelände nach Befehlshabern der Konföderierten benannt sind, die im Bürgerkrieg für die Beibehaltung der Sklaverei kämpften.

Politiker, die mit dem amerikanischen Militärleben vertraut sind, verweisen dagegen auf einen anderen Aspekt: „In den Kasernen fiel die Rassentrennung zwei Jahrzehnte früher als außerhalb“, erinnert sich Senator John McCain. In den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren konnten Afroamerikaner in der Armee die Karriereleiter schneller aufsteigen als in der freien Wirtschaft im Süden Amerikas.

Entscheidend in der Armee sei eben nur die Leistung und nicht die Hautfarbe oder die sexuelle Orientierung der Soldaten.

„If you break it, you own it“

Dass Trump beispielsweise Transgendern den freiwilligen Dienst in Uniform verweigern will, stößt sowohl bei dem langjährigen Senator und Kriegsveteran auf Empörung als auch bei unzähligen aktiven Offizieren.

Die Widersprüchlichkeit im Verhältnis zwischen Trump und seinen Offizieren wird denn auch immer offensichtlicher. Einerseits bedient sich der frühere Geschäftsmann gern der martialischen Sprache – als er zum Beispiel der nordkoreanischen Führung drohte, Amerikas Waffen seien geladen und entsichert. Andererseits stößt seine America-First-Agenda gerade bei den Regierungsmitarbeitern auf hartnäckigen Widerstand, die früher Uniform trugen. So hebt Pentagonchef James Mattis bei seinen Europabesuchen regelmäßig die Bedeutung des transatlantischen Bündnisses hervor und betont, wie stark das Fundament der gemeinsamen Werte sei. Und ebenso wie Mattis halten auch Kelly und McMaster wenig davon, sich überstürzt aus Krisengebieten wie Afghanistan zurückzuziehen. Kelly, dessen Sohn Robert 2010 am Hindukusch getötet wurde, spricht eher von der Verantwortung, die die USA in Afghanistan und im Irak eingegangen seien. Hin und wieder erinnern sie auch an den früheren General Colin Powell, der zu Zeiten der Präsidentschaft von George W. Bush die mahnenden Worte sprach: „If you break it, you own it.“ Sinngemäß meinte der frühere Sicherheitsberater: Wer ein Land erobert, muss es auch wieder aufbauen.

Von Stefan Koch/RND

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