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Deutschland / Weltweit Deutschtürken fühlen sich übergangen
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16:02 09.06.2016
"Der fast einstimmige Beschluss zur Armenien-Resolution missachtet die Meinung der Türkeistämmigen in Deutschland", sagt Gökay Sofuoglu. Quelle: Gregor Fischer
Berlin

„Der fast einstimmige Beschluss zur Armenien-Resolution missachtet die Meinung der Türkeistämmigen in Deutschland“, sagt ihr Vorsitzender Gökay Sofuoglu dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem die HAZ gehört. „80 Prozent der Deutschtürken sind gegen die Armenien-Resolution und fordern statt einer Verurteilung eine kritische historische Aufarbeitung der Geschehnisse vor 100 Jahren.“

Nach dem Versagen des Staates bei der Aufklärung der NSU-Morde liefere die Armenien-Resolution einen weiteren Anlass zu Misstrauen gegenüber Politik und Behörden in Deutschland. „Bei vielen Deutschtürken herrscht die Meinung vor: Die Deutschen wollen uns zeigen, dass wir Enkel von Mördern sind“, sagte Sofuoglu. Besonders groß sei die Enttäuschung darüber, dass kein türkeistämmiger Abgeordneter die Resolution, die die im Osmanischen Reich verübten Massaker an den Armeniern als Völkermord einstuft, abgelehnt hat.

Sofuoglu warnt: "Die Resolution birgt viel Konfliktpotenzial."

In der Auseinandersetzung zwischen der türkischen Regierung und deutschen Parlamentariern gerieten die Deutschtürken zunehmend zwischen die Fronten. „Der Streit wird auf dem Rücken der Deutschtürken ausgetragen“, sagte Sofuoglu gegenüber dem RND und warnte vor möglichen Folgen: „Womöglich werden sich bald die Landesregierungen der Armenien-Frage annehmen und sie zum Teil des Geschichtsunterrichts machen wollen. Die Resolution birgt viel Konfliktpotenzial.“

Der Bundestag hatte Anfang Juni mit breiter Mehrheit die lang umstrittene Resolution zur Erinnerung an den Völkermord an den Armeniern verabschiedet. Die Türkei protestiert vehement dagegen. Präsident Erdogan sprach Deutschland mit drastischen Formulierungen das Recht ab, die Türkei des Völkermords zu bezichtigen. Außerdem rückte er Bundestagsabgeordnete wie den Grünen Cem Özdemir in die Nähe der kurdischen Terrororganisation PKK gerückt. Am Mittwoch kündigte die Türkei an, Protestmaßnahmen gegen Deutschland zu ergreifen.

RND

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