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Deutschland / Weltweit Unsere Liberalität mit neuer Härte verteidigen
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Unsere Liberalität mit neuer Härte verteidigen
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22:15 20.12.2016
Trauer nach Anschlag auf Weihnachtsmarkt. Quelle: dpa
Berlin

Woran denkt man beim Blick auf die Gedächtniskirche? Bei ihrem Bau, Ende des 19. Jahrhunderts, ging es ums Andenken an den Kaiser Wilhelm. Mitte des 20. Jahrhunderts, nach den Luftangriffen der Briten, ließ man die Ruine des Hauptturms stehen und schuf ein Mahnmal gegen den Krieg. Jetzt, im Advent 2016, hat die weltbekannte Kirche eine traurige dritte historische Dimension bekommen: Kulisse des Terrors.

Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt markiert einen Einschnitt, auch wenn manche das noch nicht wahrhaben wollen. Zwar zeigten sich schon am nächsten Tag trotzige Hauptstädter gleich wieder bei Rostbratwurst und Glühwein – det is Berlin. Doch Land und Leute sollten einander nichts vormachen. Der Terror, der jahrzehntelang immer nur die anderen Europäer in ihren Hauptstädten getroffen hat – Franzosen, Briten, Spanier –, ist nun endgültig auch bei uns angekommen. Und er entfaltet, weil ein Bundestagswahljahr bevorsteht, besondere Wucht.

Hasstiraden werden gerne weitergegeben

Die Verstärker des Schreckens stehen schon Spalier. „Es sind Merkels Tote“, twitterte der AfD-Politiker Marcus Pretzell am Montag um 21.15 Uhr – als der Tathergang noch ebenso wenig feststand wie die Zahl der Opfer und die Identität des Täters. Hasstiraden dieser Art werden gern aufgegriffen und weitergegeben. Wer denkt derzeit noch daran, dass Frankreich kaum Flüchtlinge aufgenommen hat, aber viel stärker vom Terror heimgesucht wurde?

Bloße Beschwörungsformen der Regierenden helfen indessen auch nicht weiter. Wer immer wieder hört, wie „bestürzt“ Angela Merkel ist, kann irgendwann auf den Gedanken kommen, die Kanzlerin sei in Wahrheit vor allem darüber bestürzt, dass nun ihre Flüchtlingspolitik stärker denn je mit dem Terror verbunden wird.

Es geht nicht allein um mehr Staatsmacht

Politik und Bürger müssen dringend raus aus dem verkniffenen Denken in den Kategorien gegenseitiger Schuldzuweisungen. Schuld am Terror ist nicht die deutsche Partei A oder B. Schuld am Terror sind allein jene, die anderen aus ideologischen oder religiösen Gründen das Lebensrecht absprechen. Gegenüber diesen Drahtziehern, Planern und Hasspredigern müssen wir neue Saiten aufziehen. Unsere Liberalität muss, so paradox es klingt, mit neuer Härte verteidigt werden.

Es geht nicht allein darum, mehr Staatsmacht zu demonstrieren. Es geht um einen intellektuellen Gegenangriff. Die freie Gesellschaft muss das Jämmerliche, das Erbärmliche des Terrors bloßlegen: Wie niedrig muss man sein, dass man Lastwagen in Weihnachtsmärkte fahren lässt? Oder Kindern Bomben in den Rucksack steckt? Niemals werden jene Respekt oder Macht gewinnen, die so etwas tun. Sie können das vergessen. Und sie sollten wissen, dass dieses starke Land nicht in Trauer und Betroffenheit verharren wird.

Von RND/Matthias Koch

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