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Deutschland / Weltweit Ein Waffenexperte rückt an die Pentagon-Spitze
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00:19 05.12.2014
Von Stefan Koch
Ashton Carter (rechts) soll neuer US-Verteidigungsminister werden.  Quelle: Michael Reynolds
Washington

Der 60-Jährige gilt parteiübergreifend als anerkannter Militärexperte.

Regierungsvertreter wollten sich am Dienstag nicht zu der Personalie äußern. Aber mehrere US-Medien melden übereinstimmend, dass es an der Nominierung wohl keine ernsthaften Zweifel gäbe. Carl Levin, einflussreicher Senator und langjähriger Vertrauter des Präsidenten, spricht von einer "erstklassigen Wahl". Und auch der Republikaner John McCain, der 2008 als Präsidentschaftskandidat gegen Obama angetreten war, bezeichnet Carter als eine "seriöse Wahl".
Obwohl der promovierte Physiker nie eine Uniform trug, ist er im Pentagon bestens vernetzt. Zu Beginn der Obama-Ära wurde Carter zum Staatssekretär für Waffentechnik berufen. Anschließend stieg er zum Vize-Verteidigungsminister auf. Und bereits seit fast zwei Jahrzehnten pendelt er zwischen wissenschaftlichen Aufgaben und Regierungsämtern hin und her.

Diese Erfahrung dürfte ihm gerade mit Blick auf die Ukraine-Krise zugute kommen. So war es Anfang der neunziger Jahre Carters Aufgabe, gemeinsam mit russischen Partnern den Abzug der Atomwaffen aus den jungen selbstständigen Staaten Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland zu organisieren. Die Ausarbeitung der Sicherheits- und Souveränitätsgarantien für die Ukraine, dem sogenannten Budapester Memorandum, hatte Carter als US-Gesandter unmittelbar mitverfolgt. Damit war er als junger Regierungsmitarbeiter quasi Augenzeuge, wie der Kreml der Ukraine die Unverletztlichkeit seiner Grenzen zusicherte.

Es dürften aber nicht allein seine zurückliegenden Leistungen sein, die den Militärmanager für den Chefsessel qualifizieren: Als langjähriges Mitglied im "Defense Science Board" besitzt der Wissenschaftler offenbar auch konkrete Vorstellungen davon, wie die Kriegsführung in den kommenden Jahren aussehen könnte. Vor allem in der Raketen- und Robotertechnik soll er sich bis ins Detail auskennen.

Die zunächst quälende Kandidatensuche könnte mit Carters Nominierung ein zügiges Ende finden. Mehrere Beobachter waren zunächst davon ausgegangen, dass die Verteidigungsexpertin Michèle Flournoy den Zuschlag erhält. Doch die frühere Pentagon-Mitarbeiterin sagte ebenso ab wie der demokratische Senator Jack Reed. Carter stand dagegen von Beginn an parat: Wie es in Washington heißt, soll er sich schon 2013, nach dem Rücktritt des damaligen Verteidigungsministers Leon Panetta Hoffnung auf den hochkarätigen Job gemacht haben. Da seine Erwartungen - zunächst - enttäuscht wurden, unterrichtete er zeitweise an der renommierten Stanford-Universität in Kalifornien.
Ob Carter seine Aufgaben besser gelingen als seinem Vorgänger? Dank seines engen Netzwerkes stehen seine Chancen nicht schlecht. Dagegen pflegte Chuck Hagel zwar seit vielen Jahren einen engen persönlichen Kontakt zum "Commander in Chief". Doch am innersten Machtzirkel im Weißen Haus nahm der frühere republikanische Senator offenbar nicht teil. Vielmehr soll der Minister in jüngster Zeit massive Kritik an der Syrien-Strategie geübt haben. Wie es heißt, soll Hagel unter anderem in einem internen Vermerk bemängelt haben, dass Obama keine klare Haltung gegenüber dem syrischen Diktator Baschar al-Assad zeige. Wie sich der neue Pentagon-Chef zur schwierigen Lage im Nahen Osten verhält, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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