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Deutschland / Weltweit Warum Andreas Ritzenhoff sich als Nachfolger von CDU-Chefin Merkel sieht
Nachrichten Politik Deutschland / Weltweit Warum Andreas Ritzenhoff sich als Nachfolger von CDU-Chefin Merkel sieht
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08:00 31.10.2018
Der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff will CDU-Vorsitzender werden. Quelle: Arne Immanuel Bänsch/dpa
Berlin

Er ist ein Überraschungskandidat, mit dem keiner in der CDU gerechnet hat. Schon vor einigen Wochen hat der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff angekündigt, sich auf dem CDU-Parteitag als Parteivorsitzender zu bewerben. Daran hält er fest – er geht davon aus, dass er auch den prominenten Konkurrenten einiges entgegensetzen kann. 

Herr Ritzenhoff, Angela Merkel hat ihren Rückzug vom Parteivorsitz angekündigt. Mehrere Spitzenpolitiker haben ihre Kandidatur angekündigt. Sie haben das schon vor ein paar Wochen getan. Was ändert sich für Sie?

Für mich ändert sich nichts. Ich bewerbe mich um den Parteivorsitz, weil ich politische Ziele habe, die ich umsetzen möchte. Die haben sich ja jetzt nicht plötzlich geändert.  

Sie fordern eine Urwahl des Parteivorsitzenden. Warum?

Wir brauchen eine neue Diskussionskultur. Und womit könnte man besser anfangen als mit einer Urwahl? Das ist gelebte Demokratie, da kann die Partei beweisen, dass sie es wirklich ernst meint.

Sie konkurrieren als neues, relativ unbekanntes Parteimitglied auf dem CDU-Parteitag im Dezember dann mit der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und mit Gesundheitsminister Jens Spahn, möglicherweise auch mit dem ehemaligen Unions-Fraktionschef Friedrich Merz. Womit wollen Sie für sich werben?

Ich weiß, wofür ich stehe. Weder von Frau Kramp-Karrenbauer, noch von Herrn Spahn oder von Herrn Merz ist bislang eine Programmatik bekannt. Und Herr Spahn und Frau Kramp-Karrenbauer gehören zum Establishment der CDU. Wenn sie andere Ideen hätten, hätten sie ja damit vorher mal rauskommen können. Im Moment stehen sie für das, was Merkel auch gemacht hat. 

Und wofür stehen Sie?

Erstens will ich, dass wir in Europa Gas geben und die europäische Einigung vorantreiben. Ich bedauere, dass wir keine europäische Regierung haben. Das ist ein echtes Versäumnis. Europa ist nicht nur ein Friedensprojekt, sondern mittlerweile auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Nur gemeinsam können wir unsere Werte, unsere Vorstellungen von Freiheit und Menschenrechten und fairem Handel durchsetzen. 

Da klingen Sie wie Angela Merkel. 

Nein, wir unterscheiden uns deutlich. Angela Merkel hat gesagt, sie stehe mit den Chinesen für den freien Weltmarkt. Das nimmt sie zu locker. Wir müssen verhindern, dass chinesische Staatsunternehmen fast unkontrolliert deutsche Firmen aufkaufen oder auch mit staatlich subventionierten Dumpingpreisen deutsche Unternehmen aus dem Markt drängen. Es kann auch nicht sein, dass ausländische Investoren unbegrenzt Wohnungen aufkaufen und damit das Leben in den Innenstädten unbezahlbar machen. Ich möchte auch dem Aufkauf von landwirtschaftlichen Flächen Grenzen setzen. Außerdem brauchen wir in Europa eine gemeinsame Industriepolitik.

Was meinen Sie?

Wir müssen zukunftsträchtige Industriezweige nach Europa zurückholen. Die Solartechnik haben wir schon fast verloren, obwohl die Solarenergie einmal die größte Energiequelle für uns sein wird. Das geht nicht, das können wir nicht China überlassen.

Wie soll das gehen? Durch Subventionen oder Schutzzölle?

Ich habe noch keinen Apparat, um die konkreten Maßnahmen zu erarbeiten. Ich formuliere erstmal die Ziele. Aber ich weiß, wo ich hinwill. Andere Punkte sind: Schluss mit dem Chaos in der Migrationspolitik, mehr Tierschutz. Das Kükenschreddern muss aufhören. Auch ist ein entschlossenerer Klimaschutz wichtig, wenn wir wollen, dass der Klimawandel unsere anderen Zukunftsideen nicht obsolet macht.

Gegen Sie wird aus der CDU ins Feld geführt, dass Sie erst einige Monate Parteimitglied sind.

Ich habe in der Schule gelernt, dass wir ein demokratisches Land sind. Und dass in Parteien jeder für ein Amt kandidieren kann. Und es ist doch wichtig, welche Ideen ich habe, nicht wie lange ich schon Parteimitglied bin. Die CDU ruft bei der Anwerbung neuer Mitglieder dazu auf, dass man mitgestalten soll. Als Unternehmer erlebe ich, was mit Bundesgesetzen in der Praxis ausgelöst wird. Ich finde schon, dass mich das qualifiziert. 

Würden Sie ihr Unternehmen einem Politiker überlassen?

Führen lassen? Ja, wenn sie oder er gut mit Menschen umgeht, führen kann und Ideen hat. Es gibt auch Theologen, die sehr erfolgreiche Unternehmensführer sind. Die Stromlinienförmigkeit und der Mangel an Diskussionskultur in der Partei ist jedenfalls ungesund.

Die CDU wird Parteivorsitz und Kanzleramt jetzt vorübergehend auf zwei Personen aufteilen. Sollte man die Trennung festschreiben?

Nein, es hat sich ja auch schon bewährt, wenn beide Ämter in einer Hand sind. Im Moment fordere ich allerdings auch die Trennung, weil der Eindruck herrscht, dass in der Kombination keine ehrgeizigen Ziele mehr formuliert werden. 

Sollte Merkel auch das Kanzleramt sein lassen?

Nein. Es ist gut, wenn der oder die neue Parteivorsitzende erstmal die Richtung formulieren kann. Dazu kommt man nicht, wenn man gleich wieder operativ in der Regierung mitarbeiten muss. Die Verunsicherung der Bevölkerung hängt auch damit zusammen, dass keiner so genau weiß, wohin das Land gesteuert werden soll. Wo will oder wollte Merkel hin? Ich weiß es nicht. 

Von Daniela Vates/RND

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