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Deutschland / Weltweit Wer setzt Gauland Grenzen?
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21:09 04.06.2018
Alexander Gauland bei Demo der AfD Quelle: imago/Gerhard Leber
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Hannover

Alexander Gauland? Gern würde man sich einfach nur lustig machen über den Ewiggestrigen mit seinen bräunlichen Tweedjacketts, der tief hängenden Lesebrille und der Dackelkrawatte. Doch inzwischen zeigt sich: Der Mann ist mehr als nur ein Fall für Oliver Welke. Der AfD-Chef hat eine viel entschlossenere Gegenwehr als bisher verdient: im Deutschen Bundestag und quer durch die deutsche Gesellschaft. Doch wer setzt Gauland Grenzen?

Oft genug hat Gauland sein immer gleiches Spiel gespielt: Menschen in ihrer Würde verletzen und damit das eigene Profil schärfen. Im Jahr 2016 behauptete er, „die Leute wollen einen Jérôme Boateng nicht als Nachbarn“. Im Jahr 2017 rief Gauland vor jubelnden Anhängern dazu auf, die Ausländerbeauftragte Aydan Özoguz „in Anatolien zu entsorgen“. Schon auf diese Ungeheuerlichkeiten hätten Politik und Medien sensibler reagieren müssen: Was hat ein erbärmlicher Rassist wie Gauland in den Fernsehtalkshows zu suchen?

Nun, im Jahr 2018, setzt Gauland noch eins drauf und relativiert ausführlich und ausdrücklich den Nationalsozialismus. Der Krieg, die Gaskammern, Millionen Tote – alles nur ein „Vogelschiss“? Noch nie in der Geschichte des Bundestages saß ein Politiker im Parlament, der die Millionen Opfer dieser Zeit so verhöhnt hat.

Das Bedrückendste ist der Jubel der Jungen

Gauland will die „verdammten zwölf Jahre“ abhaken als kleine Entgleisung, als sei nur kurz die Nadel aus der Rille gerutscht. Die meisten Deutschen wissen es besser. Der Zivilisationsbruch, die Auslöschung des Rechts und schließlich die Gegenwehr der anderen ließen am Ende nicht zuletzt die Deutschen massenhaft zu Opfern werden – nicht für zwölf Jahre, sondern für Jahrzehnte. Bombennächte, Vertreibung, physische und psychische Verletzungen, das Leben in einem bis 1989 durch Mauer und Stacheldraht geteilten Land: All dies hatte seinen Ursprung in Gaulands „Vogelschiss“.

Das Bedrückendste an Gaulands AfD indessen ist nicht die Rede des Alten vom Wochenende. Es ist der Jubel der Jungen. Die Verharmlosung des Nationalsozialismus gehört bei der AfD zu den kommenden Dingen. Das wiederum lässt sensiblere Naturen bereits schaudern. Während die bundesweite Arbeitslosenquote bei nur 5 Prozent liegt, sitzt die AfD mit 12,6 Prozent im Parlament. Was soll passieren, wenn sich in Deutschland die Arbeitslosigkeit durch einen von den USA begonnenen Handelskrieg wie in den Dreißigerjahren verdoppelt oder gar verdreifacht? Heute wie damals wächst dann die Sehnsucht nach dem starken Mann. Um die passende Begleitmusik hat die AfD-Jugend sich schon gekümmert, durch einen Antrag, wonach in den Schulen regelmäßig das Deutschlandlied gesungen werden soll, auch die erste Strophe. Auf „America first“ gäbe es dann eine klare Antwort: Deutschland, Deutschland über alles.

Von Matthias Koch

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