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Niedersachsen Celle – Insel der Seligen?
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00:20 03.02.2019
Hier wird das Anti-Rechts-Bündnis proklamiert, zum Ärger des Landrates: Das Celler Schloss. Quelle: picture-alliance/ dpa
Hannover

Seit Monaten gründen sich überall in der Republik Bündnisse von Kulturschaffenden, die sich gegen Angriffe auf die Freiheit von Kunst und Wissenschaft durch Rechtspopulisten wehren. Meist findet die „Erklärung der Vielen“ eher in den Kulturteilen Beachtung. In Celle indes ist für den morgigen Freitag geplante Proklamation eines solchen Bündnisses zum Politikum geworden. Der Landkreis mit Landrat Klaus Wiswe (CDU) an der Spitze findet es falsch, dass sich Celler Institutionen daran beteiligen. Auch das Rathaus hätte sie am liebsten unterbunden. In Celle, so die Argumentation, habe man überhaupt keine Probleme mit Rechtspopulisten.

„Angriffe auf Kultur finden hier nicht statt“

An der Spitze des Bündnisses stehen der Intendant des Celler Schlosstheaters, Andreas Döring, sowie der Leiter der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner. Sie haben etwa 21 Unterstützer für die „Erklärung der Vielen“ gewonnen, die „ein gesellschaftspolitisches Signal“ setzen wollen und „Haltung zeigen für Toleranz, Vielfalt und Respekt“ – für Werte, die sie unter anderem auch von der AfD infragestellt sehen. Die sitzt im Celler Ratssaal mit vier Vertretern. Im Celler Rathaus betrachtet man das Bündnis skeptisch. Kulturschaffenden wurde signalisiert, dass das vorgeschlagene Bündnis einseitig und unausgewogen sei. Während etwa in Hamburg der Kultursenator zur Unterzeichnung aufrief, wurde in Celle nach HAZ-Informationen städtischen Institutionen die Beteiligung untersagt – wegen des Neutralitätsgebotes. „Wir haben uns als Verwaltung nicht politisch zu äußern“, sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. Im übrigen habe man in Celle nicht die angeprangerten Probleme mit Rechtspopulisten. Das betont auch Landkreis-Sprecher Tore Harmening: „Die behaupteten Angriffe auf Kultur usw. finden hier nicht statt.“

Dem widerspricht Gedenkstätten-Chef Wagner, der auch für das nahe gelegene ehemalige KZ Bergen-Belsen zuständig ist. „Wir sind hier in Celle nicht auf der Insel der Seligen und haben in unserer Stiftung ständig mit Angriffen von Rechtsextremen uns Antisemiten zu tun.“ Man sollte sich lieber mit diesem Problem auseinandersetzen als es kleinzureden oder zu negieren. „Im übrigen berufen wir uns auf das Grundgesetz.“ Das begrüßt auch Stadtsprecherin Meißner.

Intendant nicht an Weisungen gebunden

Der Celler Landrat grollt, dass das Bündnis ausgerechnet im Schlosstheater mit einer Pressekonferenz bekannt gemacht werden soll. „Das findet nicht unsere Zustimmung.“ Doch sei der Schlosstheaterverein selbstständig „und der Intendant in seinem Zuständigkeitsbereich nicht an Weisungen gebunden“, teilt der Landkreis mit. Im übrigen bemängelt der Landrat, dass in der „Erklärung der Vielen“ der Begriff „rechts“ mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt werde, dabei seien „rechts“ und „links“ doch divergierende Auffassungen innerhalb des Meinungsspektrums. Deshalb kritisiere der Landkreis „diese Form einer öffentlichen Erklärung“.

Sie findet dennoch statt – um elf Uhr morgens im Celler Schloss und weltweit im Internet.

Von Michael B. Berger

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