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Niedersachsen Zu viel Gülle gefährdet das Grundwasser im Land
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04:26 11.06.2016
Von Michael B. Berger
Quelle: dpa/Symbolfoto
Hannover

„Wir haben in sechs Landkreisen um Cloppenburg und Vechta einen Notstand. Es ist höchste Zeit, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) seine Hausaufgaben macht.“ Der Einleitung von Nitrat in die Böden müsse mit einem neuen, schärferen Düngegesetz entgegengewirkt werden, meint Meyer. Schon längst hätte der Bund eine wirksame Düngeüberwachung in die Wege leiten können, Vorschläge der Länder hierzu lägen vor.

Die Düngeverordnung schreibt vor, wie viel Dünger an welcher Stelle auf die Felder ausgebracht werden darf. Für sie ist der Bund zuständig, für ihre Kontrolle die jeweiligen Landwirtschaftskammern. „Unser Grundwasser und die Oberflächengewässer leiden unter wachsender Nitratverunreinigung“, sagte Meyer der HAZ. Deutschland sei weit entfernt davon, die gesetzlichen Vorgaben der EU einzuhalten. Der Beschluss der EU-Kommission, die Bundesrepublik wegen der Verletzung der Nitratrichtlinie zu verklagen, bedeute eine „Klatsche“ für den Bundeslandwirtschaftsminister, sagte Meyer.

Meyer weist bei seiner Klage auf den jüngsten Nährstoffbericht hin. „Der Dünge-Saldo, also der Überschuss, ist immer noch dramatisch - und ist von 67 000 Tonnen Stickstoff pro Jahr auf rund 81.000 Tonnen Stickstoff gestiegen.“ Der Gesetzgeber im Bund sei mit dem Neufassung des Düngegesetzes mehr als zwei Jahre im Verzug, was sich jetzt mit der EU-Klage räche. Als Agrarland Nummer Eins habe Niedersachsen unter den Berliner Zögerlichkeiten besonders zu leiden.

Meyer rügte auch falsche Weichenstellungen im jüngsten Berliner Entwurf. So würden künftig etwa Weideviehhalter durch einen überzogenen Nährstoff-Anrechungsfaktor gezwungen, entweder weniger Kühe zu halten oder mehr Fläche zu pachten. „Das ist ein Irrweg, in diesem Punkt bin ich mir mit Niedersachsens Landwirten einig.“ Denn in Grünlandregionen an der Küste habe man eigentlich keine Probleme mit dem Dünger. Meyer hofft hier noch auf Korrekturen. Mit Zuschüssen für neue Güllebehälter, verbindlichen Kontrollen der Verkehrswege der Gülle habe man in Niedersachsen schon Einiges erreicht. Aber die neue Düngeverordnung sei überfällig. Das sieht auch Landesumweltminister Stefan Wenzel so. „Die Ziele des Trinkwasserschutzes sind mit bestehenden Maßnahmen bei Weitem nicht zu erreichen.“

Das Landvolk geht in diesen Fragen nicht auf Konfrontation mit dem Agrarminister. „Auch wir sind daran interessiert, den Wirtschaftsdünger breiter zu verteilen, damit es in einigen Regionen nicht zu hohen Belastungen kommt“, sagt Landvolk-Sprecherin Gabi von der Brelie. Die Umstellung auf ein neues Nährstoffmanagement setze aber auch Zeit und Akzeptanz in der Bevölkerung voraus - vor allem in den Regionen, in denen aus dem Westen Niedersachsens exportierte Gülle ausgebracht wird.

Nitratbelastung kostet viel Geld

Deutschland hat ein Gülleproblem“, stellt der Rat für Nachhaltige Entwicklung fest, denn im Grundwasser lande zu viel Nitrat. Einer der wesentlichen Gründe hierfür sei die Gülle aus der Tierhaltung, welche die Bauern auf den Äckern ausbringen. Auch Gärreste aus Biogasanlagen trieben die Werte nach oben, heißt es. Die hohe Belastung des Grundwassers wird für die Wasserversorger zu einem teuren Unterfangen, denn das nitratbelastete Wasser muss aufwendig verdünnt werden. Nach Berechnungen von Umweltverbänden müssen bundesweit bis zu 25 Millionen Euro extra für die Wasserreinigung aufgebracht werden.

Dünger, Jauche, Mist und Gülle enthalten Stickstoff. Das chemische Element N ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, weshalb Verbandsvertreter gern von „Nährstoffüberschüssen“ sprechen, wenn von Mist die Rede ist. Die geplante Düngeverordnung soll regeln, wie viel Mist ein Acker verträgt. Überschüssige Nährstoffe müssen auf andere, weniger belastete Flächen gebracht werden („Gülletourismus“) – oder in extra angelegten Güllelagerstätten aufbewahrt werden.

Eine Mehrheit im niedersächsischen Landtag würde eine Herabsetzung des Wahlalters bei Landtagswahlen auf 16 Jahre befürworten. Das machte eine kurze Debatte am Mittwoch deutlich, die im Rahmen einer Aktuellen Stunde geführt wurde.

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