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Niedersachsen Chaos zum Schuljahresbeginn: Das denken HAZ-Leser
Nachrichten Politik Niedersachsen Chaos zum Schuljahresbeginn: Das denken HAZ-Leser
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20:09 10.08.2017
Symbolbild Quelle: dpa
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Das war passiert: Viele Lehrer in Niedersachsen wussten einen Tag vor Schulbeginn nicht, wo sie künftig arbeiten werden. Weil an den hannoverschen Grundschulen Tausende Lehrerstunden fehlen – landesweit spricht die Direktorenvereinigung von 10.000 –, sind bei den Dienstbesprechungen viele Gymnasial- und Gesamtschullehrer gefragt worden, ob sie bereit wären, für ein Schuljahr an einer Grundschule zu unterrichten. Sollten sich nicht genügend Freiwillige finden, kann die Landesschulbehörde verbeamtete Pädagogen auch gegen ihren Willen vorübergehend an eine andere Schule schicken. 

Reaktionen von HAZ-Lesern:

Politische Verantwortung

„Das ist ein Sturm im Wasserglas“: Allein diese Bemerkung von Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zeigt, dass die Bildungspolitiker auf einem anderen Planeten leben. Vielleicht sollte man alle an Grundschulen abordnen? Didaktik und Methodik unterscheiden sich dort grundlegend von anderen Schulformen. Die Bundesländer schaffen es seit Jahrzehnten nicht, eine vernünftige Personalplanung für die benötigten Lehrerstellen einzurichten. Als Außenstehender fragt man sich, wofür es in Niedersachsen eine Landesschulbehörde gibt.
Junge Menschen studieren an der Uni nach Lust und Laune eine Fächerkombination in der Hoffnung, gebraucht zu werden. Politik und Verwaltung dagegen hoffen, dass die richtigen Fächerkombinationen ausreichend ankommen. Bei soviel Hoffen und Glauben auf beiden Seiten reicht es vielleicht für die freien Stellen in Religion, in Chemie und Physik wird es dünn. Nicht überraschend, dass diese Leute von ansteigenden Schülerzahlen vollkommen überrascht sind.

CDU und FDP sollten sich nicht zu heftig aufregen: Vor allem die Grundlagen für die augenblickliche Personalknappheit wurden durch die Vorgängerregierungen des Kabinetts Weil gelegt. Die Kultusminister unter Christian Wulff und David McAllister hießen Bernd Busemann, Elisabeth Heister-Neumann – und Bernd Althusmann. Die politische Verantwortung für mangelndes Personal liegt auch bei diesen Politikern.

Jörg Zehrfeld, Gehrden

Unkoordiniert und kurzsichtig

Ich habe aufgrund vieler privater Herausforderungen die Prüfung für das Referendariat nicht geschafft. Nicht wissend, dass mich das zweimalige Durchfallen für immer aus dem Lehrerberuf katapultiert, hatte ich mich an zwei Schulen als angestellte Lehrkraft beworben und für beide nach Vorstellungsgesprächen eine Zusage bekommen. Die Landesschulbehörde hat der Einstellung nicht zugestimmt. Jetzt unterrichte ich in der (jungen) Erwachsenenbildung für ein im Vergleich geringes Gehalt und bin eine gute und hoch qualifizierte Lehrkraft, so zumindest das Feedback. Fazit: Wer sich so borniert, unkoordiniert und kurzsichtig verhält wie die Landesschulbehörde, hat es nicht anders verdient.

Mareke Janssen, Hannover

(Facebook-Seite der HAZ)

Keine Fachkompetenz

Drei mal drei macht vier? Wenn man sich die derzeitigen Entwicklungen in der Bildungspolitik ansieht, könnte man meinen, dass die zuständigen Minister für ihren Job genauso viel Fachkompetenz mitbringen, wie sie Pippi Langstrumpf hinsichtlich der Grundrechenarten besitzt – nämlich keine! Da kann es vorkommen, dass die Gymnasien, welche personell chronisch unterversorgt sind, angewiesen werden, Abordnungen an Grund- oder Oberschulen zu schicken. Dieses Vorhaben kann nur in die Hose gehen.

Worin liegt der offensichtliche Hass gegen die Gymnasien begründet? Die Politiker sollten den Bürgern bitte ehrlich mitteilen, was sie für ein Problem mit der gymnasialen Schulform haben, anstelle diese immer mehr oder weniger heimlich zu boykottieren.

Angelika Koniezny, Wunstorf

Pädagogischer Skandal

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt wird mit den Worten „Sturm im Wasserglas“ zitiert. Damit glaubt die Verantwortliche für die schulische Bildung in Niedersachsen die aktuellen Vorgänge zu Beginn des Schuljahres beschreiben zu können und scheint nicht zu wissen, was kurzfristig angeordnete Abordnungen von Lehrkräften für die betroffenen Schulen bedeuten.

Vor den Sommerferien ist der Unterrichtseinsatz der Lehrkräfte bekannt, damit sie sich im Laufe der Ferien auf ihre Lerngruppen vorbereiten können, was insbesondere den Unterricht in der Oberstufe betrifft. Wenn dann in der ersten Ferienwoche die Anordnung erfolgt, x Stunden an eine andere Schule abzuordnen, ist niemand erreichbar. Das führt dazu, dass am Ende der Ferien überhastet Lösungen gefunden werden müssen. Dieses Vorgehen führt dazu, dass die Schüler der betroffenen Grundschulen bis zu den Herbstferien mit Notprogrammen versorgt werden müssen. Ein pädagogischer Skandal angesichts von Kindern mit Migrationshintergrund und Inklusion, die verstärkt eingeschult werden. Man fragt sich vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Lehrkräftemangel insbesondere im Grundschulbereich seit Jahren bekannt ist, warum in Wissenschafts- und Kultusministerium nicht vorausschauend auf die Entwicklung reagiert wurde.

Hier wäre Führung durch die Ministerin gefragt gewesen, um das „Chaos an den Grundschulen“ zu vermeiden. Mit ihr läuft die SPD Gefahr, die ihr lange zugeschriebene Kompetenz im Bildungsbereich zu verlieren – und verringert ihre Chancen bei den anstehenden Wahlen.

Ulrich Germar, Arnum

(Facebook-Seite der HAZ)

Test für Bürokraten

Lehrermangel, Chaos zum Schulstart: Die verantwortliche Ministerin ist absolut „top“ – allerdings nicht bei der Erkennung und Behebung realer Probleme. Wenn Lehrer fehlen, könnte Frauke Heiligenstadt doch in ihr Ministerium oder in die Landesschulbehörden schauen, ob sich nicht etliche Fachleute finden ließen. Ein halbes Jahr Abordnung in die Brennpunkte würde doppelte Effekte erzielen: Die Schulen hätten endlich die Chance, in Ruhe zu arbeiten und zum anderen die Praxistauglichkeit der Bürokraten zu testen. Was wäre bloß, wenn der Test negativ ausfallen würde?

Albrecht Rinderhagen, Hemmingen 

Fragwürdige Solidarität

Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit Ihrem Kind zu einem stark frequentierten Kinderarzt und vor Ihnen steht – abgeordnet – ein Zahnarzt. Das nennt man heute „gelebte Solidarität“. Falls Sie noch am gleichen Nachmittag Ihren Zahnarzt aufsuchen, müssen Sie feststellen, dass dieser nur noch an zwei Tagen in der Woche und mit wenigen Stunden für Sie tätig ist. Seine Vertretung, in deren Wartezimmer 32 Patienten sitzen, doktert im Sekundentakt an den Symptomen herum, für eine längere Besprechung ist keine Zeit. Schuld sind die Abordnungen.

Ich gehöre zu den Lehrern, die vor fast 40 Jahren mit vielen Ideen und einer Klassengröße von 36 Schülern an Gymnasien begonnen haben. Ich habe viele Stürme erlebt, ausgelöst von Landesregierungen unterschiedlicher Couleur. Nun, in meinem letzten Jahr, ist die Schülerzahl pro Klasse wieder auf 32 erhöht worden, doch im Unterschied zu meinen Anfangsjahren kann ich mich glücklich schätzen, dass ich seit einigen Tagen ein Tablet habe, um die Schüler zum Selbstversuch zu animieren. Vielleicht erwischen sie den richtigen Zahn.

Gabriele Pribbenow-Gothe, Hannover

Programm regiert, nicht die Praxis

In der Schulpolitik regiert weiter politische Programmatik vor Praxis, um dem Wahlspruch „Wir tun was für Bildung“ gerecht zu werden. Statt rechtzeitig für eine bedarfsgerechte Grundbildung die Klassenstärken auf 22 in der Grundschule zu begrenzen, ausreichend Zweitlehrerbetreuung pro Klasse und Sozialpädagogen wegen Inklusion und Ausländeranteil einzusetzen, wird mit Containern und Quereinsteigern weitergewurstelt. Wichtige Erziehungsbereiche wie Musik, Sport, Kunst und Ausflüge bleiben immer mehr aus, Hauptsache, die rot-grüne Landesregierung stärkt die theoretische Lernkompetenz der Schüler mit immer neuen Verordnungen.

Wo bleibt ein klares Wort des Ministerpräsidenten? Die Schulmisere mit gleichen Problemen (hohe Schülerzahl, fehlende Lehrer) gab es schon mal in den Achtzigern – ist es zu viel verlangt, daraus zu lernen?

Dr. Gerhard Gerold, Hannover

Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün würden eine derzeit eine Mehrheit im niedersächsischen Landtag bekommen. Das hat eine Wählrumfrage des Norddeutschen Rundfunk (NDR) ergeben. Am 15. Oktober soll es in Niedersachsen Neuwahlen geben, nachdem Elke Twesten zur CDU gewechselt ist und die rot-grüne Regierung ihre Mehrheit verloren hat.

10.08.2017

Zum zweiten Mal nach 1970 will Niedersachsens Landtag seine Auflösung beschließen. Ein historischer Moment, den die Parteien im Parlament aber vor allem nutzten, um den Wahlkampf zu eröffnen und sich gegenseitig anzugreifen.

10.08.2017

Eigentlich wäre in Niedersachsen Anfang Januar gewählt worden. Nach einem überraschenden Machtwechsel im Parlament will sich der Landtag nun aber selber auflösen, um den Weg für vorgezogene Wahlen am 15. Oktober frei zu machen. Einer aktuellen Umfrage zufolge kann Rot-Grün wohl nicht daurauf hoffen, erneut die Regierung zu stellen. 

10.08.2017
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