Grünen-Chefin Meta Janssen-Kucz im Interview
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Niedersachsen "Wir Grüne sind nicht in Panik"
Nachrichten Politik Niedersachsen "Wir Grüne sind nicht in Panik"
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06:00 27.05.2017
Von Michael B. Berger
„Ein klarer, rot-grüner Kurs“: Grünen-Chefin Meta Janssen-Kucz findet, die Koalition habe mit Energie- und Agrarwende die richtigen Schwerpunkte gesetzt. Quelle: Ingo Wagner
Hannover

Frau Janssen-Kucz, in Kiel ist die rot-grün gesteuerte Koalition abgeschmiert, in Nordrhein-Westfalen ebenso, im Saarland blieben die Grünen sogar noch deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Bekommen Sie nicht langsam Panik?
Nein, bekomme ich nicht.

Warum nicht?
Weil ich ein ruhiger Mensch bin und Sie jetzt einen Fehler machen.

Und der wäre?
Die Grünen in Niedersachsen mit denen in Nordrhein-Westfalen zu vergleichen und mit denen in Schleswig-Holstein - auch wenn wir Niedersachsen mit unseren Freunden in Kiel noch gewisse Schnittmengen haben, etwa in der Agrarpolitik oder auch bei der Energiepolitik. Aber die Themen und die Situation in den einzelnen Landesverbänden sind doch sehr unterschiedlich, sodass es ein Fehler ist, jetzt alle über einen Kamm zu scheren.

Ist die Lage in Niedersachsen in Ihren Augen so unvergleichlich, weil der grüne Landesverband hier viel linker ist als alle anderen in der Republik?
Wir Niedersachsen-Grüne haben immer einen klaren Kurs. Und das ist seit vier Jahren ein rot-grüner Kurs, mit dem wir viel Erfolg haben. Wir sind, und das ist nicht unwichtig, ein sehr geschlossener Landesverband.

Nun gut, aber das reicht nach allen bisherigen Wahlprognosen nicht aus, im kommenden Jahr die rot-grüne Machtbasis hier in Niedersachsen zu sichern. 2013 gelang das rot-grüne Bündnis nur, weil die Grünen mehr als 13 Prozent in die rot-grüne Ehe einbrachten. Von einer derartigen Mitgift scheinen Sie heute recht weit entfernt, selbst bei wohlmeinenden Prognosen ...
Ach, wir haben doch im Augenblick eine Inflation an Prognosen, die letztlich nur Wasserstandsmeldungen sind für ein Ereignis, das uns erst in acht Monaten bevorsteht. Wir nehmen das mit Gelassenheit zur Kenntnis - auch, dass wir ein gutes Kommunalwahlergebnis von 12 Prozent hatten sowie eine hoch motivierte Partei. Darauf lässt sich aufbauen.

Was haben die Grünen in Nordrhein-Westfalen denn so falsch gemacht, dass sie ein so katastrophales Ergebnis eingefahren haben?
Ich stelle mich jetzt nicht hin und kritisiere meine Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen. Ich stelle nur fest, dass wir mit unseren vier Ministerinnen und Ministern - in den Themen Umwelt, Agrar, Justiz und Wissenschaft - für uns wichtige Schwerpunkte gesetzt haben...

In Nordrhein-Westfalen hatten die Grünen die Schulpolitik besetzt ...
Ja, hatten sie, aber ich rede von unseren Schwerpunkten. Wir haben in Niedersachsen ziemlich deutlich gemacht, das wir eine Politik mit Hand und Fuß betreiben.

Wie meinen Sie das?
Man braucht beides, Grüne in Niedersachsen arbeiten im Team, das zeichnet sie aus. Wir hatten in unserem Bereich auch schwierige Aufgaben zu lösen, ich nenne nur die Energiewende, den Atomausstieg, die Suche nach einem Atomendlager, die nun nicht in Gorleben enden wird, die Agrarwende.

Aber den Atomausstieg hat doch im Wesentlichen Bundeskanzlerin Angela Merkel bewerkstelligt. Da böte sich die CDU doch auch als Partnerin an.
Sie müssen den Blick auf die hiesigen Christdemokraten im Landtag wenden, wir beobachten mit Interesse, wie hier die Opposition gegen uns agiert. Deshalb regieren wir lieber weiter mit Partnern, die wir kennen, und haben mit der SPD gute Erfahrungen. Deshalb setzen wir bei der Landtagswahl zuerst auf eine Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses.

Auch mit einem Partner, der erkennbar schwächelt oder wie Wirtschaftsminister Olaf Lies eine Vergabeaffäre am Hals hat ...
Wir haben als Grüne ein geschlossenes Team - und ein klares Programm. Ich denke, das reicht für heute.

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