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Niedersachsen Bald wieder mehr Bombenräumungen in Hannover?
Nachrichten Politik Niedersachsen Bald wieder mehr Bombenräumungen in Hannover?
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00:16 09.09.2016
Quelle: Archiv (HAZ/dpa)
Hannover

Niedersachsens Landesregierung will in den kommenden Jahren die Suche nach gefährlichen Blindgängern ausweiten. Helfen soll dabei eine neue Software - sie wird derzeit entwickelt und soll die Auswertung von Luftbildern erleichtern. Wenn mehr Weltkriegsbomben gefunden werden, könnte sich in großen Städten wie Hannover die Zahl der Evakuierungen erhöhen.

Die systematische Suche nach Blindgängern wurde 2012 vom damaligen Innenminister Uwe Schünemann (CDU) aus Kostengründen eingestellt. Seitdem haben sich sowohl Feuerwehr als auch die Gewerkschaft der Polizei immer wieder für die Wiederaufnahme ausgesprochen - um spontane Räumungen zu vermeiden.

Digitales Dossier

Immer wieder müssen dann die Experten der Kampfmittelbeseitigung ausrücken, um gefährliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen. Aber was machen die Bombenräumer eigentlich genau? Welche Technik setzen sie gegen die zentnerschweren Sprengkörper ein? Und muss es eigentlich immer so weit kommen? Ein digitales Dossier.

Das Land investiert eine Million Euro in die Entwicklung des neuen Systems zur Luftbildauswertung, das im kommenden Jahr fertig sein soll. Die Software soll in der Lage sein, schneller und effizienter als Menschen die Luftbildaufnahmen auszuwerten, welche die Alliierten nach den Bombenangriffen auf deutsche Städte gemacht haben. Bauanträge von Bürgern könnten dann zügiger bearbeitet und Kommunen schneller mit Informationen versorgen werden, so die Hoffnung. Die Software soll auch dabei helfen, mehr Flächen überprüfen zu können - und so zumindest teilweise wieder den Einstieg in die systematische Suche nach Blindgängern zu schaffen.

Derzeit wird fast ausschließlich anlassbezogen gesucht: Nur wenn an einer Stelle ein Neu- oder Umbau geplant ist, wird das Gelände geprüft. Allein im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 3000 Bauanträge bearbeitet. Dafür analysierten Experten mithilfe von 26.000 Luftbildern eine Fläche von 16.000 Hektar. Bei einem Drittel der Bauvorhaben mussten die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ausrücken. Dabei bargen sie rund 45 Tonnen an Bomben, Granaten und Munition. 38 dieser Blindgänger hatten ein Gewicht von über 50 Kilogramm.

Große Gefahr durch unentdeckte Blindgänger

Immer häufiger muss zudem die verrostete Munition aus Sicherheitsgründen an Ort und Stelle gesprengt werden, weil mit zunehmendem Alter des Materials die Gefahr einer plötzlichen Explosion steigt. Auch für Innenminister Boris Pistorius ein Zeichen, „dass es immer noch unzählige Blindgänger im niedersächsischen Boden gibt, die entschärft werden müssen, sobald sie entdeckt werden“, wie er kürzlich betonte. Im Jahr 2010 kamen drei Sprengmeister des niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes ums Leben, als eine Bombe beim Versuch einer Entschärfung explodierte.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP)würde sich einen Wiedereinstieg in die systematische, flächendeckende Suche nach Weltkriegsbomben wünschen: „Wir sind sehr dafür“, sagte GdP-Landeschef Dietmar Schilff der HAZ. Die Gefahr durch Blindgänger sei groß, da sei eine verstärkte Suche angezeigt.

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