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00:16 18.06.2016
Von Gabriele Schulte
Das Bohrfeld von ExxonMobil, aufgenommen bei Rotenburg-Wümme. Auf der Suche nach Erdgas setzt das Unternehmen hier die umstrittene Frackingmethode ein.  Quelle: Ingo Wagner
Hannover

Niedersachsen will die umstrittene Erdgasfördermethode Fracking wieder genehmigen. „Wir brauchen eine Zukunft für die niedersächsische Erdöl- und Erdgasförderung“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch anlässlich einer Verbandstagung der Energiebranche in Hannover. Auf eine gesetzliche Regelung in Berlin will Lies nicht warten. Da sich bei dem Thema wieder einmal über die Sommerpause hinaus nichts tue, werde das Land nun selbst „Rahmenbedingungen schaffen“.

Der Verband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) kündigte bei dem Treffen an, den freiwilligen Verzicht auf die Bohrungen zu beenden. „Unsere Mitgliedsunternehmen können nach fünf Jahren nicht länger warten“, sagte der Vorsitzende Martin Bachmann.

Das ist Fracking

Boom in den USA: Fracking ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas aus Poren im Gestein. Der Begriff steht für „Hydraulic Fracturing“. Dabei wird etwa Schiefer mit hydraulischem Druck aufgebrochen. Schon seit Jahrzehnten wird international das sogenannte konventionelle Fracking in bis zu 5000 Meter tiefen Gesteinsschichten genutzt. In den USA hat in den vergangenen Jahren zudem das besonders umstrittene „unkonventionelle Fracking“ in nur rund 1000 Meter Tiefe und damit Grundwassernähe stark an Bedeutung gewonnen. Mit der höheren Ausbeute will das Land von Importen unabhängiger werden.
In Deutschland wurde bisher nur konventionelles Fracking – in tieferem Gestein – häufig für die Gas-, nicht aber für die Ölförderung genutzt. Rund 95 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen befinden sich in Niedersachsen.

Um das Gas fördern zu können, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst. Im Gestein entstehen Risse, durch die Gas entweichen und über Rohre nach oben gelangen kann. Umweltschützer fürchten eine Verunreinigung des Trinkwassers und warnen zudem vor einer höheren Erdbebengefahr.     .     

So lange schon gilt bei der deutschen Erdgasförderung ein Moratorium für das umstrittene Fracking. Die Energieindustrie, deren Erdgasfelder zu 95  Prozent in Niedersachsen liegen, hatte sich nach zahlreichen Protesten von Umweltgruppen darauf eingelassen und wartet seitdem auf die angekündigte gesetzliche Neuregelung aus Berlin. Die Unternehmen verzichten auf geplante Investitionen und wenden das seit Jahrzehnten übliche konventionelle Fracking nicht mehr an.

2014 hatte sich die Bundesregierung bereits auf ein Eckpunktepapier verständigt, das fast vollständig den Vorstellungen Niedersachsens entsprach. Dieses sieht strenge Vorgaben besonders für den Trinkwasserschutz vor. „Die gibt es im derzeit geltenden Bergrecht so nicht“, sagte ein Sprecher von Olaf Lies.

Besonders umstritten ist die in dem Papier enthaltene Möglichkeit, zu Forschungszwecken erstmals auch das von Umweltgruppen besonders gefürchtete unkonventionelle Fracking zu erlauben. Ein niedersächsischer Ministererlass von 2014 verhindert dies allerdings.

Unkonventionelles Fracking soll es auch weiter nicht geben, wohl aber die traditionelle Fracking-Methode mit dann verschärften ökologischen Vorgaben. Das Land könne nicht einfach zusehen, wie die heimische Erdgas- und Erdölförderung Jahr für Jahr zurückgehe und neben den Energieunternehmen auch die niedersächsische Zulieferindustrie leide.

Zuletzt deckte die hiesige Gasförderung noch 10  Prozent des deutschen Verbrauchs, der Anteil hatte vor dem Moratorium noch bei bis zu einem Viertel gelegen. Lies dankte am Mittwoch der Industrie für die Bereitschaft, fünf Jahre lang abzuwarten. „Ich glaube, dass diese Zeit jetzt abgelaufen ist“, sagte er. Niedersachsen werde aber weiter intensiv in Berlin an einer möglichst bundeseinheitlichen Lösung mitwirken.
Umweltgruppen kritisierten die Pläne. „Wir sind schockiert, dass sich das Wirtschaftsministerium vor den Karren der Erdölindustrie spannen lässt und die für Mensch und Umwelt gefährlichste Form der Gasförderung, das Fracking, wieder zulassen möchte“, sagte Dorothea Steiner vom Landesvorstand des BUND. Auf Fracking sei aufgrund des wachsenden Widerstandes in der Bevölkerung freiwillig verzichtet worden, es handele sich um eine „Hochrisikotechnologie“.   

  

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