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Niedersachsen Polizei beklagt hohe Hürden bei Ermittlungen
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00:33 15.06.2018
Sogenannte „Cyber-Cops“ nehmen die Ermittlungen gegen die Produzenten und Nutznießer von Kinderpornografie auf. Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

Die Fälle von Kinderpornografie nehmen zu, und die Filme und Fotos werden immer leichter über das Internet konsumierbar. Auch in Niedersachsen sind die Zahlen für dieses besonders düsteres Verbrechen gestiegen, bei dem Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen und gefilmt werden.

Dabei ist nicht nur der Missbrauch strafbar, sondern auch das Herunterladen und das Anschauen der Videos oder Bilder. So sind die Fälle von „Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften“ nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in den vergangenen beiden Jahren deutlich angewachsen – um 145 auf 901 Fälle im vergangenen Jahr. Das entspricht einer Steigerung um 19 Prozent. Auch diesjährig seien die Fälle um 18,45 Prozent gestiegen, berichtet das LKA auf eine Anfrage der HAZ.

Gleichzeitig wird die Verfolgung der Straftäter durch rechtliche Hürden immer schwieriger, beklagt der neue LKA-Präsident Friedo de Vries: „Wir brauchen dringend die Vorratsdatenspeicherung zur Verfolgung schwerer Kriminalität, insbesondere zur Bekämpfung von Kinderpornografie. Es kann nicht sein, dass unsere Ermittlungsansätze derzeit an der Tatsache scheitern, dass IP-Adressen nicht mehr gespeichert sind und wir die Täter nicht identifizieren können“, sagte de Vries der HAZ.

„Das ist eine richtige Industrie“

Die Speicherung von Daten auf Vorrat ist nach langjährigem Rechtsstreit derzeit faktisch ausgesetzt. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wandte sich vor wenigen Tagen mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit und verlangte rechtliche Klärungen: „Datenschutz darf nicht vor Kinderschutz gehen.“ Deshalb müsse man über die Vorratsdatenspeicherung neu reden. Auch Johannes Schmidt, Landesvorsitzender des Kinderschutzbundes in Niedersachsen, findet: „Man darf in dieser Frage nicht zu liberal sein, denn die Methoden der Kinderpornografie sind perfide. Das ist mittlerweile eine richtige Industrie geworden, die wie die Mafia arbeitet“, sagte Schmidt der HAZ. Dabei ermittelten die deutschen Behörden schon mit großer Quantität und Qualität.

Immer mehr junge Täter

Dass die Fallzahlen im Bereich Kinder- und Jugendpornografie in Niedersachsen steigen, liege auch an verschärften Ermittlungen und an großen Verfahren, die bundesweit geführt werden, erläutert Frank Federau, Sprecher des LKA Niedersachsen. Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren habe man Hinweise von der US-amerikanischen Organisation „National Centre für Missing and Exploited“ erhalten, die sich um vermisste und ausgebeutete Kinder kümmert. Diese habe Hinweise von Internetprovidern zu kinderpornografischen Inhalten an das Bundeskriminalamt (BKA) gesendet, sofern sie auf Deutschland deuteten. Vom BKA sind sie dann an die betroffenen Bundesländer übermittelt worden.

Nach LKA-Recherchen werden die Täter im Bereich der Kinderpornografie immer jünger. So seien im vergangenen Jahr 41 Prozent der 1175 Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre gewesen. Ein Jahr zuvor habe der Anteil dieser jungen Täter noch 34 Prozent betragen. Auch bei den Minderjährigen steige der Anteil von Tatverdächtigen an – eine Folge der Tatsache, dass Jugendliche innerhalb ihres Freundeskreises oder ihres Klassenverbandes von sich selbst erstellte oder aus dem Internet gefischte kinderpornografische Bilder oder Videos verschicken. Die Betreiber kinderpornografischer Seiten säßen meist im Ausland.

Von Michael B. Berger

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