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Niedersachsen Verlotterte Finca statt Luxus-Herberge?
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13:43 07.01.2014
Vor Gericht: Der frühere Sprecher des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff Olaf Glaeseker. Quelle: dpa
Hannover

Im Korruptionsprozess gegen Olaf Glaeseker, den ehemaligen Sprecher von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, hat am Dienstag der erste Zeuge ausgesagt. Der frühere Hausmeister des mitangeklagten Partymanagers Manfred Schmidt beschrieb vor dem Landgericht Hannover den desolaten Zustand einer spanischen Finca, auf der Glaeseker mehrfach mit seiner Frau einen kostenlosen Urlaub verbrachte.

Glaeseker hat sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft als damaliger niedersächsischer Regierungssprecher korrupt verhalten. Er habe Schmidt bei der Sponsorensuche für eine Promi-Party geholfen. Im Gegenzug solle dieser ihm Urlaube und Flüge spendiert haben. Im Mittelpunkt des vierten Prozesstages standen Zeugenaussagen von früheren Wegbegleitern Schmidts, der Glaeseker bestochen haben soll.

Widersprüche in der Zeugenaussage

Der Hausmeister, den beide Angeklagten im Gericht keines Blickes würdigten, hatte Ende 2011 ein Hamburger Magazin auf Glaesekers Urlaube auf der Finca aufmerksam gemacht. Der Zeuge, der sich in der zweistündigen Vernehmung mitunter widersprach, nannte als Motiv seinen Unmut über fehlende Gelder für die Renovierung der Finca. "Für Besucher war ja Geld da!" Die Verteidigung präsentierte dem Gericht danach eine Mail, die der Mann zwei Tage nach seinen belastenden Aussagen Glaeseker zu Weihnachten geschickt hatte. Darin heißt es: "Trotz der ganzen Dramatik und der Presseschmierereien wünsche ich euch ein schönes Weihnachtsfest."

Die bei Barcelona gelegene Finca sei ein einziges Chaos gewesen, sagte der ehemalige Hausmeister. Die Elektrik sei in Problem gewesen. Baden im Pool sei deswegen lebensgefährlich gewesen. "Die Tierhaltung war eine völlige Katastrophe", sagte der Mann. In Volieren hätten sich Kaninchen tot gebissen, Auf die Frage, welche Tiere gehalten wurden, antwortete er: "60 Hühner, 2 Emus, 40 Papageien, mehrere Heidschnucken, ein Esel, ein Pferd, Forellen, 2 Hunde, 2 Katzen und ein paar Wachteln."

Zu seiner Zeit habe die Renovierung der Anlage Priorität vor der Gästebetreuung gehabt. Der von Schmidts Lebensgefährtin Ende 2007 eingestellte Mann erklärte, das Ehepaar Glaeseker sei zu seiner Zeit jährlich - einmal im Frühjahr, einmal im Herbst - vor Ort gewesen. Beide hätten sich morgens meist selbst versorgt "und dann ihr Ding gemacht".

Abends gab es Essen gemeinsam mit dem Personal. "Der Alltag auf der Finca ging weiter, auch als die Glaesekers dort waren", sagte der Zeuge. Meistens kam das Ehepaar nur für eine Übernachtung, gelegentlich auch für drei oder vier Nächte. Den befreundeten Schmidt hätten sie dann meist in dessen Wohnsitz im nicht weit entfernten südfranzösischen Ort Banyuls-sur-Mer besucht.

dpa

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