Seit 13 Spielen in der Fußball-Bundesliga ist Hannover 96 das Gefühl abhandengekommen, wie es ist, den Platz als Sieger zu verlassen. Während es für die „Roten“ in der Tabelle deshalb immer weiter abwärts ging, war die Mannschaft in den vergangenen Wochen zumindest bei Sportwetten eine sichere Bank: Auf eine 96-Niederlage zu setzen, damit lag man stets goldrichtig. Doch damit soll jetzt Schluss sein – und beim SC Freiburg endlich wieder über drei Punkte gejubelt werden. Die HAZ nennt zehn Gründe, warum es heute mit dem ersten 96-Sieg des Jahres 2010 klappen könnte; Garantie darauf können wir allerdings nicht geben.
1. Fast alle Spieler sind wieder an Bord: Mit Hanno Balitsch und Jan Rosenthal fehlen eigentlich nur noch zwei Spieler, die man zu Anfang der Saison als Stammspieler bezeichnen konnte. Die anderen haben den Anschluss geschafft; Trainer Mirko Slomka kann es sich sogar erlauben, einen wie Jan Schlaudraff in die Regionalligaelf zu schicken.
2. 96 hat sich lange genug deutschlandweit zum Gespött gemacht: Und das ausgerechnet aus Berlin, wo das Bundesliga-Schlusslicht zu Hause ist: Die in der Hauptstadt erscheinende Tageszeitung „taz“ hat in dieser Woche übel über Hannover und 96 abgelästert. Die Rede war unter anderem von einem „Niedergang, der in der urbanen Geschichte beispiellos ist“. Auch wer das Radio einschaltet und etwa bei WDR 2 landet, muss auf beißenden Spott über die „Roten“ gefasst sein. Schluss damit! Dagegen helfen nur Siege – ab zwar ab heute.
3. Das harte Training schlägt an: Wochenlang hat Slomka die „Roten“ langgemacht, sodass sie in den Punktspielen schlapp hinter den Gegenspielern hergetrottet sind. Vor dem Freiburg-Spiel hat der Coach das Training gedrosselt, es wurde nur noch einmal täglich geübt. Die Defizite sind aufgearbeitet, davon können sich die Breisgauer heute überzeugen.
4. Die Mannschaft spürt trotz des Misserfolgs Rückenwind bei ihrem Anhang: Beifall nach einer Niederlage, so gut wie keine Pfiffe: Das war nach dem jüngsten 0:1 gegen den VfL Wolfsburg mehr als nur ein schwacher Trost für die wochenlang in der Öffentlichkeit heftig kritisierte 96-Mannschaft. Die, die weiter zum Team stehen, honorieren es, wenn die Spieler sich auf dem Platz wehren und kämpfen, statt sich zu ergeben – wie es im Niedersachsenduell endlich mal der Fall war. Das gibt den „Roten“ einen spürbaren Schub.
5. Mirko Slomka möchte keinen Negativ-Eintrag im Bundesliga-Geschichtsbuch: Er kam, sah und verlor: Seitdem Slomka die Nachfolge von Andreas Bergmann angetreten hat, gab es nur Niederlagen, zum Teil sogar saftige. Würde jetzt die siebte am Stück folgen, wäre das ein neuer negativer Trainer-Startrekord für die gesamte Bundesliga. So viel Nettigkeiten für die Konkurrenz müssen nun wirklich nicht sein!
6. Der SC Freiburg war schon im Hinspiel ein Punktelieferant: Es war das 96-Schützenfest der Saison – ein 5:2 leuchtete am 3. Oktober 2009 nach dem ersten Heimsieg der Saison auf der Anzeigetafel auf. Zu den Torschützen gehörte Didier Ya Konan, der heute sein Comeback gibt – auch ein gutes Vorzeichen dafür, dass der Knoten reißen könnte und Constant Djakpa endlich mal wieder einem Freuden-Salto vollführt.
7. Sportdirektor Jörg Schmadtke kennt sich beim Gegner bestens aus: Wenn sich ein 96er in Freiburg nichts vormachen lässt, dann Jörg Schmadtke. Der Sportdirektor der „Roten“ stand zwischen 1993 und 1997 im Tor des Erstligisten und verpasste nur fünf Spiele. Obwohl seitdem einige Zeit vergangen ist: Für ein paar Tipps, um drei Punkte einfahren zu können, wird es noch reichen.
8. Die Ruhe beim Gastgeber ist trügerisch: Genug des Vorgaukelns von einem Urlaubsidyll an der Dreisam. Der SC ist auch nur ein Bundesligist; und auch da gibt es Ärger, wenn es runter in den Keller geht. Das wird man heute Abend merken, wenn Freiburg auf einem Abstiegsplatz steht.
9. 96 kann mehr Erfahrung in die Waagschale werfen: Robin Dutt ist ein Trainer-Neuling in der 1. Liga. Christian Schulz und Altin Lala, die in der 96-Anfangself stehen, haben insgesamt fast so viele Bundesligaspiele auf dem Buckel wie die gesamte Freiburger Mannschaft. Jiri Stajner hat allein fast mehr Bundesligatore geschossen als alle Spieler der Breisgauer zusammen. Und gegen solch eine Truppe von Frischlingen soll 96 verlieren? Niemals!
10. Mohamadou Idrissou ist unberechenbar – und eigentlich ja Hannoveraner: Ja, der „Mo“. Der Kameruner, der immer noch ein Haus in Hannover besitzt, ist stets für eine oder mehrere Eskapaden gut; das wissen wir seit seiner Zeit bei 96 von 2002 bis 2005 bestens. Es wurde jedenfalls nie langweilig mit dem mittlerweile 29-Jährigen. Oder ist er doch schon älter? Denn selbst um das Geburtsjahr Idrissous gab es damals Ungereimtheiten. Er hatte Streit mit der Freundin, mit dem Trainer, mit dem Manager, es gab einen Handtaschenalarm, Chlamydien und so weiter – in Freiburg wurde es etwas ruhiger um ihn; vielleicht lag das auch an der Entfernung. Aber jetzt hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Er habe keinen Bock darauf, mit „Absteigern zu spielen“, hat er zu seinen Mitspielern gesagt. Es gab angeblich eine Aussprache mit anschließender Versöhnung. Dennoch ist mit Sicherheit etwas zurückgeblieben bei seinen Mitspielern – so war das früher in Hannover auch immer. Da kann der „Mo“ noch so ein guter Stürmer sein; er spielt heute nicht nur gegen die Abwehr der „Roten“ ...
Norbert Fettback
 und Jörg Grußendorf
SN-Online.de Anmeldung