Hannover. Der eine Traum mit Berlin ist ausgeträumt. Das Pokalfinale in der Hauptstadt kann Hannover 96 auch in diesem Jahr nicht mehr erreichen. Dennoch kann die Millionen-Metropole eine wichtige Zwischenstation für die „Roten“ sein. Die Europa-Pokalplätze sind in greifbarer Nähe. Es sind nur drei Punkte bis zum Tabellensechsten Bayer Leverkusen – und ein Sieg im Olympiastadion kann die Hannoveraner noch näher heranbringen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass 96 aufschließt, denn der Gastgeber Hertha BSC ist auf dem absteigenden Ast. Und reichlich verunsichert.
Zwei Niederlagen nach der Winterpause sprechen eine ebenso deutliche Sprache wie die dabei gezeigten Leistungen der Berliner. Bei 96 hätte niemand etwas dagegen, wenn ein dritter ähnlicher Auftritt folgen würde. Die „Roten“ sind zwar in der Abwehr ähnlich gebeutelt wie ihr Gegner. Ihnen fehlen mit Emanuel Pogatetz und Karim Haggui beide etatmäßigen Innenverteidiger. Dennoch: Egal, wen Mirko Slomka aufbietet neben Mario Eggimann – ob nun Routinier Christian Schulz oder Youngster Christopher Avevor –, großartig Gedanken muss sich der hannoversche Trainer wohl nicht machen. Beide haben in der Vergangenheit bewiesen, dass auf sie in der zentralen Abwehr Verlass ist.
Und bei Hertha? Da regieren die Fragezeichen. Wie passen die neuen Leuten zusammen? Wie schlägt Felix Bastians ein? Kann man dem jungen Sebastian Neumann vertrauen? Der Respekt vor den 96-Stürmern ist da geradezu greifbar – auch wenn die „Roten“ in dieser Saison eine ziemliche Zurückhaltung im Toreschießen zeigen.
Aber: Mohammed Abdellaoue hat schon zehn Saisontreffer auf seinem Konto. Und auch wenn Jan Schlaudraff erst zweimal getroffen hat, ist er aufgrund seiner grandiosen Technik, seiner Übersicht und seiner Schnelligkeit unberechenbar. Außerdem scheinen die „Roten“ jetzt eine echte Alternative für dieses Duo gefunden zu haben. Nach ziemlichen Anlaufschwierigkeiten bei seiner Verpflichtung, bei aller Aufregung um seine anfangs fehlende Arbeitserlaubnis, bei aller Unkenntnis seines wirklichen Könnens: Mame Diouf ist da und deutete laut Slomka beim Training schon an, dass er weiß, wo das Tor steht. „Man sieht, dass er eine gute Ausbildung genossen hat“, sagte der Trainer über den Senegalesen, „er ist ein sehr dynamischer und gefährlicher Spieler.“
Von Beginn an kann der 24-jährige Stürmer sein Können in Berlin am Sonnabend wohl nicht zeigen. Slomka dürfte zunächst auf Bewährtes setzen. Aber es scheint sicher: Wenn Diouf eingewechselt wird, dann steigt die Berliner Verunsicherung noch mehr. Man darf gespannt sein, ob er diese ausnutzen kann.
Egal, wie es läuft: Diouf hat den großen Vorteil, dass er in eine eingespielte, intakte Mannschaft kommt. Eine Mannschaft, die wieder nach Europa will – und Berlin als Zwischenstation nutzen will.
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