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Interview

Elson über Hannover, Traumtore und die Abstiegsangst

„Hannover? Bist du verrückt?“ Von Traumtoren, Schlaflosigkeit und Kampf gegen die Abstiegsangst: Elson im HAZ-Interview mit Redakteur Volker Wiedersheim.
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Spielmacher unter sich: Torschütze Elson (links) und Eigentorvorlagengeber Arnold Bruggink üben die neue Fußball-Leichtigkeit.

Spielmacher unter sich: Torschütze Elson (links) und Eigentorvorlagengeber Arnold Bruggink üben die neue Fußball-Leichtigkeit.

© Ulrich zur Nieden

Elson, nach Ihrem wunderschönen Tor gegen den SC Freiburg hat Ihnen Technik-Trainer Nestor El Maestro einen Kuss aufgedrückt. Ist Ihnen so etwas zum ersten Mal passiert?
Das war lustig. Um die Reaktion zu verstehen, muss man die ganze Situation von 96 sehen. Die Serie von Niederlagen, und dann gehen wir endlich mal in Führung. Ein Tor mit Technik, und Nestor ist Techniktrainer.

Kann der Techniktrainer selbst einem Brasilianer noch etwas beibringen?
Ja, natürlich.

Wussten Sie schon beim Schuss aus 18 Metern, dass das ein Tor wird?
Ja, sofort. Ich war mir 100-prozentig sicher. Ich liebe diesen Ball. Das war genau mein Laufweg, genau meine Position.

Sie haben schon am 2. Spieltag für den VfB Stuttgart doppelt gegen die Breisgauer getroffen. Das zweite Tor war ein sensationeller 30-Meter-Schuss.
Das war das schönste von meinen Toren gegen Freiburg. Aber das am Sonnabend war das Wichtigste.

Alle 96er haben sich in der Partie auch Schwächen geleistet. Sie stechen nicht nur als Kunstschütze heraus, sondern stehen auch mit 65 Prozent gewonnenen Zweikämpfen vorn in der 96-Statistik. Ist das normal für den „Zehner“ Elson?
Wissen Sie, ich stamme aus einfachen Verhältnissen, meine Mutter war Putzfrau. Ich habe gelernt zu kämpfen. Als ich mit 16 Jahren meinen ersten Vertrag als Profi unterschrieben habe, habe ich gesagt: „Mama, du sollst jetzt nicht mehr arbeiten!“ Seit zwölf Jahren schicke ich meiner Mutter Geld. Ich kämpfe immer, ich muss mit Herz spielen.

Was ändert der Sieg gegen Freiburg für Sie persönlich?
Ich habe vorher nicht gut geschlafen und nachts oft mit offenen Augen dagelegen. Nach dem Spiel in Freiburg habe ich zum ersten Mal gut geschlafen. Auch dank meiner Familie.

Die ist, anders als geplant, doch nach Hannover gezogen. Warum?
Wenn die Familie bei mir ist, dann ist der Kopf klar.

Versteht Ihre Frau Aline etwas von Fußball?
Aber ja. Sie ist bei Heimspielen immer im Stadion, und wir reden viel darüber. Meine Tochter Maria Louisa ist auch immer dabei. Sie guckt aber nicht zu, sie geht in die Spielecke im VIP-Bereich.

Wie fanden die VfB-Kollegen Ihre Idee, nach Hannover zu wechseln?
„Hannover? Bist du verrückt?“ Auch VfB-Manager Horst Heldt hat gesagt: „Bleib, deine Chance kommt.“ Aber ich habe daran nicht geglaubt und die Entscheidung noch nicht einmal bereut.

Der VfB Stuttgart ist nach Eintracht Frankfurt der übernächste 96-Gegner und empfängt am Ende einer „englischen Woche“ mit dem Champions-League-Spiel beim FC Barcelona die „Roten“.Was erwarten Sie von der Partie?
Frankfurt und Stuttgart – beides schwere Spiele. Für Stuttgart ist die höhere Belastung kein Problem. Christian Gross trainiert so hart wie ein zweiter Felix Magath. Cacau, mein Landsmann, ist ein sehr flexibler Stürmer, sehr gefährlich und mit dem derzeitigen Selbstvertrauen einer der Besten in Deutschland. Ich hoffe, Karim Haggui gewinnt das Duell gegen ihn.

Anfang der Saison haben Sie für den VfB in der Champions League ein Tor geschossen. Jetzt war zu lesen, Sie möchten nach der Ausleihe in Hannover bleiben, selbst in der 2. Liga. Wäre das nicht ein dramatischer Abstieg?
Ich will spielen. Und hier haben alle im Klub Vertrauen in meine Arbeit. Ich würde mit 96 in die 2. Liga gehen. Aber seit dem Sieg in Freiburg bin ich sicher, 96 geht nicht in die 2. Liga.

Interview: Volker Wiedersheim


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